Fischfarmen oder nachhaltige Befischung in Afrika?

Wichtige Nahrungsquelle

Afrikas Fischfangindustrie steckt wegen zunehmender Überfischung offenbar in einer tiefen Krise. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erträge aus dem Fischfang signifikant nach unten gegangen. Einige Wissenschaftler sehen im Aufbau kleiner Fischfarmen eine Lösung des Problems. Greenpeace meint hingegen, man könne nur den Verbrauch in der EU herunterschrauben und die Gewässer nachhaltig befischen. Außerdem seien die Fischfangflotten der EU mit Schuld an der Misere.

Rund 200 Millionen Menschen auf dem schwarzen Kontinent ernähren sich offenbar von Fisch. Mehr als zehn Millionen von ihnen arbeiten in diesem Industriezweig, der offenbar jährlich Exporte von mehr als 2,7 Milliarden Dollar einbringt. Doch die Erträge gehen zurück.

Als einzige Möglichkeit, diesem Schwund entgegenzuwirken, sehen einige Wissenschaftler die Errichtung von Aquakulturen für die Fischzucht. Um mindestens 20 Prozent müsse die Zahl der derzeitigen Aquakulturen steigen, um den Bedarf zu decken. Sie sind der Ansicht, dass kleine Fischfarmen den Bedarf in Zukunft decken könnten. "Wir sprechen hier von Fischteichen, nicht Fischfarmen wie man sie von Schottland her kennt", so Patrick Dugan vom World Fish Center.

"Das ist wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", kritisiert Nina Thülln, Meeresbiologin von Greenpeace-Österreich den Vorschlag. Es gebe nur eine einzige Lösung: Den Proteinverbrauch in der EU hinunterzuschrauben und nachhaltig zu befischen. Zudem: "Die EU-Fischfangflotten fischen in den Gewässern vor Afrika." Damit machten sich die Europäer mitschuldig an der Misere.

Aquakulturen seien in den meisten Fällen nicht nachhaltig, sondern zerstörten die Umwelt. Thülln erinnert an die Shrimpsfarmen in Mittelamerika und in Ostasien. "Dort wurden wertvolle und schützende Mangrovenwälder für Shrimpsfarmen gerodet". Hinzu komme noch, dass Shrimps Proteinfresser sind, sie also mit Fischpellets gefüttert werden. "Auch wenn sich die Situation gebessert hat, verbrauchen solche Aquakulturen immer noch viel zu viel Fläche", meint die Greenpeace-Expertin.

Thüllen wundert sich auch über französische Fischer. Es sei nicht einzusehen, dass sich französische Fischer über Kabeljau-Fangquoten aufregten. "Es ist seltsam, wie sich diese Menschen selbst das Wasser abgraben."

Wie absurd der Handel mit Fisch aussehe, werde auch am Beispiel des Fischmarktes in Tokio deutlich. "Dort werden spanische Tunfische, die gefroren über Nacht im Flugzeug nach Japan geflogen werden, als fangfrische Fische verkauft. Bezahlt werden dafür Höchstpreise", so Thülln. Ein 600-Kilogramm schwerer Tun bringe auf den japanischen Markt bis zu 100.000 Dollar.