Pestizide in Lebensmitteln, der Landwirtschaft | Wie gefährlich sind sie wirklich

Landwirtschaft - NABU fordert verstärkte Kontrollen beim Pestizideinsatz auf dem Acker

Vor dem Hintergrund des jüngsten Pestizidskandals im "Alten Land" an der Unterelbe hat der Naturschutzbund NABU eine verstärkte Vollzugskontrolle sowie ein konsequenteres Vorgehen bei Verstößen gegen das Pflanzenschutzrecht gefordert. "Einmal mehr zeigt sich, dass die Anwendung von Pestiziden oft nicht sachgerecht erfolgt und offensichtlich systematisch gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen wird", so NABU-Geschäftsführer Gerd Billen. In der letzten Woche hatte ein internes Gutachten des Pflanzenschutzamtes Hannover belegt, dass die Obstbauern im Alten Land regelmäßig nicht zugelassene Pestizide anwenden, die Mindestabstände zu Gewässern nicht einhalten und vorgeschriebene Techniken nicht einsetzen.

Angesichts zahlreicher weiterer Missbrauchsfälle sei das aktuelle Beispiel für den NABU nur die Spitze des Eisberges und symptomatisch für die bundesweiten Vollzugsdefizite im Pestizidbereich. Neben der konsequenten Anwendung des Ordnungsrechts und schärferen Kontrollen seien daher auch ergänzende Instrumente wie eine Abgabe auf Pflanzenschutzmittel nötig, um den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und im Obstbau zu reduzieren und umweltverträglicher zu gestalten.

Einen besonderen Handlungsbedarf sehe der NABU hinsichtlich der Konsequenzen für den so genannten "Integrierten Obstbau". Das Gutachten des Pflanzenschutzamtes belege erneut, dass im Integrierten Obstbau ebenfalls illegal Pestizide eingesetzt und geltende Regelungen nicht eingehalten würden. Die weitere Bewerbung des Integrierten Obstbaus mit einem Prädikatsbegriff wie "umweltschonend" sei daher aus Sicht des NABU-Geschäftsführer umgehend zu verbieten.

"Der Integrierte Obstbau wirbt nur mit Selbstverständlichkeiten. Daher verstößt er gegen das Wettbewerbsrecht und betreibt eine vorsätzliche Verbrauchertäuschung", so Billen. Es sei nun dringend geboten, den Integrierten Pflanzenschutz generell auf den Prüfstand zu stellen und im Fachgesetz zu konkretisieren. Darüber hinaus müsse eine Umstellung auf ökologischen Obstbau sowie eine systematische Stärkung und Verbreitung prophylaktischer Pflanzenschutzmaßnahmen besser gefördert werden.

Am 27-02-2002

Weniger Pestizide im Bio-Gemüse

Biologisch angebautes Obst und Gemüse enthält um ein Drittel weniger Pestizide als das aus konventioneller Landwirtschaft. Das ergab eine im "Food Additives and Contaminants Journal" veröffentlichte Studie. Die Debatte um die Pestizidbelastung in ökologisch angebautem Obst und Gemüse war in einer TV-Sendung des ABC-News-Programms "20/20" im Februar 2000 losgetreten worden. Damals behauptete John Stossel, Korrespondent von ABC, dass es Forschungsberichte gebe, die bewiesen, dass biologisch angebautes Obst und Gemüse ebenso mit Pestiziden belastet sei wie herkömmlich angebautes. Obwohl der Reporter in einem weiteren Statement die Behauptung später zurückzog, gab es heftige Reaktionen seitens der Consumer Union, die darin eine Attacke gegen die biologische Landwirtschaft sah. Jetzt gibt es endlich Fakten zu der Frage.

Edward Groth von der Consumers Unit zeigt sich über die neuerliche Untersuchung erfreut. "Vorher gab es keine Daten, nur Meinungen. Die Ergebnisse der neuen Studie belegen aber eindeutig, dass die Pestizidrückstände in organisch gezogenem Obst und Gemüse wesentlich niedriger sind als in denen aus der konventionellen Landwirtschaft", so Groth. Tatsächlich wurden in der Studie der amerikanischen Landwirtschaftsbehörde mehr als 94.000 Proben untersucht, die zwischen 1994 und 1999 in Kalifornien gezogen wurden. Nur knapp 1.300 davon stammten aus ökologischem Anbau. 73 Prozent aller gezogenen Proben enthielten zumindest nachweisbare Rückstände eines einzelnen Pestizids und sechs Mal häufiger verschiedene Pestizid-Rückstände als organische. Dagegen konnten bei nur 23 Prozent der ökologisch angebauten Güter Pestizid-Rückstände gefunden werden. In Kalifornien wurden bei 31 Prozent der konventionellen Lebensmittel Rückstände gefunden und nur bei 6,5 Prozent aus biologischem Anbau.

Die Studie hat auch untersucht, warum Obst und Gemüse aus der biologischen Landwirtschaft überhaupt Pestizid-Rückstände aufwies. Die Gründe dafür liegen in der Bindung langanhaltender Gifte wie DDT, die offensichtlich immer noch im Boden vorhanden sind. Wenn DDT aus der Untersuchung genommen wurde, fiel das Maß an Rückständen noch niedriger aus: dann enthielten nur noch 13 Prozent der Lebensmittel nachweisbare Pestizide.

Gegner der biologischen Landwirtschaft, allen voran das American Council on Science and Health, das 40 Prozent seines Budgets von der Industrie bekommt, behaupten, dass Gesundheitsrisiken durch Pestizide nicht hinreichend erforscht sind. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Pestizide schädlich für die Gesundheit sein könnten, so Gilbert Ross vom Council. Dagegen wettert die Environmental Protection Agency seit Jahren. Die EPA forder nämlich seit 1996 die Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden.

Die Menge an Pestiziden in konventionellen Landwirtschaftsprodukten ist immer noch unter dem Grenzwert, der definitiv als gesundheitsgefährdend eingestuft wird. Er bewegt sich aber dennoch in einem Bereich, von dem einige Forscher meinen, er sei zu hoch. Klar ist für die Environmental Working Group , einer non-profit-Forschungsorganisation, dass das Ergebnis der Studie eindeutig für Bio-Nahrungsmittel spreche. "Wer die Pestizidmenge verringern will, greift zu Produkten, die aus ökologischer Landwirtschaft stammen", so Ken Cook, Chef der Environmental Working Group.

Am 09-05-2002

Warnung vor hormonell wirksamen Pestiziden und Bioziden

Tausende Tonnen Pestizide und Biozide werden in Deutschland jährlich auf Feldern, in Gärten oder Wohnräumen eingesetzt, um Menschen, Pflanzen, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände vor Schädlingen zu schützen. Doch viele Stoffe sind hochgiftig, beeinträchtigen den Hormonhaushalt und können dadurch die menschliche Gesundheit und die Umwelt schädigen. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW heute vorgestellt haben. Die Studie beruht auf aktuellen Daten der Europäischen Kommission und des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV).

Stoffe wie Vinclozolin, Diuron, Lindan oder Pyrethroide werden gezielt versprüht, vergossen oder ausgelegt. Die Gifte verbleiben auf gespritzten Lebensmitteln, behandelten Gegenständen und in der Luft und werden vom Menschen über die Nahrung, Atemluft und Hautkontakt aufgenommen. Der WWF und die Verbraucher-Zentrale NRW fordern deshalb Verbraucherschutzministerin Renate Künast auf, hormonell wirksame Pestizide und Biozide zu verbieten und sich in der Agrarpolitik verstärkt für einen Rückgang des Pestizideinsatzes stark zu machen. Industrie und Handel müssen dringend hormonell wirksame Stoffe durch ungefährliche Alternativen ersetzen.

"Es ist unverantwortlich, dass Menschen nicht vor der Belastung mit hormonell wirksamen Bioziden und Pestiziden geschützt werden. Unsere Studie nennt deutliche Hinweise, dass die Abnahme der Fruchtbarkeit und die Zunahme von Brust- und Hodenkrebs auf die Belastung mit diesen Stoffen zurückzuführen ist", kritisierte Patricia Cameron vom WWF.

In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Pestizidwirkstoffe verkauft und hauptsächlich von Landwirten auf Feldern ausgebracht. Darunter sind giftige Stoffe wie das Vinclozolin, von denen laut EU-Kommission häufig Rückstände auf Erdbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Salat, Spargel oder Tomaten gefunden werden. Tierversuche haben gezeigt, dass dieses Gift die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane verhindert und die Spermienproduktion und die Fruchtbarkeit vermindert.

Aber auch Privatpersonen greifen oft nach der chemischen Keule, um ihren Traumgarten zu verwirklichen oder Schädlinge aus ihrer Wohnung zu vertreiben. So wurden im Jahr 2000 in deutschen Gärten 470 Tonnen Pestizidwirkstoffe gegen Blattläuse, Schnecken oder Unkraut verteilt. Besonders problematisch ist Diuron, das von Hobby-Gärtnern oft gegen Unkraut auf Terrassen und Wegen verteilt wird. Von hier gelangt Diuron, das auch von der EU-Kommission und dem Umweltbundesamt als hormonell wirksam bewertet wird, ins Grundwasser und belastet europaweit das Trinkwasser.

In mehr als der Hälfte aller deutschen Haushalte werden Gifte gegen Fliegen, Kakerlaken und andere Schädlinge eingesetzt. Immer noch wird Holz im Wohnraum behandelt. Wollteppichböden sind meist gegen Motten- und Käferfraß ausgerüstet. Dabei werden häufig synthetische Pyrethroide eingesetzt, die als Nervengift wirken und in den Hormonhaushalt eingreifen können. Besonders problematisch ist auch Lindan, das als Pestizid nicht mehr zugelassen wird, aber als Biozid z.B. in Shampoos gegen Kopfläuse verwendet wird, obwohl es sehr giftig und hormonell wirksam ist.

"Verbraucher können auch sehr gut ohne chemische Mittel in Haus und Garten auskommen", so Chemiker Joachim Dullin von der Verbraucher-Zentrale NRW und nennt Beispiele: "Hacken, Ausstechen oder Abflammen sind giftfreie Methoden gegen Unkraut. Holzschutzmittel sind im Wohnraum überflüssig. Wollteppiche sind auch ohne Mottenschutzausrüstung erhältlich. Gegen Kopfläuse gibt es Shampoos mit unbedenklicheren Stoffen wie Neem oder Pyrethrum. Wer sich gesund ernähren will, sollte ökologisch angebautes Obst und Gemüse kaufen, das ohne Einsatz von Pestiziden angebaut wird."

Zusätzliche Tipps und Informationen liefert ein gemeinsames Faltblatt, das beim WWF und Verbraucher-Zentralen kostenlos erhältlich ist.

Am 28-05-2002

Umweltgifte

Das internationale Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) appelliert an den UN Generalsekretär Kofi Annan, die Bayer AG nicht in ein UN-Programm einzuschließen, das Menschenrechte und Umweltschutz voranbringen will. Auch sollten Unternehmen, die hoch gefährliche Produkte wie Pestizide vermarkten, sollten von der UN Global Compact Initiative ausgeschlossen werden. Mit ihrem Schreiben unterstützt das PAN den Appell einer Dorfgemeinschaft aus Peru, deren Kinder an Bayer Pestiziden gestorben waren.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Peru kam zu dem Ergebnis, dass die Bayer AG für die durch das Pestizid Parathion-Methyl verursachte tödliche Vergiftung von 24 Kindern aus dem Andendorf Tauccamarca verantwortlich sei. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 1999, als die Kinder in der Schule mit dem Pestizid verunreinigtes Milchpulver zu trinken bekamen. Die Bayer AG wurde als Hauptimporteur des extrem gefährlichen und hochgiftigen Insektenvernichtungsmittels vom eigens eingesetzten Untersuchungsausschuss identifiziert.

PAN betont anlässlich des weltweiten Tages gegen Pestizideinsatz, dass es sich nicht um einen unglücklichen Einzelfall handelt. "Unsere seit 20 Jahren andauernde Arbeit hat gezeigt, dass der Einsatz von Pestiziden in bestimmten Regionen der Welt sehr problematisch ist. Insbesondere gilt dies dort, wo Bäuerinnen und Bauern, deren Familien und die Land- und Plantagenarbeiter keinen Zugang zu oder keine wirtschaftlichen Mittel für Sicherheitsausrüstung haben, wo es sich um Analphabeten handelt oder wo keine Kenntnisse über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt vorhanden sind" erklärt Carina Weber, PAN Germany Geschäftsführerin.

Die PAN Regionalzentren unterstützen daher den Appell der betroffenen Dorfgemeinschaft an Generalsekretär Kofi Annan, im Namen der Vereinten Nationen Pestizidhersteller dazu aufzufordern, ihre gefährlichsten Produkte vom Markt zu nehmen.

Am 04-12-2002

Lebensmittelsicherheit

Jede fünfte Obst- und Gemüseprobe aus dem Berliner KaDeWe (Kaufhaus des Westens) überschreitet die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des EinkaufsNetzes, der Greenpeace-Verbraucherorganisation. In Trauben, Kopfsalat, Erdbeeren und Zucchini wurden sogar Giftcocktails mit bis zu acht Pestiziden gefunden. Zudem warnt Greenpeace vor Wurstwaren und Produkten von Firmen wie Herta und Kattus, die möglicherweise gentechnisch manipulierte Zutaten einsetzen.

60 Greenpeace-Aktivisten protestieren daher seit Freitag Morgen vor und im KaDeWe. Auf einem sechs mal elf Meter großen Transparent an der Fassade des Kaufhauses verlangt Greenpeace: "Gift und Gentechnik - Alles muss raus." Die Umweltschützer präsentieren Obst und Gemüse sowie Produkte der Gentechnik-Verdächtigen aus dem KaDeWE vor dem Kaufhaus in einem zwei Meter hohen Reagenzglas. Greenpeace fordert von den Lebensmittelhändlern und Supermarktketten, die gesetzlichen Grenzwerte sofort einzuhalten. Mittelfristig sollen sie nur Lebensmittel ohne Pestizide und Gentechnik anbieten. Zudem müssen die Behörden stärker kontrollieren.

"Das KaDeWe ist nur die Spitze des Eisberges. Der gesamte Lebensmittelhandel hat ein massives Qualitätsproblem", sagt Corinna Hölzel vom EinkaufsNetz. "Das verseuchte Obst und Gemüse zeigt, dass die Landwirtschaft in eine völlig falsche Richtung läuft. Händler und Supermarktketten müssen dafür sorgen, dass die Kunden einwandfreie Ware erhalten."

Mit einer Umfrage stellte das Greenpeace-EinkaufsNetz im Juli fest, dass die meisten deutschen Lebensmittelhersteller auf jegliche Zutaten aus genmanipulierten Organismen verzichten. Nur wenige Firmen wollen keine Garantie abgeben, darunter Kattus mit seinen Marken Fuego, Bamboo Garden und Lacroix. Auch der Wurst- und Fleischhersteller Herta weigert sich zu versichern, dass die Tiere, deren Fleisch er verarbeitet, Futter ohne genmanipulierte Bestandteile erhalten.

"Wer Essen ohne Pestizide und Gentechnik kaufen will, kann nur bei Bio-Produkten sicher sein", sagt Manfred Krautter, Chemieexperte bei Greenpeace. Schon seit Jahren überschreiten rund vier Prozent der in der EU verkauften Lebensmittel die gesetzlichen Pestizid-Grenzwerte; bei einigen Obst- und Gemüsearten sind es sogar über 20 Prozent.

Viele der Pestizide sind Krebs erzeugend, können das Hormonsystem schädigen und gefährden vor allem die Gesundheit der Kinder. Wegen der überschrittenen Grenzwerte im KaDeWe hat Greenpeace die Berliner Lebensmittelüberwachungsbehörde und die Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz alarmiert.

Am 15-08-2003

Greenpeace testet Lebensmittel

Rund ein Viertel der Trauben in den großen Supermarktketten erreicht oder überschreitet nach Untersuchungen von Greenpeace die Grenzwerte für Pestizid-Rückstände. In 23 von 26 Traubenproben befänden sich Reste von Pestiziden, in rund der Hälfte liessen sich vier oder mehr Spritzmittel nachweisen, in einem Fall sogar acht. Das ist eines der Analyse-Ergebnisse von mehreren Obst- und Gemüsesorten, die das EinkaufsNetz, die Greenpeace-Verbraucherorganisation, bei den Handelsgruppen Lidl, Metro, Rewe, Aldi, Edeka, Tengelmann und Karstadt-Quelle gekauft hat. Unter den in Trauben gefundenen Pestiziden seien die möglicherweise Krebs erregenden Stoffe Dimethoat und Ethofenprox gewesen, zudem Chlorpyriphos und Fenitrothion, die vermutlich schon in kleinsten Mengen hormonell wirksam seien und die Fortpflanzung stören könnten.

Der am heutigen Freitag veröffentlichte Report über die von März bis August untersuchten insgesamt 100 Stichproben belege, dass Produkte in Supermärkten häufig die Grenzwerte für Pestizide überschreiten, so die Umweltschutzorganisation.

Überwiegend betroffen von Pestizidfunden seien Läden der Gruppen Lidl, Rewe (Minimal, HL, Penny) und Metro (Kaufhof, Real, Extra). Besonders viele und hohe Pestizid-Rückstände steckten in Paprika, Trauben und Erdbeeren.

"Es ist ein Skandal! Der Lebensmittelhandel bringt immer wieder belastetes Obst und Gemüse auf den Markt, das teilweise wegen überschrittener Grenzwerte nicht verkauft werden dürfte", sagt Eckehard Niemann, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. Der Handel solle künftig nur noch pestizidfreie Lebensmittel anbieten, die auch von Kleinkindern bedenkenlos gegessen werden könnten, fordert die Organisation.

Pestizide seien auch bei einzelnen Proben von Salat, Mango, Kiwi, Zucchini und Chili-Gewürzpulver gefunden worden. Obst und Gemüse aus Mittelmeerländern sei meist deutlich stärker belastet gewesen als holländische oder deutsche Ware. In Bio-Märkten sei das untersuchte Obst und Gemüse - bis auf einen Fall mit geringfügiger Belastung - frei von Pestiziden. Als erfreulich werten die Umweltschützer, dass in Beeren relativ wenige Rückstände und oft sogar keine Schadstoffe gefunden wurden.

Greenpeace kritisiert, dass selbst wenn die Behörden Verstöße feststellten, der Verbraucher bisher wegen fehlender Rechtsgrundlagen meist nichts davon erfahre. Greenpeace fordert daher von der Bundesregierung, das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) auf den Weg zu bringen. Dann hätten Verbraucher ein Recht auf Informationen rund um alle Lebensmittel. Das VIG würde den Behörden ermöglichen, auch die Namen von Firmen und Produkten zu nennen. "Wenn bei jedem Pestizidfund der Verantwortliche benannt wird, dann verbessert sich die Lage für den Kunden sehr schnell", erklärt Niemann. "Die Nennung einzelner schwarzer Schafe würde verhindern, dass ganze Branchen in Verruf gebracht werden."

Das EinkaufsNetz, die Verbraucherorganisation von Greenpeace, setzt sich seit 1997 für mehr Sicherheit und Qualität bei Lebensmitteln ein.

Am 22-08-2003

Neues Chemikalienrecht gefordert

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) soll endlich die Namen der von ihm zugelassenen Pestizide nennen, in denen Nonylphenol (NP) oder Nonylphenolethoxylate (NPE) enthalten sind. Weil sich das Amt seit April 2002 weigert, diese Daten bekannt zu geben, sieht es sich seit Dienstag einer Klage der Umweltorganisation Greenpeace vor dem Verwaltungsgericht Köln ausgesetzt. Greenpeace und unabhängige Wissenschaftler vermuten, dass durch den Einsatz dieser Spritzmittel das giftige Nonylphenol in zahlreiche Lebensmittel gelangt. Nonylphenol ist das Abbauprodukt von NPE. Das Dauergift NP kann das menschliche Immunsystem schädigen, das Hormonsystem stören, sich in der Muttermilch anreichern und ist schwer abbaubar.

?Das Amt gehört zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, aber es schützt nicht Verbraucher und Landwirte vor Dauergiften, sondern die Gift-Geheimnisse der Pestizid-Produzenten vor der Öffentlichkeit?, so Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace. ?Wir klagen für die Verbraucher, um die Namen der Spritzmittel zu erfahren. Außerdem brauchen wir endlich ein neues EU-Chemikalienrecht, mit dem solche Dauergifte grundsätzlich vom Markt verbannt werden.? Im April 2002 war Nonylphenol erstmals bei Rückstandsuntersuchungen in Lebensmitteln und in Muttermilch nachgewiesen worden. Das BVL in Braunschweig weigert sich seitdem, das Dauergift zu verbieten.

Jährlich produziert die chemische Industrie weltweit 700.000 Tonnen Nonylphenol. Sechs Prozent davon finden Verwendung in Pestiziden. Allein in Deutschland werden so jährlich 500 Tonnen NPEs in der Landwirtschaft direkt auf Obst, Gemüse und Getreidepflanzen gespritzt und gelangen umgewandelt zu Nonylphenol in Lebensmittel. Nonylphenolethoxylate können heute schon ersetzt werden. Die Pestizidproduzenten wollen sich dafür jedoch bis mindestens 2005 Zeit lassen. Bis dahin kann der Stoff weiterhin ins Essen und die Umwelt gelangen. Besonders gefährdet sind Schwangere, Babys und Kleinkinder. Umweltverbände fordern grundsätzlich eine Landwirtschaft ohne Pestizide.

Nonylphenol ist kein Einzelfall. Damit dieses und andere Dauergifte aus dem Essen und der Natur verschwinden, fordert Greenpeace eine Zulassungspflicht für gefährliche Chemikalien. Eine Position, die von der EU-Kommission in einem Gesetzesentwurf vom Mai auch vorgesehen ist. Bundeskanzler Schröder allerdings torpediert die Reformziele der EU-Kommission immer wieder und vertritt auch in Brüssel die Interessen der Chemielobby.

Das Greenpeace EinkaufsNetz bietet engagierten Verbrauchern die Möglichkeit, sich für gesunde Lebensmittel ohne Rückstände einzusetzen. Bislang unterstützen 30.000 Menschen das Netz Aktion und beteiligen sich an bundesweiten Aktionen für mehr Qualität in Lebensmitteln.

Am 02-09-2003

Nerven- und Immunschäden durch Pestizide drohen

Wer seine Kinder grundsätzlich gesund ernähren will, muss auf Obst und Gemüse aus herkömmlichem Anbau verzichten. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung des EinkaufsNetzes, der Greenpeace-Verbraucherorganisation. Das EinkaufsNetz hat bei seiner jüngsten Analyse Äpfel, Birnen und Möhren auf Pestizidrückstände untersuchen lassen. Dabei fanden sich in Äpfeln und Birnen Pestizidwerte, die über der Grenze für Kleinkindnahrung liegen. Dass herkömmliches Obst und Gemüse für die Ernährung von Kleinkindern nicht uneingeschränkt geeignet sind, wissen auch die Handelsketten. So zitiert das EinkaufsNetz aus einem Brief von Rewe an einen besorgten Verbraucher vom Juli: "Wenn Sie die Nahrung selbst zubereiten möchten, empfehlen wir Ihnen, Produkte aus ökologischer Landwirtschaft zu verwenden."

"Es ist unverantwortlich, dass Supermärkte wie Kaufhof, Real und Extra jungen Eltern wissentlich derart belastete Ware für ihre Kinder anbieten", sagt Landwirtschafts-Experte Eckehard Niemann von Greenpeace. Die Umweltschützer fordern vom Handel Lebensmittel aus einer naturnahen Landwirtschaft ohne Gift und Gentechnik. Die strengen Pestizid-Grenzwerte für Kleinkindnahrung müssten auch bei Obst und Gemüse eingehalten werden. Belastete Ware müsse vom Handel mit dem Hinweis "Für die Ernährung von Kleinkindern ungeeignet" gekennzeichnet werden.

"Säuglinge und Kleinkinder sind besonders empfindlich und in hohem Maße durch Pestizide gefährdet. Die Gifte können zu Langzeitschäden im Nerven- und Immunsystem führen", erklärt Niemann. Der Gesetzgeber hat scharfe Grenzwerte für Baby- und Kleinkindkost festgelegt. So darf Kleinkindnahrung nur 0,01 Milligramm Pestizide pro Kilogramm Nahrung enthalten. Verkauft werden aber Obst und Gemüse, für die normale Grenzwerte von bis zu dem 500fachen gelten.

Seit März dieses Jahres hat Greenpeace wiederholt Obst und Gemüse untersucht. Auch Trauben, Paprika und Erdbeeren aus herkömmlichen Anbau sind demnach für Kleinkinder nicht uneingeschränkt verwendbar. In der EU sind etwa 40 Prozent der Frischware mit Spritzmittel-Resten belastet, die Hälfte davon sogar mit mehreren Pestiziden. Für Deutschland haben die aktuellen Greenpeace-Analysen sogar bei 60 Prozent der Ware Pestizid-Belastungen ergeben, bei jeder fünften Probe sogar in Höhe der gesetzlichen Grenzwerte oder darüber.

Verbraucher, die aktiv etwas gegen Gift und Gentechnik im Essen unternehmen wollen, können sich an das Greenpeace-EinkaufsNetz wenden. Bislang unterstützen 30.000 Menschen das Netz und beteiligen sich an bundesweiten Aktionen für mehr Qualität in Lebensmitteln.

Am 19-09-2003

Unser täglich Gift

Wegen schwerer Mängel bei der deutschen Lebensmittelüberwachung werden die Verbraucher nicht vor hohen Pestizidbelastungen geschützt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Pestizide außer Kontrolle", die die Verbraucherorganisation von Greenpeace, das EinkaufsNetz, am Donnerstag in Hamburg vorgestellt hat. Die Behörden sind demnach neben Produzenten und Händlern dafür verantwortlich, dass große Mengen qualitativ schlechten und nicht verkehrsfähigen Obstes und Gemüses verkauft werden. Untersucht und bewertet wurde die Lebensmittelüberwachung des Bundes und der 16 Bundesländer. Die beste Note erzielte mit "befriedigend" Baden-Württemberg, gefolgt von Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt mit "ausreichend". Die anderen Ländern wurden mit "mangelhaft", Bremen und das Saarland sogar mit "ungenügend" bewertet.

"Das Ergebnis ist eine Blamage für die Verbraucherpolitik in Deutschland", sagt Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace. "Lediglich bei Bio-Ware kann der Konsument heute von rückstandsfreier Qualität ausgehen." Und es drohten noch höhere Belastungen: Zur Zeit würden Grenzwerte für viele Pestizide auf Wunsch des Handels angehoben. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern dagegen pestizidfreie Lebensmittel und eine bessere Überwachung. Bundesregierung und Länder sollen vorbeugend gegen auffällige Hersteller und Händler von belasteten Nahrungsmitteln vorgehen. Zudem müssten sie bei Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz konsequent eingreifen.

Wie die Studie zeigt, liegen die Standards der Lebensmittelüberwachung in Deutschland meist deutlich unter dem Durchschnitt der EU-Länder und privater Labore: Die Analysen erfassten nur rund 100 der 800 in der EU zugelassenen Pestizide, die Untersuchungen seien zu langsam und dauerten in der Regel Wochen bis Monate. "Es ist absurd, dass Ergebnisse der Untersuchungen erst vorliegen, wenn der Verbraucher belastetes Obst schon lange gekauft und gegessen hat. Die Überwachung muss schneller arbeiten und Überschreitungen rechtzeitig verfolgen und ahnden", fordert Krautter.

Auch die Information der Verbraucher sei außerordentlich schlecht, da die Ergebnisse der Kontrolluntersuchungen großteils nicht veröffentlicht würden. Namen, Hersteller und Verkaufsort beanstandeter Ware würden im Gegensatz zu beispielsweise England in der Regel gegenüber den Medien und Verbrauchern unter Verschluss gehalten. So werde den Verbrauchern die Möglichkeit genommen, Lebensmittel und schwarze Schafe unter den Händlern zu vermeiden.

"Dringend nötig ist daher ein Verbraucherinformationsgesetz", schlussfolgert das EinkaufsNetz. Ein erster Anlauf scheiterte vergangenes Jahr am Widerstand der CDU/CSU-regierten Bundesländer im Bundesrat.

Am 25-09-2003

Frankreich

Der vom Comité Scientifique et Technique (CST) vorgelegte Untersuchungsbericht zum Bienensterben in Frankreich stellt fest, dass die Verwendung des Pestizids GAUCHO für den Tod Hunderttausender Bienenvölker mitverantwortlich ist. Umwelt- und Imkerverbände fordern ein Verbot des Agrogifts. In der Zusammenfassung der Studie heißt es: "Die Untersuchungsergebnisse zu den Risiken des Saatgutbehandlungsmittels GAUCHO sind beunruhigend. In Bezug auf Bienensterblichkeit und Orientierungsstörungen von Bienen stimmen die Ergebnisse der Studie mit den Beobachtungen zahlreicher Imker in Regionen intensiver Landwirtschaft (Mais- und Sonnenblumenanbau) überein. Die Saatgutbehandlung mit GAUCHO stellt ein signifikantes Risiko für Bienen in verschiedenen Altersstufen dar."

Die 108-seitige Studie wurde im Auftrag des französischen Landwirtschaftsministerium von den Universitäten Caen und Metz sowie vom Institut Pasteur durchgeführt. Der Einsatz von GAUCHO auf Sonnenblumen wurde in Frankreich vor vier Jahren wegen des hohen Risikos für Bienen verboten. Das Bienensterben ging daraufhin jedoch kaum zurück - Imker machen hierfür den großflächigen Einsatz des Agrogifts im Maisanbau verantwortlich.

Der Abschlussbericht des CST stützt diese These: "Was die Behandlung von Mais-Saat mit GAUCHO betrifft, so sind die Ergebnisse ebenso besorgniserregend wie bei Sonnenblumen. Der Verzehr von belasteten Pollen kann zu einer erhöhten Sterblichkeit von Pflegebienen führen, wodurch das anhaltende Bienensterben auch nach dem Verbot der Anwendung auf Sonnenblumen erklärt werden kann".

Das Pestizid GAUCHO (Wirkstoff Imidacloprid) wird vom deutschen BAYER-Konzern hergestellt. Mit einem Umsatz von über 500 Millionen Euro jährlich ist der Wirkstoff die Nummer eins im Agro-Sortiment des Konzerns. Kritiker vermuten, dass die hohen Verkaufszahlen der Grund sind, weswegen sich das Unternehmen trotz der gravierenden Bienenschädlichkeit mit Händen und Füßen gegen das drohende Anwendungsverbot wehrt.

Fridolin Brandt von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: "Die deutschen Bieneninstitute hängen aufgrund staatlicher Unterfinanzierung von Aufträgen der Chemischen Industrie ab. Der BAYER-Konzern finanziert in einigen Instituten direkt die Gehälter der Mitarbeiter." Auch Dr. Brasse, bei der Biologischen Bundesanstalt zuständig für die Bewertung von GAUCHO, hat nach Informationen von Imkern in der Vergangenheit Aufträge von BAYER erhalten. "So erklärt sich, warum die Bieneninstitute und die BBA, die eigentlich die Sicherheit der Bienen garantieren sollen, keine BAYER-kritischen Studienergebnisse veröffentlichen", so Brandt weiter.

Die von den Bieneninstituten vorgebrachte These, der Befall mit Varroa-Milben sei für das Bienensterben verantwortlich, bezeichnet Fridolin Brandt als vorgeschoben: "Wir haben seit 1977 mit Varroa-Milben zu tun, jahrzehntelang waren diese keine Gefahr. Erst der großflächige Einsatz von Pestiziden und die damit einhergehende Schwächung der Bienen führt zu den beobachteten Bienensterben." Brandt ist seit 30 Jahren hauptberuflicher Imker.

Maurice Mary, Sprecher des französischen Imkerverbands Union National d´Apiculteurs (UNAF): "Seit der ersten Anwendung von GAUCHO haben wir große Verluste bei der Ernte von Sonnenblumenhonig. Da das Mittel bis zu drei Jahren im Boden verbleibt, können selbst unbehandelte Pflanzen eine für Bienen tödliche Konzentration enthalten." Die UNAF, die rund 50.000 Imker vertritt, forderte nach der Vorlage des Berichts des CST ein vollständiges GAUCHO-Verbot.

Auch der Deutsche Berufsimkerbund (DIBB) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern ein Anwendungsverbot. In Deutschland wird Imidacloprid unter den Markennamen GAUCHO und CHINOOK vor allem in der Raps-, Zuckerrüben- und Maisproduktion eingesetzt - mit über einer Million Hektar Anbaufläche ist die Behandlung von Raps für die Bienen besonders problematisch.

Die Situation in der deutschen Landwirtschaft ist vergleichbar mit der französischen: In den vergangenen Jahren starb hierzulande rund die Hälfte aller Bienenvölker, dies führte zu Ertragseinbußen von mehreren tausend Tonnen Honig pro Jahr. Da Honigbienen außerdem den größten Teil der Blütenbestäubungen erbringen, gehen auch die Erträge von Äpfeln, Birnen und Raps zurück.

Am 20-11-2003

Signifikantes Risiko für Bienen

Der Verkauf des von der BASF vetriebenen Pestizids "Régent" setzt in Frankreich aus. Dies veranlasste der französiche Landwirtschaftminister Herve Gaymard. Umweltschützer und Imker begrüßen die Entscheidung. Gaymard will zudem im Lauf der nächsten vier Wochen prüfen, ob das von BAYER verkaufte Pestizid "Gaucho" ebenfalls verboten werden soll. Die französische Umweltministerin Roselyne Bachelot sprach sich unterdessen für ein weltweites Verbot von Gaucho und Régent aus. "Die deutsche Landwirtschaftsministerin Renate Künast muss dem Beispiel ihrer französischen Kollegen folgen", fordert Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Sie solle alle Pestizide , die eine Gefahr für Bienen darstellen, vom Markt nehmen. Die Untersuchnungen der französischen Regierung hätten eindeutig gezeigt, dass der Einsatz von Gaucho für das weiträumige Bienensterben mitverantwortlich sei. Das staatliche Comité Scientifique et Technique hatte kurz vor Weihnachten in einem Untersuchungsbericht festgestellt, dass "die Saatgutbehandlung mit Gaucho ein signifikantes Risiko für Bienen darstellt".

In Deutschland wird Gaucho vor allem in der Raps-, Zuckerrüben- und Maisproduktion eingesetzt. In den vergangenen Jahren starb hierzulande wie in Frankreich rund die Hälfte aller Bienenvölker. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren, die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren kontrolliert, arbeitet seit den ersten Berichten über Bienensterben mit französischen und deutschen Imkern zusammen.

Der Beschluss der französischen Regierung fällt mit Ermittlungen gegen BASF und Bayer CropScience zusammen. Der Untersuchungsrichter Jean Guary im französischen Saint-Gaudens leitete gestern Ermittlungen gegen Bayer CropScience sowie gegen dessen Vorsitzenden Franck Garnier ein. Der Vorwurf lautet auf Handel mit "giftigen landwirtschaftlichen Produkten mit Schädigungen für die Gesundheit von Mensch oder Tier".

Am 24-02-2004