Kiesabbau bedroht Meerestiere

Lebensraum zerstört

Umweltschützer warnen für einer neuen Gefahr für das Leben im Meer: Kiesabbau. Maschinen saugten in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee jährlich über drei Millionen Kubikmeter Sand und Kies vom Meeresboden. Damit würden wertvoller Lebensraum zahlreicher Arten weit über die Abbauflächen hinaus vernichtet werden. Umweltverbände befürchten, dass sich der Meeresgrund von diesem Raubbau nicht mehr erholt und das Ökosystem Meer darunter leidet, da der Kie eine Reinigungswirkung für das Ökosystem hat. "Wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden.", so Gisbert Jäger vom Umweltschutzverband Hohe Tied.

"Schlimmer aber ist es, wenn Sand und Kies abgebaut werden", so Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). "Dann werden beispielsweise auch Sandaale abgesaugt." Diese seien die Nahrungsbasis für Schweinswale, Robben, Seevögel und viele Fischarten. Auch Fischfang und Krabbenfischerei würden darunter zu leiden haben.

Sand und Kies seien begehrte Rohstoffe für den Küstenschutz und die Bauindustrie, zumal leichter erschließbare Festland-Reserven zu Ende gingen, so die Umweltschützer. Die Baumkurren-Fischerei pflüge jährlich im Durchschnitt sieben Mal den gesamten Nordseeboden um und zerstöre dabei die Lebensgemeinschaften am Meeresgrund.

Nun gibt es Streit um neue Abbaugebiete und eine weitere Million Kubikmeter bis zum Jahr 2051 westlich von Sylt. "Noch dazu nicht weit entfernt vom ersten bekannten Schweinswal-Aufzuchtgebiet", so Ralf Sonntag vom InternationalenTierschutz-Fond (IFAW). Durch die Sand- und Kiesentnahme werde der Meeresboden bis zur Tiefe von 2,60 Metern entfernt.

"Dazu wirbelt die Kiesgewinnung sogenannte Trübungsfahnen auf" so der Meeresbiologe Onno Groß von Deepwave. "Die Sauerstoff zehren und abgesetzte Schad- und Giftstoffe erneut mobilisieren." Darüber hinaus laufe der Abbau der Rohstoffe dem Projekt "Natura 2000" zuwider, einem Netz von Schutzgebieten der Europäischen Union.

Am 03-02-2004

Fischerei

Weil er mit Spitzengeschwindigkeiten von 70 km/h einer der schnellsten Fische ist und Prachtexemplare in Japan schon für 180.000 Euro versteigert wurden, gilt der Blauflossentun als der Ferrari unter den Fischen. Doch der bis zu 700 Kilogramm schwere Meeresbewohner droht der Fisch-Industrie zum Opfer zu fallen. Im Mittelmeer werden die stark bedrohten Tunfische in große Unterwasserkäfige eingepfercht und dort gemästet. Später landen sie dann als Sushi auf dem Teller vor allem japanischer Verbraucher. Die Umweltstiftung WWF kritisiert die Europäische Union, weil sie die Ausbeutung mit der Förderung neuer Tunfisch-Farmen und Netze subventioniert.

Allein 2003 wurden 21.000 Tonnen des als Delikatesse geltendenden Blauflossentuns verarbeitet - eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Die Tunfisch-Farmen im Mittelmeer sind völlig außer Kontrolle geraten. Die Bestände sind längst überfischt", erklärt Dirk Riebensahm, Fischereiexperte des WWF Deutschland. Spanien, Italien, die Türkei, Malta, Zypern, Kroatien, Tunesien und Lybien unterhalten Tunfischfarmen. Andere Länder, wie Frankreich, beteiligen sich am Fang.

Die EU fördert die kommerzielle Fischzucht, die sogenannte Aquakultur. Doch bei den Tunfisch-Farmen handelt es sich nicht um Aquakultur, weil hier nicht gezüchtet, sondern Wildfisch aus dem Meer gefangen wird. "Wir fordern die EU auf, diese Gesetzeslücke zu schließen. Außerdem muss Brüssel Fangquoten für die Tunfisch-Farmen festlegen", sagt der WWF-Referent. "Wenn die EU nicht umgehend handelt, wird der Blauflossentun aus dem Mittelmeer verschwinden." Der Fang müsse etwa auf ein Drittel des heutigen Niveaus gesenkt werden, um sein Überleben zu sichern.

Der WWF kündigt seine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe für nachhaltige Tunfisch-Farmen auf. Das Gremium wird von den beiden wichtigsten Komissionen zur Regulierung der Fischerei im Mittelmeer koordiniert, der "General Fisheries Commission for the Mediterranean" (GFCM) und der "International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas" (ICCAT). "In der Arbeitsgruppe dominieren die kurzfristigen Profitinteressen der Industrie auf Kosten einer nachhaltigen Fischereiwirtschaft. Unsere Forderungen finden kein Gehör", zeigt sich Riebensahm enttäuscht. Bis zu 30 Jahre kann ein Blauflossentun alt werden. Allerdings dürfte heute kaum noch einer der begehrten Speisefische dieses stolze Alter erreichen.

Am 02-03-2004

"Delfinsicher gefangen"

Auf mexikanischen Fangschiffen werden Beobachter bestochen, um Thunfischfänge als "delfinsicher gefangen" zu deklarieren. Wie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) berichtet, drücken offizielle Beobachter an Bord von Tunfischfangschiffen für 10.000 US-Dollar pro Einsatzfahrt die Augen zu. Die US-Regierung habe von den Bestechungsvorgängen schon seit Jahren gewusst, kritisert die Organisation. In einer internen Notiz habe ein Biologe der zuständigen US-Fischereibehörde 1999 über die Bestechungsvorgänge berichtet. Nach Aussagen eines auf mexikanischen Tunfischfangschiffen beschäftigten Fischers "hatten diese zwar immer Beobachter an Bord, aber jeder in der Flotte wusste, dass die Beobachter regelmäßig geschmiert wurden, um Falschaussagen über den Ablauf der Fangfahrt zu machen."

Er sei persönlich an Bord gewesen, als einem mexikanischen Beobachter 10.000 US-Dollar übergeben wurden, um den gesamten Tunfischfang als "delfinsicher" zu bestätigen.

"Es ist sehr bedauerlich, dass die Bush-Regierung dem Gericht wichtige Beweise vorenthält, die belegen, dass die Anzahl der Verfolgungen und Todesraten von Delfinen auf betrügerische Art und Weise unterschätzt wird. Die Bush-Regierung ignoriert routinemäßig wissenschaftliche Erkenntnisse zugunsten von offensichtlich politischen Entscheidungen, die die Umwelt schädigen", erklärt David Phillips vom Earth Island Institute (EII).

Der zuständige Richter Henderson halte die Information über die Schmiergelder für durchaus relevant und verlange deren Einbeziehung in den laufenden Prozess. Das Urteil, ob die gelockerten Bestimmungen für delfinsicheren Tunfisch nun in Kraft treten dürfen oder nicht, wird gegen Ende Mai erwartet.

Im tropischen Ostpazifik werden Delfine mit Ringwadennetzen eingekreist, um die etwa 150 Meter unter ihnen schwimmenden Gelbflossentunfische zu fangen. Diese Methode werde überwiegend von süd- und mittelamerikanischen Fangflotten eingesetzt. Dabei würden jährlich rund 3.000 Tiere sterben. Zudem sei die Fangmethode mit enormen Stress für die Delfine verbunden. Nach dem Willen der US-Regierung solle derart gefangener Tunfisch künftig als "delfinsicher" gelten.

"Die Zahlen sind erschütternd", meint Projektleiterin Ulrike Kirsch von der Gesellschaft zur Rettung der Delphine, "über 7.600 Mal im Jahr werden Netze um Delfine gesetzt, das heißt 9,3 Millionen Delfine werden jedes Jahr gnadenlos gejagt. Die Delfinbestände im tropischen Ostpazifik sind aber weitaus niedriger, folglich werden unzählige Tiere mehrfach gejagt." Das ständige Einfangen schädige Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit der Meeressäuger. Zahllose Babys, die noch von der Muttermilch abhängig seien, würden dabei von ihren Müttern getrennt und sterben.

Obwohl die Zahlen und Schlussfolgerungen der Studien dagegen sprächen, habe die US-Regierung Ende 2002 diese Fangmethode als für die Delfine harmlos eingestuft. Eine entsprechende Änderung der Anforderungen für das Logo "delfinsicher" sei bisher aber am Widerstand amerikanischer Naturschutzorganisationen gescheitert, allen voran das Earth Island Institute (EII), die 2003 vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen das Inkrafttreten der neuen Bestimmungen erlangt hätten.

Am 10-05-2004

11.000 tote Meerestiere vor dem Brandenburger Tor

Für die Einrichtung von Schutzgebieten in der Nord-und Ostsee protestieren 25 Greenpeace-Aktivisten seit heute Vormittag mit rund 11.000 toten Meerestieren vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Die Umweltschützer präsentieren die Tiere auf einem 100 Meter langen Tisch, auf einem Banner steht: "Leben ist kein Abfall". Die toten Meerestiere waren in der vergangenen Woche von einem einzigen Fischkutter nach zwei Stunden Fangzeit in der Nordsee als Abfall aussortiert worden. Aktivisten an Bord des Greenpeace-Schiffes "Esperanza" hatten daraufhin den sogenannten Beifang, der bis zu über 90 Prozent eines Fanges ausmachen kann, eingesammelt und dokumentiert. Greenpeace fordert, 40 Prozent von Nord- und Ostsee unter Schutz zu stellen.

Zum Beifang zählen Rochen, Baby-Schollen, kleine Wittlinge, Seeigel, Muscheln und Krebse, die die Fischer nicht verkaufen können. Jährlich sterben allein in der Nordsee rund 700.000 Tonnen Meerestiere als Beifang."Die Verschwendung von Leben in den Meeren muss aufhören", fordert Thomas Henningsen, Meeresbiologe bei Greenpeace. Diese Tiere seien in den Maschen der Fischernetze vollkommen sinnlos gestorben.

Die gezeigten Tiere stammen aus den Grundschleppnetzen eines 40 Meter langen Fischkutters. Vor den Öffnungen der Netze hängen Eisenketten, die über den Meeresboden gezogen werden und dabei die Fische aufscheuchen. Auf diese Art wird jeder Quadratmeter Nordseeboden jedes Jahr bis zu fünf Mal durchgepflügt.

Zur Zeit ist das Greenpeace-Schiff "Esperanza" auf Kontrollfahrt auf der Doggerbank in der zentralen Nordsee, um die Bedrohung für diese Region zu dokumentieren. Das geforderte "Schutzgebiet Doggerbank" ist eines von sieben Gebieten, die Greenpeace in der Nordsee schützen will. In der vergangenen Woche protestierten die Umweltschützer dort gegen einen Fischtrawler. An der Kampagne zum Schutz der Meere sind sechs europaeische Greenpeace-Büros beteiligt.

In den von Greenpeace geforderten Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sollen neben Fischerei auch Öl- und Gasförderung, Sand- und Kiesabbau sowie Schiffsverkehr verboten werden. Nur mit diesen umfassenden Massnahmen können sich die Fischbestände erholen und auch der Fischerei langfristig das Überleben sichern.

Am 17-08-2004

Fischereipolitik

Mit mehreren tausend toten Meerestieren protestierten Greenpeace-Aktivisten am Dienstag auf dem Marienplatz in München gegen die derzeitige Fischereipolitik und für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee. Die Umweltschützer präsentierten die toten Tiere auf Tischen vor dem Rathaus, unter einem Banner mit der Aufschrift: "Leben ist kein Abfall". Die Demonstration in München ist Teil der Meeresschutz-Kampagne, an der insgesamt sechs europäische Greenpeace-Büros beteiligt sind.

Bei den toten Meerestieren handelt es sich um so genannten Beifang. Die rund 11.000 Tiere waren am 11. August von einem einzigen Fischkutter nach zwei Stunden Fangzeit in der Nordsee tot als Abfall aussortiert worden. Normalerweise wird der Beifang, der über die Hälfte eines Fanges ausmachen kann, über Bord geworfen. Aktivisten an Bord des Greenpeace-Schiffes "Esperanza" hatten ihn aber eingesammelt. Zum Beifang zählen Rochen, Baby-Schollen, kleine Wittlinge, Seeigel, Muscheln und Krebse, die sich nicht verkaufen lassen. Jährlich sterben allein in der Nordsee rund 700.000 Tonnen Meerestiere als Beifang.

"Neben einer Seezunge müssten neun Teller mit Beifang stehen, um das Ausmaß der Verschwendung zu zeigen", sagt Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace. "Diese sinnlose Vernichtung der Fischbestände muss beendet werden." Greenpeace fordert, 40 Prozent von Nord- und Ostsee unter Schutz zu stellen. In den Schutzgebieten soll die Fischerei verboten sein. "Nur große Schutzgebiete, in denen die Fischerei ausgeschlossen ist, bietet den Lebensräumen und ihren Bewohnern die Chance zu Erholung", erklärt Maack.

Die gezeigten Tiere wurden von den Grundschleppnetzen eines 40 Meter langen Fischkutters gefangen. Bei dieser Art des Fischfangs schleifen Eisenketten vor den Öffnungen der Netze über den Meeresboden. Wird das Netz durch das Wasser gezogen, scheuchen die Eisenketten Fische und andere Meeresbewohner auf. Jeder Quadratmeter Nordseeboden wird so jedes Jahr mehrmals durchgepflügt.

Zur Zeit ist das Greenpeace-Schiff "Esperanza" auf Kontrollfahrt auf der Doggerbank in der zentralen Nordsee. Es dokumentiert dort die Zerstörung dieser ehemals artenreichen Meeresregion. Die Doggerbank ist eines von sieben Gebieten, die Greenpeace in der Nordsee schützen will.

In den von Greenpeace geforderten Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sollen neben Fischerei auch Öl- und Gasförderung sowie Sand- und Kiesabbau verboten werden. Nur mit diesen umfassenden Maßnahmen können die Fischbestände geschützt werden und auch der Fischerei langfristig das Überleben sichern.

Am 24-08-2004

Wüsten unter Wasser

Einen sofortigen Stopp der Tiefseefischerei fordern zahlreiche Umweltorganisationen. Der wertvolle Lebensraums Tiefsee werde durch die radikalen Fangmethoden auf Jahrzehnte zerstört. Die verwendeten mit Gewichten beschwerten Reusen grüben sich wie Bulldozer in den Meeresboden und hinterließen Wüsten, berichtet die Deep Sea Conservation Coalition.

Durch die Jagd nach wertvollen Speisefischen am Grund der Ozeane werde der Lebensraum tausender Organismen völlig zerstört. Darüber hinaus sei die Menge des unerwünschten Beifangs immens hoch. Diese vielen Fische "falscher" Arten werden tot wieder ins Meer geworfen.

Schlimme Auswirkungen hat die Tiefseefischerei nach Ansicht von Experten auch auf Kaltwasserkorallen. Nach einer erst kürzlich durchgeführten Studie der UNO sind die Kalt- und Tiefwasserkorallen global weit verbreitet. Doch fürchten die Wissenschaftler, zahlreiche Korallen könnten zerstört sein, bevor die Forscher sie beschrieben haben. Allein im Norfolk Ridge nahe der französischen Südseeinsel Neukaledonien wurden mehr als 1.200 Arten entdeckt. Mehr als die Hälfte davon waren den Forschern bisher unbekannt.

"Manche dieser Riffe vor der Küste Westeuropas sind bis zu 8.500 Jahre alt", erklärt Alex Rogers von der British Antarctic Survey. Wenn sie einmal zerstört seien, dauere es hunderttausende Jahre, bis sie wiederhergestellt sind.

Nur wenige Länder betreiben Tiefseefischerei: Zu diesen gehören Spanien, Russland und Neuseeland. Allerdings fischen Fangflotten anderer Staaten in den Gewässern vor Portugal, Norwegen, Estland, Lettland, Litauen, den Färöer Inseln und Island. Nach Angaben der Deep Sea Coalition waren elf Staaten für 95 Prozent der Fänge verantwortlich.

Am 07-10-2004

2004 mehr als neue 100 Fischarten entdeckt

In den Ozeanen sind in diesem Jahr mehr als 100 bisher unbekannte Fischarten entdeckt worden. Die Zahl der Artenfunde nehme ständig zu, sagte der Leiter des Deutschen Ozeanographischen Datenzentrums, Friedrich Nast, am Montag auf der internationalen Tagung "Ocean Biodiversity Informatics" in Hamburg. In den regionalen Datenzentren sei die Rekordmarke von fünf Millionen Einträgen überschritten worden. Die Umweltorganisation WWF warnte derweil davor, dass die entdeckten Tiefseefische vielerorts bereits massiv durch den Verlust ihres Lebensraums bedroht seien.

Auf der vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ausgerichteten Veranstaltung diskutieren bis Mittwoch mehr als 200 Wissenschaftler aus aller Welt neue Forschungsergebnisse zur Zählung der Artenvielfalt im Meer. Die Bewahrung der Biodiversität sei ein wesentliches Ziel des Meeresumweltschutzes, betonte BSH-Präsident Peter Ehlers. Unabdingbare Voraussetzung seien ausreichende Kenntnisse über die marinen Lebewesen. Daher sei eine weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit notwendig, um die an den verschiedenen Stellen vorhandenen Daten und Datensysteme zusammenzuführen.

Der WWF forderte anlässlich der Tagung einen Schutz empfindlicher Gebiete vor der Schleppnetzfischerei in internationalen Gewässern. Nur so könnten die besonders artenreichen Korallenriffe und Seeberge vor "Kahlschlag" geschützt werden, sagte WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt. Während sich Wissenschaftler noch über neue Artenfunde freuten, walzten im gleichen Augenblick riesige Bodenschleppnetze der Fischereiindustrie den Lebensraum dieser Tiere im einem Streich nieder.

Der WWF sprach sich dafür aus, die Auswirkungen der Fischerei auf die Bestände umfassend und zeitnah festzustellen. Bis vor einigen Jahren seien Tiefseeriffe und -fische von der Fischerei weitgehend verschont geblieben. In den vergangenen zehn Jahren habe sich in der Tiefsee jedoch eine Fischerei entwickelt, die enorme Schäden an Lebensräumen und Fischbeständen hinterlasse.

Am 29-11-2004

Neue EU Fangquoten

"Kraftlos und wenig Ziel führend", so das Fazit des WWF zu den heute Morgen zu Ende gegangenen Beratungen der EU Fischereiminister. Die Runde habe sich nicht auf ausreichende Maßnahmen einigen können, um der Überfischung Einhalt zu gebieten. Für den WWF ist es ein fatales Signal, dass die Minister die Vorschläge der EU-Kommission abgelehnt haben, fangfreie Zonen in der Nordseeinsel Sylt auszuweisen. Auch der Vorschlag, die Fangquoten für Tiefseebestände gemäß der wissenschaftlichen Empfehlung des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) drastisch zu reduzieren, fand keine Mehrheit. Angesichts dramatischer Einbrüche bei vielen Fischbeständen seien die verabschiedeten Maßnahmen zu wenig, um die Fischereikrise in den Griff zu bekommen.

"Letztlich haben die Minister mit ihrer Entscheidung der Fischereiindustrie einen Bärendienst erwiesen", warnt Stefanie Schmidt, WWF Fischereireferentin. Wenn die Bestände zusammenbrechen, nütze das auch den europäischen Fischern nicht. Um eine langfristige Zukunft für Fisch und Fischerei zu sichern, müssen entsprechende Schutzvorkehrungen für die Bestände und ihren Lebensraum getroffen werden. Die diesjährigen Entscheidungen gefährden dieses Ziel und widersprechen den Beschlüssen, die vor zwei Jahren in der Reform verabschiedet wurden", so Stephanie Schmidt weiter.

Grundlage der Beratungen waren Vorschläge der EU-Kommission. Die Kommission hatte dazu geraten, die Tiefseefischerei um 30 Prozent zu reduzieren und die Quote zu halbieren. Diesen Vorschlägen mochten die zuständigen Minister nicht folgen. Die jetzt verabschiedeten Maßnahmen bleiben weit hinter den Empfehlungen zurück. Europa brauche eine Fischerei, die sich nicht selbst ihrer Grundlage entziehe. Dazu seien Tabuzonen nötig, damit die Bestände Zeit haben, sich zu erholen, so der WWF. Die heute beschlossenen Quote seien viel zu hoch und ein Rückschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Fischerei.

Einziger Lichtblick der Verhandlungen seien die für die Ostsee beschlossenen Schutzmaßnahmen. Hier konnten sich die Minister immerhin auf eine Verlängerung des Fangverbotes in den Sommermonaten und die Ausweisung von fangfreien Gebieten einigen.

Am 23-12-2004

Zerstörung der Unterwasserwelt

Anlässlich des am Mittwoch stattfindenden "Internationalen Tags der Ozeane" warnt die Meeresschutzorganisation Oceana vor der Ausweitung der Grundschleppfischerei um die Azoren, Madeira und die Kanarischen Inseln. Es bestehe die akute Gefahr, dass die Unterwasserberge um Inseln für die zerstörerische Fischerei geöffnet würden.

Die Umweltorganisation kritisiert, dass sich die Fischereiminister der EU nicht zu einem dauerhaften Trawler-Verbot im betreffenden Meeresgebiet durchringen konnten. "Im EU-Parlament kam nur eine zeitliche Übergangslösung zustande, die jedoch keinen dauerhaften Schutz dieser marinen biologischen Hotspots bietet", so Astrid Haas von Oceana. Bereits jetzt gierten die hochgerüsteten Fangflotten nach den Meeresgebieten wie die um die Azoren herum, um dort zu fischen.

Zu den bevorzugten Fischarten zählen Tiefseearten wie der atlantische Sägebauch oder der Granatbarsch. Sie ersetzen zunehmend die herkömmlichen Speisefischarten, da deren Bestände so niedrig sind, dass sich eine kommerzielle Befischung nicht mehr lohnt.

Auch der portugiesische Abgeordnete Carlos Casaca, der die Azoren im EU-Parlament in Brüssel vertritt, setzt sich vehement für die Schaffung von Schutzgebieten um die betreffenden Inselgruppen ein. Er kämpft dafür, die Grundschleppnetz-Trawler aus diesen Bereichen zu verbannen. Die Meeresorganisation setzt sich weiters auch für ein Verbot der Grundschleppnetzfischerei vor der Südwest-Küste Portugals ein.

Am 08-06-2005

Sitzung des EU-Fischereirats

Die für nächste Woche angekündigte Entscheidung des EU-Fischereirats, den Europäischen Fischerei-Strukturfonds zugunsten des Ausbaus der Flottenkapazität zu erhöhen, wäre nach Ansicht des WWF ein drastischer Rückschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Fischereipolitik. Ein entsprechender Vorstoß seitens der süd- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU, Subventionen für den Ausbau der Küstenfischerei mit kleinen Booten bis zu 12 Metern Länge zu gewähren, soll auf der Sitzung der Fischereiminister am kommenden Montag in Luxemburg beraten werden.

Der WWF warnt die Minister vor einer falschen Entscheidung: Subventionen für den Bau oder die Modernisierung von Schiffen führten unweigerlich dazu, dass sich die Bestände bedrohter Arten wie Kabeljau, Südlicher Seehecht und Sardellen nicht mehr erholen können. Auf lange Sicht seien so nicht nur die Fische, sondern zwangsläufig auch die europäische Fischerei-Wirtschaft gefährdet.

"Sollten die EU-Fischereiminister solche Subventionen wieder einführen, erklären sie die Reform der Fischereipolitik von 2002 für gescheitert", erläutert WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt die Auswirkungen einer solchen Entscheidung. Die Reform sei damals mit dem Ziel beschlossen worden, die Fischereikapazitäten innerhalb der EU zu reduzieren, um die Fischerei so langfristig zu sichern und nachhaltiger als bisher zu gestalten. Der WWF fürchtet, dass die bereits gemachten Fortschritte nun durch eine falsche Subventionspolitik unterwandert werden. "Der neue Vorstoß könnte auf 80 Prozent der gesamten EU-Flotte angewendet werden und dadurch positive Ansätze für eine nachhaltige Fischerei grundlegend ausbremsen", so Stefanie Schmidt.

Seit langem warnen Wissenschaftler und der WWF zum Beispiel vor einem Zusammenbruch der Kabeljau-Bestände in der Nord- und der östlichen Ostsee. Erst im vergangenen Dezember hatte der Wissenschaftliche Rat zur Erforschung der Meere (ICES) zum wiederholten Mal eine komplette Schließung dieser Kabeljau-Fischereien empfohlen. Weitere Arten wie der Südliche Seehecht stehen ebenfalls auf der inoffiziellen "Roten Fischerei-Liste".

Nach Ansicht des WWF ist der drohende Kabeljau-Kollaps das direkte Ergebnis von jahrzehntelangen falschen Entscheidungen in der EU. Der WWF empfiehlt, an den Reformen der Gemeinsamen Fischereipolitik festzuhalten und die zukünftige Subventionspolitik im Sinne der bereits getroffenen Beschlüsse zu gestalten. "Es gibt einen Weg aus der Fischereikrise", sagt Stefanie Schmidt. "Die EU-Fischereiminister müssen ihn nur gehen und dürfen sich nicht von kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen einzelner Mitgliedsstaaten davon abbringen lassen."

Am 17-06-2005

Wichtige Nahrungsquelle

Afrikas Fischfangindustrie steckt wegen zunehmender Überfischung offenbar in einer tiefen Krise. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erträge aus dem Fischfang signifikant nach unten gegangen. Einige Wissenschaftler sehen im Aufbau kleiner Fischfarmen eine Lösung des Problems. Greenpeace meint hingegen, man könne nur den Verbrauch in der EU herunterschrauben und die Gewässer nachhaltig befischen. Außerdem seien die Fischfangflotten der EU mit Schuld an der Misere.

Rund 200 Millionen Menschen auf dem schwarzen Kontinent ernähren sich offenbar von Fisch. Mehr als zehn Millionen von ihnen arbeiten in diesem Industriezweig, der offenbar jährlich Exporte von mehr als 2,7 Milliarden Dollar einbringt. Doch die Erträge gehen zurück.

Als einzige Möglichkeit, diesem Schwund entgegenzuwirken, sehen einige Wissenschaftler die Errichtung von Aquakulturen für die Fischzucht. Um mindestens 20 Prozent müsse die Zahl der derzeitigen Aquakulturen steigen, um den Bedarf zu decken. Sie sind der Ansicht, dass kleine Fischfarmen den Bedarf in Zukunft decken könnten. "Wir sprechen hier von Fischteichen, nicht Fischfarmen wie man sie von Schottland her kennt", so Patrick Dugan vom World Fish Center.

"Das ist wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", kritisiert Nina Thülln, Meeresbiologin von Greenpeace-Österreich den Vorschlag. Es gebe nur eine einzige Lösung: Den Proteinverbrauch in der EU hinunterzuschrauben und nachhaltig zu befischen. Zudem: "Die EU-Fischfangflotten fischen in den Gewässern vor Afrika." Damit machten sich die Europäer mitschuldig an der Misere.

Aquakulturen seien in den meisten Fällen nicht nachhaltig, sondern zerstörten die Umwelt. Thülln erinnert an die Shrimpsfarmen in Mittelamerika und in Ostasien. "Dort wurden wertvolle und schützende Mangrovenwälder für Shrimpsfarmen gerodet". Hinzu komme noch, dass Shrimps Proteinfresser sind, sie also mit Fischpellets gefüttert werden. "Auch wenn sich die Situation gebessert hat, verbrauchen solche Aquakulturen immer noch viel zu viel Fläche", meint die Greenpeace-Expertin.

Thüllen wundert sich auch über französische Fischer. Es sei nicht einzusehen, dass sich französische Fischer über Kabeljau-Fangquoten aufregten. "Es ist seltsam, wie sich diese Menschen selbst das Wasser abgraben."

Wie absurd der Handel mit Fisch aussehe, werde auch am Beispiel des Fischmarktes in Tokio deutlich. "Dort werden spanische Tunfische, die gefroren über Nacht im Flugzeug nach Japan geflogen werden, als fangfrische Fische verkauft. Bezahlt werden dafür Höchstpreise", so Thülln. Ein 600-Kilogramm schwerer Tun bringe auf den japanischen Markt bis zu 100.000 Dollar.

Am 24-08-2005

Fisch-Piraterie

Die florierende Piraterie auf den Weltmeeren stelle eine zusätzliche Bedrohung für zahlreiche Fischbestände dar und untergrabe die Bemühungen, die Bewirtschaftung der Meere nachhaltiger zu gestalten. Dies sind die Ergebnisse einer neuen Studie, die der WWF, die Regierung Australiens und die Internationale Transportarbeiterförderation ITF am Mittwoch in Genf vorgelegt haben. Der jährliche Marktwert der illegalen Fischerei beträgt fast eine Milliarde Euro. Das gesetzlose Geschäft auf hoher See gehe immer wieder mit schweren Menschrechtsverletzungen einher. Schätzungsweise 15 Prozent der Hochsee-Fangflotten segelten unter Billigflaggen oder unter nicht identifizierbaren Bannern, die ihnen eine perfekte Tarnung und die Umgehung internationaler Kontrollen ermöglichen.

"Das korrupte System der Billigflaggen muss zerschlagen werden", fordert WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt. Zahlreiche Länder - darunter auch solche, die gar keine eigene Küste haben - vergeben für geringe Gebühren Lizenzen an große Fischtrawler und verzichten meist auf die notwendigen Kontrollen. Die großen Fangschiffe segeln bevorzugt unter dem Banner von Belize, Honduras, Panama, St. Vincent oder Grenada.

Diese kriminelle Praxis ist nach Angaben des UN-Ernährungsprogramms bei einigen der wichtigsten Fischbestände für 30 Prozent des Fangs verantwortlich. Der ungewollte Beifang bei der Fisch-Piraterie gefährdet zudem auch Meeresschildkröten, Albatrosse, Haie und zahlreiche weitere Arten.

Der WWF hofft nun, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen einen Antrag zur nachhaltigen Fischerei auf den Weltmeeren befürwortet, der auch die Bekämpfung des illegalen und unkontrollierten Fischfangs und des Systems der Billigflaggen zum Ziel hat. "Illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei ist eine Plage für die Ozeane auf der Südhalbkugel", sagte der australische Fischereiminister Ian Macdonald. "Während verantwortungsvolle Nationen die Kosten einer nachhaltigen Fischerei tragen, fahren Billigflaggen-Länder und illegale Fangflotten die Ernte ein. Ohne Skrupel unterwandern sie die internationalen Regeln für den Naturschutz und ein nachhaltiges Management der Meeresressourcen."

Der Report brandmarkt auch die Menschrechtsverletzungen der kriminellen Fischindustrie. Dazu zählen Zwangsarbeit, Missbrauch, Hunger und die Aussetzung von Besatzungsmitgliedern in fremden Häfen. Häufig werde die Crew nicht entlohnt. Immer wieder würden verdächtige Zwischenfälle beobachtet. So sei es jüngst im Hafen von Montevideo unter ungeklärten Umständen zu einem Schusswechsel an Bord eines Fischtrawlers gekommen, bei dem elf chinesische Besatzungsmitglieder getötet wurden.

Häufig stammen die Besitzer oder Betreiber der Billigflaggen-Schiffe aus der EU, vorzugsweise aus Spanien und von den Kanaren. Dies zeigen Daten des Schiffsversicherers Lloyd. Der australische Fischereiminister Macdonald kündigte an, sein Land wolle die internationale Gemeinschaft zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die bislang unterschätzte Plünderung der Weltmeere bewegen.

Am 02-11-2005