Supermarkt von genmanipulierter "Müller"-Milch geräumt

Gentechnik in Lebensmitteln

Acht "Senioren-Aktivisten" von Greenpeace räumten "Müller"-Milchprodukte aus den Regalen eines Supermarktes in Freisingen, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Die Organisation möchte die Produkte zum Produktionsstandort nach Weihenstephan bringen, um dort gegen Gentechnik manipuliertes Futter der Milchkühe zu protestieren. "Müller"-Milch falle nicht unter die Genkennzeichnungspflicht, da die Fütterung der Tiere mit Genfutter bisher noch nicht kennzeichnungspflichtig sei. "Verbraucher bleiben so im Dunkeln und haben keine Wahlfreiheit", kritisierte Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von dem Umweltverband.

Weihenstephan, ein Unternehmen der Müller-Molkerei, werbe auf blau-weissen Verpackungen mit dem Begriff "Alpenmilch" und erkläre, seine Milchproduktion fänden "fernab der industriellen Massentierhaltung" statt, so Brendel. Doch mit Milch von Kühen, die sich ausschliesslich auf saftigen grünen Almwiesen satt fressen würden, habe die Milch von Weihenstephan wenig gemein. Die Tiere würden unter anderem mit Gen-Pflanzen aus der industriellen Landwirtschaft gefüttert.

Nach einer aktuellen Umfrage der "GfK Marktforschung" im Auftrag von Greenpeace wollen 68 Prozent der Verbraucher keine Milchprodukte von Kühen, die Gen-Pflanzen fressen. "Aufgrund der ablehnenden Verbrauchermeinung gibt es in den Supermärkten längst keine Produkte mehr, die als Gen-Food gekennzeichnet werden müssen", sagt Brendel. Dennoch gelangten große Mengen Gen-Pflanzen nach Deutschland und würden als Tierfutter verwendet.

In einer Resolution vom Januar 2005 habe jetzt auch der Europarat von seinen Mitgliedsstaaten und vom Europäischen Parlament eine Kennzeichnungspflicht tierischer Produkte gefordert. Bei einer Kennzeichnung bestünde für die Verbraucher Klarheit, bei welchen Produkten Gentechnik im Herstellungsprozess verwendet würde und in welchen nicht. Mit der "anonymen Fütterung" mit Gen-Pflanzen könne der Anbau genmanipulierter Pflanzen nicht "aufgehalten" werden, heißt es in der Mitteilung des Umweltverbandes. Dabei seien die ökologischen Schäden durch den Anbau von Gen-Soja bereits heute weltweit sichtbar, so Greenpeace.

"Qualität beruht nicht nur auf einer schicken Verpackung und hohen Preisen, sondern fängt bereits bei der Tierfütterung an", sagt Brendel. Weihenstephan vermittele mit seinem edlen Markenimage den Verbrauchern den Eindruck, es handele sich um besonders hochwertige Milchprodukte. Stattdessen steckten dahinter Kühe, die mit Gen-Pflanzen gefüttert würden.