Düsseldorf und Dortmund sehen Fahrverbote wegen Feinstaub-Belastung vor

Öffentlicher Nahverkehr empfiehlt sich

In Deutschland gibt es immer mehr Überschreitungen des EU-Grenzwertes für Feinstaub. Erhöhte Werte wurden bereits am Montag zum 36. Mal in diesem Jahr in Düsseldorf und in Dortmund gemessen, wie eine Sprecherin des Landesumweltamtes am Dienstag in Essen mitteilte. Die nun wirksam werdenden Aktionspläne beider Stadtverwaltungen sehen Fahrverbote für Diesel-Lkw vor. Dieses wird nach einem Medienbericht auch in Berlin erwogen. Erlaubt sind seit 1. Januar nur noch 35 Überschreitungen pro Jahr. Der gültige EU-Tagesgrenzwert beträgt 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die größten Feinstaub-Vermeider sind nach Angaben des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel. Jeder Fahrgast in einem Bus mit Filter verursache bis zu 400 Mal weniger Feinstäube als der Fahrer eines Diesel-Pkw, sagte VDV-Präsident Günter Elste.

In Düsseldorf und Dortmund treten nach der 36. Überschreitung des EU-Feinstaublimits seit längerem vorbereitete Aktionspläne in Kraft. In Düsseldorf gibt es unter anderem Fahrverbote für Lkw mit über 2,8 Tonnen Gewicht. In Dortmund soll nach Angaben der Stadtverwaltung unter anderem ein Fahrverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen Gewicht gelten.

Auch in Berlin könnte es wegen der Feinstaubbelastung in Teilen der Stadt zu einem Fahrverbot für Lastwagen kommen. Nachdem die Grenze für die zulässige Belastung erreicht worden sei, werde nun geprüft, ob der Lkw-Verkehr über die Stadtautobahn umgeleitet werden könne, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Nach Ansicht von Bundesverkehrminister Manfred Stolpe (SPD) könnte die Umweltbelastung durch den Einsatz alternativer Antriebe und Kraftstoffe "spürbar gesenkt" werden. Bei Industrie und Politik liege eine "wachsende Verantwortung". Stolpe sagte, es bestehe ein großes Potenzial, herkömmliche Motoren weiter zu optimieren.

Zudem könnten alternative Kraftstoffe wie Erdgas, Biodiesel oder synthetische Bio-Kraftstoffe stärker genutzt werden. Der Minister forderte die deutsche Automobilindustrie auf, die sogenannte Hybridtechnologie "konsequent weiterzuentwickeln". Dabei werden ein Verbrennungs- und ein Elektromotor kombiniert. Auch Wasserstoffmotoren bescheinigte Stolpe als Zukunftstechnologie "gewaltiges Potenzial".

Die Bundesregierung werde diese breite Palette alternativer Energieformen weiter gezielt fördern, sagte Stolpe. Bis 2020 einen Marktanteil von 20 Prozent bei alternativen Antrieben und Kraftstoffen zu erreichen bezeichnete Stolpe als "ergeiziges Ziel".

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) forderte unterdessen in einem offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine bundeseinheitliche Regelung zur Verminderung der Feinstaubbelastung. Der Straßenverkehr dürfe nicht "durch sinnlose Maßnahmen" eingeschränkt werden. Die Bundesregierung müsse einheitliche steuerliche Anreize für die Förderung von Dieselrußfiltern beschließen.