Lebenshilfe Bremen bietet Übersetzungsdienst für schwierige Texte

"Büro für leichte Sprache"

Behördenpost, Bedienungsanleitungen, Beipackzettel - oft sind die Texte kaum zu verstehen. Gerade Menschen mit einer geistigen Behinderung scheitern im Alltag häufig an unüberwindlichen Sprachbarrieren. Die Lebenshilfe Bremen bietet deshalb einen bundesweit einzigartigen Übersetzungsdienst an: Im "Büro für leichte Sprache" werden aus unverständlichen Texte verständliche formuliert.

Behinderte sollten möglichst selbstbestimmt leben, lautet das Anliegen des Büros. "Doch wie soll das funktionieren, wenn sie vieles noch nicht einmal verstehen, weil es so kompliziert geschrieben ist?", fragt Andreas Hoops, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bremen.

Im Bremer Büro werden die Texte nicht eins zu eins übersetzt. Vielmehr fassen die Mitarbeiter Inhalte zusammen und schreiben sie dann in verständlichen Worten nieder. So heißt es beispielsweise auf dem eigenen Faltblatt des Übersetzungsbüros: "Damit Texte für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen verständlich werden, muss die Sprache an die individuelle Lesekompetenz angepasst werden." Übersetzt wird das dann auf der Rückseite mit den Worten: "Das Büro will, dass Sie Texte besser verstehen können. Wenn Sie viel verstehen, können Sie viel selber entscheiden."

Um den Inhalt eines Textes noch verständlicher zu machen, ergänzen die Übersetzer die Sätze durch Bilder oder Symbole. Fremdwörter werden entweder gar nicht benutzt oder erklärt. "Leichte Sprache sollte nicht mit banaler Sprache verwechselt werden", erläutert Projektleiterin Claudia Wessels. Ebenso wenig sei es eine Kindersprache. "Wir greifen auf Dinge zurück, die geläufig sind", sagt die die Diplompädagogin. Als sie beispielsweise eine Informationsschrift zur Gesundheitsreform zusammenstellte, entschied sie sich für die Abbildung eines Zehn-Euro-Scheins, um zu verdeutlichen, was Arztbesuche pro Quartal jetzt kosten.

Ebenso wichtig wie verständliche Formulierungen ist die Struktur eines Textes. Die Übersetzungen des Büros zeichnen sich durch kurze Absätze und eine übersichtliche Gliederung aus.

Etwa 30 Euro kostet die Übersetzung einer Seite. Zur Zielgruppe des Büros gehören neben Behinderten auch Menschen, die mit ihnen zu tun haben. Zum Beispiel Mitarbeiter des Sozialamts, die einem behinderten Menschen schreiben wollen, wie viel Sozialhilfe er erhalten wird. Oder der Arbeitgeber, der einen verständlichen Arbeitsvertrag braucht.

Die Aufträge für die Übersetzungen kommen aus ganz Deutschland. Auch das sächsische Justizministerium bat das Bremer Büro schon, den Text einer Gesetzesänderung zu übertragen. Diese Übersetzung sollte sich an Polizisten, Ärzte und Mitarbeiter von Jugendämtern richten. In diesem Fall allerdings lehnte das "Büro für leichte Sprache" den Auftrag ab. "Weil das nicht unser Adressatenkreis ist", sagt Hoops.

"Die Übersetzungen verlassen unser Büro nie ungefiltert", betont Wessels. Jeder Text werde von Behinderten Korrektur gelesen. Denn was ein Mensch mit Behinderung tatsächlich verstehe, sei für einen Menschen ohne Behinderung nur schwer zu beurteilen.

www.lebenshilfe-bremen.de