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Vogelarten: Welche werden unsere Enkelkinder noch erleben?

EU-Kommission soll Vogelschutz-Richtlinie durchsetzen | Europaabgeordnete zerstören 10.000 Vogelfallen

Eine LKW-Ladung mit 10.000 Vogelfallen haben Vogelschützer am Dienstag in Brüssel vor dem Europaparlament abgekippt und gemeinsam mit Abgeordneten des Europaparlaments zerstört. Mitarbeiter des Bonner Komitees gegen den Vogelmord, der Mailänder Lega per l´Abolizione della Caccia und der Ligue Royale Belge pour la Protection des Oiseaux hatten die Fallen und Netze seit September letzten Jahres in Italien und Frankreich eingesammelt. "Mit der öffentlichen Zerstörung von 10.000 Vogelfallen wollen wir auf den Fang und Abschuß von jährlich Millionen europäischen Zugvögeln aufmerksam machen", erklärte Eugen Tönnis vom Komitee gegen den Vogelmord. Entgegen den Bestimmungen der Europäischen Vogelschutzrichtlinie würden rund ums Mittelmeer immer noch massenhaft Singvögel gefangen und verspeist. Selbst in den durch internationale Konventionen geschützten Feuchtgebieten Nord- und Ostdeutschlands würden alljährlich Hunderttausende überwinternde arktische Wildenten, Gänse und Schnepfen erlegt.

Vogelschutz

"Die EU-Kommission ist zwar bemüht, Verstöße gegen die Vogelschutzrichtlinie zu verfolgen, doch die Verfahren dauern einfach viel zu lange," ergänzt Wolfgang Kreißl-Dörfler, der sich als Abgeordneter im Brüsseler Europaparlament seit Jahren für einen besseren Zugvogelschutz engagiert. "Es ist einfach nicht hinnehmbar, daß die Vogelschutzrichtlinie auch mehr als 20 Jahre nach Inkrafttreten immer noch nicht umgesetzt worden ist." Viele Zugvögel wie Nachtigall, Feldlerche, Wachtel und Fischadler seien aufgrund der intensiven Verfolgung inzwischen akut bedroht.

Dessen ungeachtet beabsichtige Italiens neue Regierung unter Silvio Berlusconi sogar, die Jagd auf Zugvögel noch erheblich auszuweiten. So dürften ab sofort in den Restaurants an den Ufern von Gardasee und Lago Maggiore wieder gegrillte Drosseln serviert werden. Von September an sollen dann auf der Apenninhalbinsel auch wieder von der EU geschützte Kleinvögel wie Stare, Finken und Sperlinge unter Beschuß genommen werden.

Am 28-05-2002

Natürliches Nervengift

Auf Rügens Nonnensee nahe der Stadt Bergen spielt sich erneut ein Naturdrama ab. Nach Auskunft des zuständigen Umweltamtes sind in den vergangenen Tagen mindestens 150 tote Vögel auf dem sehr flachen Gewässer entdeckt worden. Spezialisten gehen davon aus, dass sich das Vogelsterben in den nächsten Tagen fortsetzen wird. Bereits vor einem Jahr waren auf dem angestauten Wiesensee rund 500 Wasservögel durch Ersticken verendet.

Untersuchungen zufolge starben die Tiere an einem Nervengift, das innerhalb von Stunden Lähmungen in Muskelgewebe und Lunge hervorruft. Das Gift entstehe durch Bakterien, die sich bei starker Sonneneinstrahlung in seichten und schlickigen Gewässern ausbreiteten, sagte ein Mitarbeiter der Umweltbehörde. Der etwa 75 Hektar große und sehr flache Nonnensee heize sich im Sommer an den sumpfigen Randbereichen überdurchschnittlich auf.

Am stärksten betroffen von der so genannten Botulismus-Krankheit sind Schnatterenten, die ihre Nahrung im Schlick unter der Wasseroberfläche suchen. Aber auch Stockenten, Schnepfen- und Greifvögel können an dem Nervengift zugrunde gehen. Ein wirksames Gegenmittel gibt es nicht. Bei Säugetieren kann es zu Erbrechen und Lähmungen kommen.

Nach Ansicht der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) ist die Botulismus-Krankheit kein Anzeichen für eine zerstörte Umwelt. Zu dieser "natürlichen Katastrophe" könne es kommen, wenn Massen von Vögeln ein flaches Gewässer belagerten, sagte ein Sprecher. Der Nonnensee gilt als eines der bedeutendsten Rast- und Brutgebiete im Nordosten. Über das Jahr halten sich dort mehr als 100.000 Singvögel, Gänse, Enten und Kraniche zur Rast oder Mauser auf.

Am 06-09-2002

Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention

Der Naturschutzbund NABU und sein internationaler Dachverband BirdLife International haben die Ergebnisse der heute endenden 7. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) als Erfolg für den grenzüberschreitenden Naturschutz begrüßt. "Die 1979 in Bonn verabschiedete Konvention und ihre Regionalabkommen gehören immer noch zu den wichtigsten Instrumenten für den Schutz wandernder Tierarten", sagte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow.

Der NABU und BirdLife hatten mit Unterstützung der Bundesregierung und anderer Vertragsstaaten zwei Resolutionen auf der Konferenz eingebracht, die den verbesserten Schutz von Zugvögeln an Mittelspannungs-Stromleitungen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung für alle Projekte fordern, die wandernde Tierarten gefährden könnten. Beide Resolutionen wurden verabschiedet. Auf Anregung der Bundesregierung wurde zudem eine Resolution verabschiedet, der zufolge Windparks im Regelfall nicht in für Zugvögel und Meeressäugetiere sensiblen Gebieten errichtet werden sollen.

Besonders erfreut zeigte sich Nipkow über die Verabschiedung konkreter Richtlinien zum Bau vogelfreundlicher Strommasten und zur Entschärfung gefährlicher Mastentypen: "Damit kann endlich weltweit der sinnlose Tod vieler bedrohter Großvögel verhindert werden." Der NABU und seine Partner hatten zuvor umfangreiches Datenmaterial gesammelt und einen entsprechenden Maßnahmenkatalog erarbeitet.

Am 25-09-2002

Vogel des Jahres 2003

Der "Vogel des Jahres 2003" ist der Mauersegler. Damit fiel die Wahl auf einen Zugvogel, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen lebt, wie der Naturschutzbund (NABU) am Freitag in Berlin mitteilte, "Mit dem Mauersegler möchten wir auf die ökologischen Funktionen des menschlichen Siedlungsraums aufmerksam machen", begründete NABU-Vizepräsident Helmut Opitz die Entscheidung.

Zwar gilt der Mauersegler nach Angaben des NABU in vielen Teilen Deutschlands noch als häufiger Vogel. Regionale Untersuchungen zeigten allerdings, dass der Bestand in einigen Gebieten rückläufig ist. "Die Vögel leiden zunehmend unter Wohnungsnot. Neubauten und renovierten Altbauten fehlt es häufig an Nischen und damit an potenziellen Nistplätzen für Mauersegler", sagte der Experte. Mit naturfreundlicheren Baumaßnahmen könne dieses Problem leicht behoben werden. Mauersegler verbringen fast ihr gesamtes Leben in der Luft. "Die Jagd auf Insekten, die Wasseraufnahme, Balz und Paarung, selbst der Schlaf finden im Flug statt", sagte Opitz. Als Langstreckenzieher pendeln die heimischen Brutvögel zwischen Europa und den Überwinterungsgebieten südlich der Sahara. Ursprünglich war der Mauersegler ein Hohlenbrüter, der sein Nest in Felsritzen und Baumhöhlen baute. Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zog es ihn aber immer mehr in Dörfer und Städte, so dass er heutzutage als ein typischer Brutvogel menschlicher Siedlungen gilt.

Am 04-10-2002

Artenschutz

Der Naturschutzbund NABU, der Deutsche Rat für Vogelschutz (DRV) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) haben heute in Bonn die dritte und aktuelle Rote Liste der Brutvögel Deutschlands vorgestellt. Im Vergleich zur Vorgängerliste aus dem Jahr 1996 ergebe die aktuelle Einstufung zur Gefährdungssituation der insgesamt 254 heimischen Arten eine deutliche Verschlechterung für die wildlebenden Vögel, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Gewachsen sei sowohl die Zahl der stark gefährdeten Arten als auch die Gruppe von Vögeln auf der so genannten Vorwarnliste.

Die negativen Bestandsentwicklungen machten selbst vor ehemals häufigen Arten wie dem Haussperling und der Mehlschwalbe nicht halt, so Opitz. Es sei zu befürchten, dass manche dieser Allerweltsarten schon innerhalb der nächsten zehn Jahre in ihrem Bestand gefährdet seien, wenn der besorgniserregende Trend nicht durch gezielte Artenschutzmaßnahmen gestoppt werde. Als ungefährdet würden nach den aktuellen Ergebnissen nur noch 113 Arten, also rund 44 Prozent der Brutvögel gelten.

"Die stärksten Bestandsrückgänge haben Wiesenbrüter wie Kiebitz, Uferschnepfe und Bekassine erlitten", sagte Hans-Günther Bauer, Präsident des DRV und Vorsitzender des Rote-Liste-Gremiums. Ähnlich sei es einer Reihe weiterer Feldvogelarten wie dem Rebhuhn oder der Feldlerche ergangen. Als Hauptursachen für den negativen Trend in dieser Gruppe nannte Bauer die seit Jahrzehnten verfolgte Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft und die ökologischen Folgen, die sich für die Lebensräume aus Überdüngung und Ausräumung der Landschaft ergäben. Die rund 5000 ehrenamtlichen Mitarbeiter stießen bei der aktuellen Erhebung allerdings auch auf Gewinner.

"Für einige Enten, Greifvögel und Eulen konnten Bestandserholungen um teilweise über 20 Prozent gegenüber 1975 festgestellt werden", berichtet Klaus Witt vom DDA. Bei den Greifvögeln habe die seit vielen Jahren rechtswirksame Jagdverschonung zur Verbesserung beigetragen. Arten wie Schleiereule, Wanderfalke und Raufußkauz profitierten hingegen von gezielten Artenhilfsmaßnahmen.

Am 14-03-2003

Krieg der Natur

Der Krieg im Irak stört massiv die Wanderrouten von Zugvögeln. In das kroatische Dorf Cigoc, eines von vier europäischen Storchendörfern (1994 bis 1999), seien bislang nur fünf europäische Storchenpaare zurückgekehrt. Gewöhnlich belaufe sich die Zahl Ende März auf hunderte Paare allein in Cigoc und mehr als 1.500 Paare in ganz Kroatien. Dorfbewohner machen den Irak-Krieg für ihre Abwesenheit verantwortlich. Auch Ornithologen haben bereits gewarnt, dass mehr als eine Million Zugvögel vom Krieg betroffen sein könnten.

Sumpfgebiete im Irak gelten auf dem Flug von Südafrika nach Europa als wichtige Rastplätze. Der tschechische Ornithologe Pavel Ctyroky erklärt, dass der Krieg die herkömmliche Flugroute beeinträchtigt, da der Rauch von brennendem Öl zur Desorientierung führe. Ähnlich sei die Situation auch im ersten Golfkrieg zwischen dem Iran und dem Irak 1980 bis 1988 gewesen. Viele Störche mussten laut Ctyroky neue Routen finden, um nach Europa zu gelangen. Einige wären nie angekommen.

Die internationale Ornithologie-Organisation BirdLife, die die verheerenden Auswirkungen des ersten Golfkriegs dokumentierte, skizziert verschiedene Möglichkeiten, wie der Krieg im Irak die Migration stören könnte. So können etwa die Habitate entweder durch Waffen aber auch von Flüchtlingen zerstört werden. Auch eine radiologische oder chemische Kontamination sei nicht auszuschließen. Hinzu komme die Verwüstung durch Fahrzeuge des Millitärs. "Im März/April befinden sich im Irak die meisten Vögel. Aus der Sicht der Biodiversität hätte die Kriegszeit nicht schlechter gewählt werden können", so der Migrations-Spezialist Phil Hockey.

Am 03-04-2003

Deutschland wichtiger Absatzmarkt für bedrohte Wildvögel

Indonesiens letzte Papageien werden rücksichtslos geplündert, ein Großteil der illegalen Wildfänge in die EU exportiert. Deutschland ist dabei einer der wichtigsten Absatzmärkte selbst für vom Aussterben bedrohte Arten. Darauf weist Pro Wildlife hin. Zwar habe die EU im Oktober 2001 ein Importverbot für einen der gefährdetsten indonesischen Papageien, den Gelbwangenkakadu, erlassen, doch diese Maßnahme erweise sich als zahnlos: "In den letzten Jahren exportiert Indonesien zunehmend Papageien, die angeblich gezüchtet wurden. Dabei handelt es sich um illegale Wildfänge, die einfach zu angeblichen Nachzuchten umdeklariert werden", erläutert Pro Wildlife-Expertin Daniela Freyer. Sie fordert von der EU, den Import aller indonesischer Papageien zu stoppen: "Deutschland als wichtiger Abnehmer trägt hierbei eine besondere Verantwortung."

In Indonesien sei der Fang von Papageien streng geregelt - allerdings nur auf dem Papier: Für einige Arten gebe es niedrige Fangquoten, für bedrohte Arten wie Gelbwangen- oder Molukken-Kakadu gelte gar ein totales Fang- und Handelsverbot. Doch die Wirklichkeit sehe anders aus. Nach Pro Wildlife vo Indonesien I Indonesien en ist der Vogelhandel in Indonesien völlig außer Kontrolle: Die Indonesien ogelmärkten Indonesiens angebotenen Papageien stammten nahezu ausnahmslos aus freier Wildbahn. Zu den begehrtesten Papageienarten aus Indonesien zählten Gelbwangen-, Weißhauben- und Molukken-Kakadu, Edel- und Rotsteiß-Papageien sowie Loris. Existierende Fangquoten würden massiv ü Indonesien en, Fang- und Handelsverbote ignoriert.

Allein über 8.000 der vom Aussterben bedroht Indonesien gen-Kakadus seien seit 1990 in den internationalen Handel gelangt, entweder direkt aus Indonesien oder über den Umweg aus Drittstaaten. Auf die zunehmende internationale Kritik an der Plünderung seiner Papageienbestände reagierte Indo Indonesien wischen mit einem Exportverbot für Wildfänge. "Eine Farce, denn die Exporteure kaufen die wild gefangenen Papageien und deklarieren diese Tiere anschließend im internationalen Handel zu "Nachzuchten" um. So wird auch das EU-Importverbot für wildgefangene Gelbwangen-Kakadus aus Indonesien unterlaufen", betont Pro Wildlife-Sprecherin Freyer.

Gegen einen Teil der involvierten Exporteure ermittele Interpol wegen Artenschmuggel. Trotzdem lieferten diese Händler weiterhin ungehindert Papageien auch nach Deutschland.

Die indonesischen Artenschutzbehörden bestätigten die Schwierigkeiten, den Vogelhandel zu kontrollieren und die angeblichen Nac Indonesien u überprüfen. Trotzdem stellten sie regelmäßig die erforderlichen Papiere aus und legalisierten damit die Tiere für den internationalen Handel.

Pro Wildlife fordert von Deutschland und der EU unmittelbare Konsequenzen: "Das zuständige Bundesamt für Naturschutz sollte umgehend die EU zu einem Importstopp aller Papageien aus Indonesien bewegen - nicht nur für Wildfänge, sondern auch für die angeblichen Nachzuchten", so Freyer. Deutschland solle zudem dringend für vom Aussterben bedrohte Arten wie den Gelbwangenkakadu ein weltweites Handelsverbot beantragen.

Am 14-07-2003

Artenschutz

Anlässlich der geplanten Novellierung der Bundesartenschutzverordnung hat der Naturschutzbund NABU Verschärfungen des Artenschutzrechtes in Deutschland gefordert. "Das Artenschutzrecht muss verschärft, aber auch vollzugstauglicher und bürgernäher gestaltet werden", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Da es im Bundesnaturschutzgesetz selbst nur wenige direkt wirksame Bestimmungen gebe, werde zurzeit noch vieles in der nachgeschalteten Bundesartenschutzverordnung geregelt, die wiederum durch übergeordnete Bestimmungen des EG-Rechtes und des internationalen Artenschutzrechtes ergänzt würde. Da kaum ein Beamter und Zoohändler, geschweige denn die privaten Tierliebhaber diesen Wust von Bestimmungen durchschauten, könne eine Vereinfachung schon eine Verbesserung bewirken, so Tschimpke.

Mit der anstehenden Novelle müsse insbesondere der Import und Verkauf von Wildfängen gefährdeter Tierarten rigoros verboten werden. Außerdem forderte der NABU, endlich auch die Herstellung und den Verkauf von so genannten nicht selektiv fangenden Fallen und allen Arten von Vogelfallen in Deutschland zu unterbinden. Bislang verbiete die Bundesartenschutzverordnung nur die Anwendung, nicht aber Herstellung und Verkauf von Netzen, Fallen, und anderen Fangeinrichtungen, mit denen Vögel und Kleintiere gefangen oder getötet werden könnten. Eine neue

Dokumentation des NABU belegt, dass Fallen, die im Handel ohne jegliche Beschränkung erhältlich sind, nach wie vor in großem Maße in Deutschland gehandelt und auch eingesetzt werden. "Was angeboten werden darf, wird gekauft und leider auch illegal eingesetzt", so Tschimpke.

Das wahre Ausmaß dieses Artenschutzskandals scheint nach den Erkenntnissen des NABU in der Öffentlichkeit bislang nur deshalb verborgen geblieben zu sein, weil die zuständigen Behörden kaum in der Lage sind, die illegalen Vogelfänger zu ertappen und anzuzeigen. "Die barbarische Vogelfängerei muss gestoppt werden", so der NABU-Präsident. Hierzu müsse das Artenschutzrecht nach Ansicht des NABU so reformiert

werden, dass es ohne großen Verwaltungsaufwand durchsetzbar sei.

Am 08-09-2003

Naturnahe Lebensräume

Der Naturschutzbund NABU und der Landesbund für Vogelschutz, NABU-Partner in Bayern, haben am Freitag den Zaunkönig als "Vogel des Jahres 2004" vorgestellt. "Der Zaunkönig, einer der kleinsten heimischen Vögel, wirbt als populärer Sympathieträger stellvertretend für viele andere Tiere des Siedlungsraumes für naturnahe Gärten, Parks und Grünflächen", sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz in Berlin.

Zwar sei der Zaunkönig derzeit nicht in seinem Bestand gefährdet, doch stehe der muntere Vogel für ein ganzes Gefolge von Tieren und Pflanzen, die auf eine intakte natürliche Umgebung angewiesen seien. Nach Haussperling und Mauersegler sei im Zusammenhang mit der NABU-Kampagne "Nachbar Natur" zum dritten Mal in Reihe gezielt ein typischer Vogel des menschlichen Siedlungsraumes gewählt worden.

Mit der Wahl des Zaunkönigs zum Vogel des Jahres 2004 verbinde der NABU den Aufruf zur Entwicklung strukturreicher Grünflächen mit dichtem Unterholz sowie den Appell zum Erhalt naturnaher Bachauen. "Wer den Zaunkönig schützen will, sollte sich für mehr Wildnis und Natur in unseren Gärten und Parks einsetzen", so Opitz. Natur einfach mal Natur sein lassen sei in diesem Zusammenhang eine wahrhaft königliche Geste. Sterile Innenstädte böten dem Zaunkönig genauso wenig Platz wie strukturarme Wirtschaftswälder ohne Unterholz.

Der Zaunkönig gelte laut NABU als vorwitzig und werde, wenn er sich aus seinem Unterholz einmal hervorwagt und lautstark "zu Wort" meldet, häufig als Symbol für eine natürliche, vielfältige Umwelt begriffen. "Trotz seines eher unscheinbaren Gefieders ist der kleine Vogel mit der lauten Stimme bei Groß und Klein sehr beliebt", so Opitz. Der Zaunkönig ist ein "Vogel von Welt", der sein Brutgebiet von Nordamerika über die Behringstraße westwärts auf weite Teile Asiens, Europas und Nordafrika ausgedehnt hat.

In Mitteleuropa ist der Vogel das ganze Jahr über anzutreffen und zieht sich als Insektenfresser im Winter nur aus den höheren Gebirgslagen in mildere Gefilde zurück. "Auch wenn der Zaunkönig noch nicht zu den in Deutschland gefährdeten Arten zählt, so leistet der Einsatz für ein Reich nach seinem Geschmack mit heimischen Gewächsen, unordentlichen Ecken und natürlichen Strukturen einen großen Beitrag für die Natur", so Opitz.

Am 10-10-2003

Vogelschutz

Der Naturschutzbund NABU hat sich bei der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz für die großzügige Spende für das NABU-Institut für Vogelschutz in Bergenhusen bedankt. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung verkündete Dr. Michael Otto, die Arbeit des NABU-Institutes in Bergenhusen mit einer Zuwendung in Höhe von 1,5 Millionen Euro zu unterstützen. "Mit dieser Spende wird die anerkannte Forschungs- und Beratungsarbeit des Institutes auf ein sicheres Fundament gestellt. Nun können neue Aufgaben in der Umweltbildung und bei der Akzeptanzsteigerung des Themas Naturschutz angegangen werden", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der NABU gratulierte der Michael Otto Stiftung zum Jubiläum und lobte unter anderem das Engagement für den dauerhaften Schutz der Unteren Mittelelbe, an deren Durchsetzung die Stiftung einen wesentlichen Anteil gehabt habe. Die Unterstützung des NABU-Instituts in Bergenhusen sei ein weiterer Beleg für das tief verwurzelte Interesse von Dr. Michael Otto an einer lebenswerten Welt für Mensch und Natur. Mit den Mitteln werde das Institut seine Forschungs- und Beratungsaktivitäten beim Schutz wassergebundener Lebensräume intensivieren.

Die Spende von Dr. Michael Otto werde zweckbestimmt angelegt, um dann aus den Zinserträgen die Aufgaben und Projekte zu finanzieren, so Tschimpke. Für die Zukunft sei auch geplant, einmal im Jahr im Rahmen der "Hamburger Gespräche für Naturschutz" ein Dialogforum zu strategisch wichtigen Fragen des Natur- und Umweltschutzes durchzuführen.

Bereits in der Vergangenheit hatte das Institut mit Unterstützung der Michael Otto Stiftung einen "Aktionsplan Weisstorch" erstellt, der detaillierte Empfehlungen zum Schutz dieser Vögel in Deutschland aufgestellt und Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Störche entwickelt hat. "Verbunden mit den neuen zusätzlichen Aufgaben wird das Institut dann auch einen neuen Namen tragen", sagte NABU-Präsident Tschimpke. Unter der Bezeichnung "Michael Otto Institut im NABU" werde das Institut in Zukunft zu einem Kompetenzzentrum für Vogelschutz, Schutz und Erhalt wassergebundener Lebensräume und innovative Umweltbildung entwickelt.

Am 15-10-2003

Erfolgreicher Einsatz gegen Wilderei

Mehr als 60 freiwillige Vogelschützer aus Deutschland und Italien haben in den vergangenen vier Wochen in den Alpen um den Gardasee rund 8300 Bogenfallen und 110 Netze für den illegalen Vogelfang abgebaut und den Behörden übergeben. Die Fanggeräte wurden im Rahmen von systematischen Suchaktionen des Komitees gegen den Vogelmord und italienischer Verbände entdeckt und unschädlich gemacht. In den Fallen befanden sich etwa 380 getötete Singvögel, etwa 260 Tiere konnten unversehrt befreit werden. Über die Aktionen berichtet heute abend die Fernsehsendung "Zeitspiegel" um 21.20 Uhr im Bayerischen Rundfunk.

Zusätzlich gelang es einer Sondereinheit der italienischen Forstpolizei nach Komitee-Hinweisen, 18 Wilderer in flagranti zu erwischen und anzuzeigen. "Als die Wilderer morgens zu ihren Fallen schlichen, um ihre Beute abzusammeln, saßen die Polizisten schon dahinter in den Büschen", freut sich Alexander Heyd vom Komitee gegen den Vogelmord über den erfolgreichen Einsatz. Ein Sprecher der Forstpolizei bezeichnete die Zusammenarbeit mit den deutschen Vogelschützern gegenüber Journalisten als "optimal und erfolgreich".

Insgesamt ermittelt die 30 köpfige Sondereinheit Wilderei (Nucleo Operativo Antibracconaggio) nun gegen mehr als 38 illegale Fallensteller, Netzfänger und Jäger. Im Rahmen von Kontrollen und Hausdurchsuchungen bei Wilderern und Jägern beschlagnahmten Forstpolizisten und Jagdaufseher bisher insgesamt 25 nicht zugelassene Schrotflinten sowie mehr als 350 gefrorene, z.T. gerupfte Singvögel. Die Tiere waren für den Verkauf an Feinschmecker und Restaurants bestimmt. Nach Angaben des Komitees werden allein in der Lombardei pro Jahr mehr als eine halbe Million Singvögel illegal für den Kochtopf gefangen.

Am 22-10-2003

Vogelschutz

Am Galenbecker See östlich von Neubrandenburg sind am Sonntagmorgen mehr als 20 Jäger dabei gefilmt worden, wie sie illegal im Naturschutzgebiet auf arktische Wildgänse geschossen haben. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord am Montag mitteilte, hatten Mitarbeiter des Verbandes nach Hinweisen aus der Bevölkerung das Gebiet überwacht und das illegale Treiben der Jäger mit einer Videokamera dokumentiert.

Das Naturschutzgebiet"Galenbecker See" östlich von Neubrandenburg gilt als einer der wichtigsten Rastplätze für arktische Wildgänse in Mitteleuropa. Zum Schutz der Tiere ist die Jagd am Rastplatz dort streng untersagt. "Die Jäger standen direkt am Schlafplatz. In einer Viertelstunde fielen mehr als 100 Schüsse", berichtet Komitee-Vorsitzender Heinz Schwarze.

Die Naturschützer betonen, daß sich auch ein Fernsehteam eines öffentlich-rechtlichen Senders vor Ort befand hat, das die illegale Jagd ebenfalls mit der Kamera festgehalten hat. Schwarze:"Die Jäger wußten genau, daß sie dort nicht jagen dürfen. Wir haben sofort die Polizei verständigt, doch beim Anblick der Kameras haben sie das Gebiet fluchtartig verlassen".

Einen weiteren Zwischenfall gab es am Randes des Naturschutzgebietes "Neuhofer Karpfenteiche" bei Ludwigslust. Nach Angaben des Komitees haben dort am Sonntagmorgen von den Vogelschützern verständigte Polizeibeamte sieben Jäger angetroffen, die ebenfalls in einer Jagdverbotszone auf Wildgänse schossen. Gegen die beteiligten Jäger wurde Anzeige erstattet.

Wie das Komitee weiter mitteilte, werde man auch in den kommenden Wochen überprüfen, ob Jäger in Naturschutzgebieten gegen Schutzvorschriften verstoßen. Besonderes Augenmerk gelte dabei den großen europäischen Vogelschutzgebieten entlang Elbe und Havel.

Am 04-11-2003

Hühnerseuche

Die Welttierschutzgesellschaft (WSPA), ein weltweites Bündnis von Tierschutzorganisationen, verurteilt das Massentöten von Hühnern als Folge der Vogelgrippe. Mit der Schlachtung von Millionen Hühnern soll die Ausbreitung der Seuche verhindert werden. Es sei "unvorstellbar grausam", wie zur Zeit Millionen Hühner getötet würden, so die Tierschützer. Viele der Tiere würden lebend begraben werden. Oft hätten die eingesetzten Kräfte kaum oder überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Hühnern, geschweige denn mit dem Schlachten.

"Auch wenn Eile geboten ist angesichts der Geschwindigkeit mit der sich die Seuche ausbreitet, ist es nicht zu akzeptieren, dass Tiere so gequält werden.", so Martin Riebe, Geschäftsführer der WSPA Welttierschutzgesellschaft in Deutschland. Die Ursache für den Ausbruch der auch für den Menschen gefährlichen Seuche sieht die WSPA im hemmungslosen Wachstum der asiatischen Tierproduktionsindustrie.

"Die rasante Entwicklung der industriellen Tierproduktion in Asien innerhalb weniger Jahre ist beispiellos", meint Riebe. Mit rund einer Milliarde geschlachteter Hühner pro Jahr sei Thailand mittlerweile einer der weltweit größten Geflügelproduzenten. Ohne ausreichende Tierschutzbestimmungen, Umweltrichtlinien oder Hygieneverordnungen seien solche schnell wachsenden Branchen jedoch Seuchen hilflos ausgeliefert. Massentötungen wären die logische Folge.

Auch die Haltung der Tiere sei keinesfalls artgerecht. Viele Milliarden Tiere fristeten ihr Dasein in überfüllten und dreckigen Ställen. Das sei der ideale Nährboden für Krankheiten aller Art, so die Tierschützer. Aber nicht nur die Tiere litten in der Intensivhaltung unter Darm- und Atemwegserkrankungen, auch die Arbeiter seien davon betroffen. Die hohe Konzentration der Schadstoffe und Erreger verursache bei vielen von ihnen chronische Entzündungen der Bronchien und schädige das Immunsystem.

"Alle Verantwortlichen, nicht nur in Asien, müssen endlich einsehen, dass die Vogelgrippe nur das aktuellste Beispiel ist für die negativen Auswirkungen der intensiven Massentierhaltung auf die menschliche Gesundheit und die Qualität unserer Nahrungsmittel.", sagt Riebe. SARS, MKS, BSE und Schweinepest müssten zum Nachdenken anregen über die Art und Weise, wie die Tiere behandelt würden.

Am 28-01-2004

Gefährliche Landwirtschaft

Auf die dramatischen Bestandsrückgänge vieler heimischer Feldvogelarten hat heute der Naturschutzbund NABU hingewiesen. In Deutschland müssten derzeit über 65 Prozent der in der Agrarlandschaft heimischen Feldvögel auf der Roten Liste der Brutvögel geführt werden. Einge der für Deutschland typischen Arten wie Rebhuhn, Kiebitz oder Feldlerche seien bereits ganz verschwunden. Eine aktuelle Studie der Naturschützer belege, dass die Intensivierung der Landwirtschaft die mit Abstand wichtigste Ursache für die teilweise tragischen Entwicklungen sei.

Die Studie macht drei größere Gefährdungsgruppen für die aktuelle Situation der Feldvögel verantwortlich: So litten Vögel, die auf Äckern brüten oder dort ihre Nahrung suchen, an den für die Intensivnutzung typischen Kennzeichen wie Pestizideinsatz, fehlende Randstreifen, geringe Kulturvielfalt und überdimensionierte Ackergrößen. Ferner seien Feldvögel auch auf bestimmte Strukturen wie Gehölze oder Streuobstwiesen angewiesen, deren Verschwinden einigen Arten in den letzten Jahrzehnten ebenfalls zugesetzt habe. Und schließlich hätten Veränderungen bei der Grünlandwirtschaft - wie etwa Trockenlegungen, intensivere Mähtechniken bis hin zum Verschwinden eines dorfnahen Grünland - im Zusammenspiel mit einem erhöhten Brutverlust durch Beutegreifer zur aktuellen Situation beigetragen.

"Den akut vom Aussterben bedrohten Arten kann zurzeit nur durch ein gezieltes Management in Schutzgebieten oder mit Vertragsnaturschutz geholfen werden", so NABU-Vogelexperte Hermann Hötker. Um den Trend bei den Feldvögelbeständen umzukehren, schlägt der Verein Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen vor. Im Ackerbau müssten demnach Pestizide reduziert, Ackerrandstreifen angelegt, Flächen stillgelegt und verkleinert sowie die Kulturvielfalt erhöht werden. Bestehende Streuobstwiesen, Hecken, Gehölzstreifen, aber auch abwechslungsreiche dörfliche Strukturen müssten erhalten werden. Im Grünlandbereich müssten zukünftig feuchte Niederungen oder Magerrasen geschützt und nestschonende Mähtechniken eingeführt werden. "Eine weitere Ausdehnung des ökologischen Landbaus kann zudem für eine Reihe von Arten wie beispielsweise die Feldlerche positive Entwicklungen einleiten", so Hötker.

Am 03-02-2004

Verölte Seevögel

Vor dem Hintergrund der täglich steigenden Zahl verölter Seevögel an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste hat der Naturschutzbund NABU die Einführung eines neuen Straftatbestandes gefordert. Den Verantwortlichen für vorsätzliches Öl-Ablassen müsse grundsätzlich mit Haftstrafen gedroht werden können. "Alle bisherigen Bemühungen, illegale Tankwaschungen oder das Abpumpen stark verölter Bilgenwasser zu verhindern, konnten das Problem in seinem ganzen Ausmaß nicht annähernd in den Griff bekommen", sagte NABU-Seefahrtsexperte Rüdiger Wohlers. Für Ölsünder sei das Risiko immer noch vergleichsweise gering, da in Deutschland eine zentrale Küstenwache nach US- oder angelsächsischem Vorbild fehle.

"Es ist heute leider immer noch viel billiger, sich des Öls auf See zu entledigen, als dieses in einem Hafen fachgerecht entsorgen zu lassen", so Wohlers. Zudem dürften viele Kapitäne und Reeder für die zurzeit verhängten Geldstrafen nur ein müdes Lächeln übrig haben. "Das ist vergleichbar mit einem Parksünder, der dreißig mal unentdeckt parkt und dann gerne das erste Knöllchen zahlt", meinte NABU-Experte Wohlers. Dieses Verhalten sei allerdings kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen gegen die Meeresumwelt, das nicht nur Seevögeln, sondern zahllosen Lebewesen einen qualvollen Tod beschere.

Neben zahlreicher Fischgründe sei letztlich auch Erholungsraum für den Menschen ernsthaft gefährdet. "Wir dürfen nicht länger hinnehmen, dass diese Chronique scandaleuse endlos weitergeführt werden muss", so Wohlers. Wenn den Kapitänen und anderen Verantwortlichen zwingend eine Haftstrafe drohe, würden sie es sich eher überlegen, ob sie dieses Risiko weiter eingingen. In Verhandlungen mit der Weltschifffahrtsorganisation IMO müsse zudem erreicht werden, dass andere Staaten gleichermaßen aktiv würden und die Sanktionierung auf internationale Gewässer ausgedehnt werde.

Am 16-02-2004

Beifang

Zahlreiche Seevögel ernähren sich vom Beifang der menschlichen Fischerei. Ein plötzlicher Fangstopp könne daher die Bestände seltener Vögel gefährden. Das ergab eine Untersuchung der Universität Jena. Die Forscherin Simone Pfeiffer hatte von 1986 bis 2002 unter der Leitung des Wissenschaftlers Robert W. Furness von der Universität Glasgow die Populationen von Vögeln auf der Shetland-Insel Foula untersucht. Das Ergebnis: "Fischer machen mehr Beute, als ihnen bewusst ist. Denn ihre Fangmenge beeinflusst auch das Fressverhalten der Seevögel", erklärt die Expertin.

Die Großen Raubmöwen, die sie untersuchte hätten sich darauf eingestellt, einen Teil ihrer Nahrung direkt bei den Fischfangschiffen abzuholen, denn dort würden zu kleine oder unbrauchbare Fische als Beifang direkt ins Meer zurückgeworfen werden.

"Diese vom Menschen quasi servierten Fische haben die Möwen als leichte Beute ausgemacht und als festen Bestandteil auf ihren Speiseplan gesetzt", erklärt Pfeiffer. Dabei habe die Forscherin beobachtet, dass der Anteil der von den Möwen selbst gefangenen Fische deutlich zurückgegangen sei. Die Ergebnisse der Forscherin stützen sich auf die Analysen von Gewöllen, dem unverdauten Teil der Nahrung, den der Vogel regelmäßig wieder ausspuckt.

Die Experten raten dazu, die Fischfangquote nur langsam zu senken. "Eine Steuerung der Populationsgröße durch ein Verändern der Fangquote ist allerdings nicht möglich", meint Pfeiffer, da zu viele Faktoren einen Einfluss ausüben würden. Die Forscherin plädiert jedoch dafür, solche Langzeitstudien zur Populationsdynamik weiter fortzusetzen, denn nur so ließen sich die weit reichenden Beziehungen im marinen Nahrungsnetz und damit die unmittelbare Verbindung zum Menschen als Nutzer der Fischbestände entschlüsseln. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht.

Am 17-02-2004

25 Jahre EG-Vogelschutzrichtlinie

Der Naturschutzbund NABU begrüßt die Pläne der hessischen Landesregierung, zum 25jährigen Jubiläum der EG-Vogelschutzrichtlinie die großen Lücken bei den Gebietsmeldungen zu schließen. Für den Juni ist die Meldung von über 40 Gebieten vorgesehen. Der Landesvorsitzende des NABU begrüßte dies als einen "Meilenstein im hessischen Vogelschutz und erfreuliches Jubiläumsgeschenk für die Natur".

Die EG-Vogelschutzrichtlinie vom 2. April 1979 hat erstmals den Gedanken umgesetzt, dass Natur keine Grenzen kennt und unsere Vögel über Ländergrenzen hinweg geschützt werden müssen. Die Mitgliedstaaten haben in der Richtlinie einen strengen Schutz für alle in der EU vorkommenden Vogelarten festgelegt. Für bestimmte Arten müssen Schutzgebiete eingerichtet werden. In Hessen gibt es bisher 48 europäische Vogelschutzgebiete die 1,9 Prozent der Landesfläche einnehmen. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Belgien (14,1 Prozent) oder die Niederlande (24,1 Prozent) war dies bisher viel zu wenig, denn die bedrohten Vogelarten konnten damit nicht annähernd gesichert werden.

Sowohl die Vorschriften für Artenschutz und Jagd als auch die Einrichtung der Schutzgebiete hätten eigentlich bis 1981 umgesetzt sein müssen. Die Europäische Kommission hatte aufgrund einer Beschwerde des NABU daher bereits 1992 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Diese kann bei Nichterfüllung der Richtlinie in eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof münden.

In Hessen hat der NABU eine Liste der "Important Bird Areas" (IBAs) zusammengestellt. Darin wurden die wichtigsten Vogelschutzgebiete Hessens identifiziert und abgegrenzt. Auf dieser Basis verlangt die EU-Kommission umfangreiche Nachmeldungen. Die Pläne der Landesregierung entsprechen in weiten Bereichen den Forderungen des Naturschutzbundes. Ergänzungen sind nach Ansicht des NABU jedoch noch für den Steinkauz notwendig, für den Hessen eine bundesweite Verantwortung besitzt, weil hier die Schwerpunktverbreitung liegt.

Am 31-03-2004

"Zugvogelschutzcamp" ab 1. Mai

Trotz Verbots durch die EU ist in Malta die traditionelle Frühlingsjagd auf geschützte Zugvögel offenbar wieder gestartet. Nach Angaben des Bonner Komitees gegen den Vogelmord und seiner maltesischen Partnerorganisation International Animal Rescue haben maltesische Jäger seit Eröffnung der Jagdsaison am 25. März bereits Tausende geschützte Singvögel, Reiher und Greifvögel abgeschossen, um sie anschließend ausstopfen zu lassen.

"Hundert Schüsse in fünf Minuten sind völlig normal, insbesondere wenn Schwärme durchziehen", berichtet Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Allein in der letzten Woche seien sowohl in Malta als auch auf Gozo von Mitarbeitern der beiden Organisationen zahlreiche verletzte oder tote Tiere entdeckt worden, darunter akut gefährdete Arten wie Wiesenweihen, Baumfalken und Bienenfresser.

"Die Jäger pfeifen auf EU-Recht", beschwert sich Hirschfeld. "Da wird geschossen, was vorbeifliegt". Zwar leiste die in Malta zuständige Polizeieinheit im Kampf gegen die Wilderer "erstklassige Arbeit" , müsse aber angesichts ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit - auf einen Beamten kämen mehr als 800 registrierte Jäger - massiv verstärkt werden, forderte das Komitee.

Um die Behörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen, wollen deutsche, französische und italienische Mitarbeiter des Komitees ab dem 1. Mai auf Malta ein "Zugvogelschutzcamp" durchführen, bei dem Wilderer überführt und illegale Fallen eingesammelt werden sollen. Mit der Aktion wollen Vogelschützer auch den Druck auf die maltesische Regierung erhöhen, die in Brüssel versprochene Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie effektiver zu überwachen.

Am 26-04-2004

Nicht nur Auswirkungen auf den Menschen

Lärm beeinträchtigt nicht nur Menschen in der Großstadt, sondern kann auch Auswirkungen auf das Verhalten von wilden Tieren haben. Der Verhaltensbiologe Henrik Brumm von der Freien Universität Berlin hat untersucht, wie Singvögel mit dem teilweise immensen Verkehrslärm in der Stadt zurecht kommen und hat dazu den morgendlichen Gesang von männlichen Nachtigallen in Berlin analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Tiere versuchen, sich im Großstadtlärm Gehör zu verschaffen, indem sie ihren Gesang deutlich lauter vortragen und damit gegen die Geräuschkulisse um sie herum ansingen.

Die Tiere sangen um so lauter je intensiver der Umweltlärm in ihren Territorien war. Vögel, die in der Nähe von stark befahrenen Straßen oder Eisenbahntrassen siedelten, sangen bis zu 14 Dezibel lauter als Tiere in Gebieten, die weniger stark von Lärm beeinträchtigt waren. Dieser Unterschied entspricht einem mehr als fünffachen Anstieg im Schalldruck des Vogelgesangs. Allerdings sind auch den Gesangsfähigkeiten der Nachtigallen Grenzen gesetzt - wird der Lärm zu laut, können die Tiere ihn nicht mehr durch intensiveres Singen kompensieren.

Da die Vögel mit ihrem Gesang Weibchen anlocken und gleichzeitig ihr Territorium gegen männliche Rivalen verteidigen, müssen sie den Beeinträchtigungen durch Lärm entgegenwirken, wenn sie eine Partnerin auf sich aufmerksam machen oder andere Männchen vertreiben wollen. Wie Henrik Brumm in der neuesten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Animal Ecology" berichtet, haben sich die Tiere erstaunlich gut daran angepasst, dass der Lärmpegel in der Umwelt großen Schwankungen unterliegen kann. Wenn der Lärm auf den Straßen Samstag- und Sonntagmorgens wegen des fehlenden Berufsverkehrs nachlässt, singen auch die Vögel in der Nähe dieser Straßen wieder deutlich leiser.

Ein internationales Forscherteam hat übrigens entdeckt, dass Killerwale auf den zunehmenden Bootsverkehr mit einem ähnlichem Verhalten, nämlich wesentlich lauteren Rufen reagieren. Das britisch-amerikanische Forscherteam hat festgestellt, dass die Orcas um bis zu 15 Prozent länger rufen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature

Am 29-04-2004

22. Mai 2004

Der NABU veranstaltet die Mitmach-Aktion am 22. Mai gleichzeitig in vielen Bundesländern. In Hessen sind alle Naturfreunde aufgerufen, eine Stunde lang - von 9.00-10.00 Uhr - alle Vögel zu notieren, die sie beim Blick in den Garten oder Kleingarten, vom Balkon oder der Terrasse aus beobachten können. Amsel, Drossel, Fink und Star und weitere - ganz gleich, welcher Art sie angehören. Es zählen also Menschen in großer Zahl fast überall in Deutschland nach gleicher Methode ihre Amseln, Buchfinken, Zaunkönige oder Rotkehlchen in ihrem persönlichen Wohnumfeld.

Erstmals versucht der NABU, unter Beteiligung der Öffentlichkeit Gartenvögel zu erfassen. Der NABU erhofft sich davon, einen Überblick über die Verteilung häufiger Vogelarten im Siedlungsbereich zu gewinnen. Ziel ist es auch, Menschen für die Artenvielfalt - auch im direkten Lebensumfeld - zu begeistern.

"Wir erleben einen drastischen Wandel in der urbanen Vogelwelt," erklärt Prof. Rüdiger Wagner, Vorsitzender des NABU Hessen zum Hintergrund, "viele Nutzgärten werden immer extensiver bewirtschaftet oder ganz aufgegeben. Davon profitieren beispielsweise Amsel und Rotkehlchen." Büsche, Stauden und mehr "Wildnis" helfe den Tieren. Dieser positive Trend werde jedoch mehr und mehr durch "exotisches Einheitsgrün und Waschbeton-Wüsten" überlagert, kritisiert er gleichzeitig.

"Viele blühende Vorgärten sind in den vergangenen Jahren zu Abstellplätzen degradiert worden. Wo vorher noch eine Hasel wachsen durfte, stehen heute Fahrräder und Mülleimer auf Steinplatten", bedauert Rüdiger Wagner. "Die Baumärkte bieten immer ausgeklügeltere Betonbauteile und Pflanzen ferner Länder. Wer dagegen einheimische Schlehensträucher oder einen Holunder kaufen möchte, wird nur noch im Fachhandel fündig.

"Dabei sind gerade die einheimischen Sträucher ökologisch besonders wertvoll", ergänzt Sibylle Winkel, Biologin beim NABU Hessen, "an sie haben sich in vielen Jahrhunderten unsere Insekten angepasst, die wiederum die Babynahrung für die meisten Gartenvögel sind." Von Rhododendron und Kirschlorbeer werde, mangels Insekten, keine Meise satt.

Alarmierend ist für den NABU der Rückgang der "Allerweltsarten" Spatz und Singdrossel. "Beim Spatz gibt es besonders in Großstädten Bestandseinbrüche von über der Hälfte in nur 30 Jahren", so die Biologin. Mangelnde Nistmöglichkeiten an sanierten Fassaden und vor allem die fehlenden Insekten in oft sterilen Gärten seien die Ursache dafür. "Aber beim Jahresvogel 2004 - dem Zaunkönig - zeigt sich beispielhaft, wie sehr der Tierwelt manchmal schon mit kleinen Maßnahmen geholfen werden kann: mit einer unaufgeräumten Ecke im Garten schenken Sie dem kleinen König ein ganzes Reich."

Die Teilnahme an der Mitmach-Aktion ist denkbar einfach: Am 22. Mai 2004 von 9.00 bis 10.00 Uhr (und nur dann!) im Kleingarten und Hausgarten, im Park oder vom Balkon in Stadt und Land alle Vögel suchen, bestimmen, die Anzahl notieren und die Ergebnisse schnell dem NABU zukommen lassen!

Auch per Fax und E-Mail ist die Meldung möglich: Fax: 06441-6790429, E-Mail: info@nabu-hessen.de. Ein Meldebogen mit Abbildungen der häufigsten Vögel zur Hilfe und vorbereiteter Liste kann von Vogelbegeisterten im Internet heruntergeladen und ausgedruckt werden. Auf der Internetseite werden später auch die Ergebnisse bekannt gemacht. Der NABU bittet darum, Listen oder ausgefüllte Meldebögen bis zum 30.5. einzusenden an: NABU Hessen, Friedenstr. 26, 35578 Wetzlar.

Am 19-05-2004

Brandenburg

Der Naturschutzbund NABU in Brandenburg begrüßt die gestrige Kabinettsentscheidung, 19 weitere Gebiete als Europäische Vogelschutzgebiete an die Europäische Union zu melden. Damit kommt das Land seinen Verpflichtungen aus der EU-Vogelschutzrichtlinie nach, die es eigentlich schon bis 1991 hätte erfüllen müssen. Die Ausweisung der Gebiete kam unter dem Druck eines laufenden Vertragsverletzungsverfahrens der EU gegen Deutschland zustande.

Wenig Verständnis zeigte Kirschey für die Widerstände gegen die Vogelschutzgebiete vor allem in der Uckermark. Aktuellen Statistiken zufolge ist die Zahl der Übernachtungen in der Uckermark in einem Jahr um 27,7 Prozent gestiegen, so stark wie nirgendwo sonst in Brandenburg. "Die Leute kommen doch wegen der tollen Natur in die Uckermark", so Kirschey. Die Vogelschutzgebiete werden die Entwicklung der Region nach Auffassung des NABU fördern und nicht behindern, wie manche Kreispolitiker befürchten.

Landesvorsitzender Tom Kirschey lobte das Verfahren der Gebietsauswahl durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung. Die angesetzten fachlichen Kriterien würden weitgehend den EU-Anforderungen Rechnung tragen. "In einigen Fällen, z.B. in der Uckermark und in der Bergbaufolgelandschaft, wurden Flächen aus politischen Gründen ausgeklammert. Hier erwarten wir noch Nachforderungen der EU", so Kirschey.

Insgesamt aber bringen die Meldungen das Land der Umsetzung des europäischen Naturschutzrechtes einen entscheidenden Schritt näher. Nun kommt es darauf an, den Vogelschutz in den Gebieten wirksam umzusetzen. Kirschey: "Die Vogelschutzgebiete sichern die Zukunft von Seeadler, Kranich und Wiedehopf in Brandenburg. Bei geschickter Umsetzung der Schutzvorschriften garantieren sie gemeinsam mit den FFH-Gebieten eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung des Landes, die nicht auf Kosten der einzigartigen Naturschätze geht."

Am 07-07-2004

"Vögel des Glücks"

Herbstzeit ist in Mecklenburg-Vorpommern auch Kranichzeit. Wieder wird an den Rastplätzen der "Vögel des Glücks" ein grandioses Schauspiel geboten, wenn sie zu Tausenden geräuschvoll starten und landen. Im Frühjahr machen diese imposanten Vögel nur kurz Rast auf dem Weg zu ihren Nist- und Brutplätzen in Skandinavien und Osteuropa. Länger in Mecklenburg-Vorpommern bleiben die Kraniche dagegen bei ihrem herbstlichen Rückflug, teilt der Tourismusverband des Landes mit.

Wer den "Vögeln des Glücks" optisch und auch gedanklich etwas näher kommen, sich mit den Schutzbemühungen vertraut machen will, hat bei Ausstellungen und Vorträgen, aber noch mehr bei geführten Wanderungen und Exkursionen, Gelegenheit dazu. Dazu soll auch in diesem Jahr die "Woche des Kranichs" dienen. Sie findet vom 19. bis 26. September bereits zum sechsten Mal in der Region des Nationalparks "Vorpommersche Boddenlandschaft" statt und bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen. Von Ausstellungen über Vorträge, Kreativarbeiten bis hin zu Beobachtungen an den Rastplätzen kann der Besucher sich sein "Erlebnis Kranich" schaffen.

Am Schaalsee in Westmecklenburg, in verschiedenen Feuchtgebieten der Mecklenburgischen Seenlandschaft, so am Rederang-See bei Waren und in den Langhägener Seewiesen im Landkreis Parchim, sowie vor allem im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zwischen Rügen, Zingst und dem Festland nördlich von Stralsund fressen sich die Glücksbringer die Kraft- und Energiepolster an, die sie für ihren langen und nicht ungefährlichen Flug gen Südfrankreich, Spanien und Nordafrika brauchen.

Es ist ein grandioses Schauspiel für Auge und Ohr, wenn allabendlich riesige Schwärme der Zugvögel, die mit ihren Flügeln immerhin eine Spannweite von gut zwei Meter erreichen, über dem Horizont aufsteigen, um von ihren Futterplätzen zu den sicheren Schlafplätzen im seichten Flachgewässern zu fliegen. Im Morgengrauen ein gleiches Bild, wenn es zurück zur Futtersuche geht.

Auf den abgeernteten Feldern fressen die Kraniche Getreide, vor allem Mais und Gerste. Weithin sind dann auch die fremdartigen, trompetenähnlichen Rufe der scheuen Großvögel zu hören. Im September vergrößert sich tagtäglich wieder die Anzahl der Boten der Götter, die in Mecklenburg-Vorpommern für einige Wochen Hof halten. Bis zum Abflug in den warmen Süden Mitte bis Ende Oktober werden es insgesamt sicher wieder mehr als 50.000 sein.

Am 26-08-2004

Tierschutz

Während uns in Deutschland gerade die ersten Zugvögel wie z.B. Störche und Schwalben in Richtung Winterquartier verlassen, haben Vogelfänger Maltas Küste bereits in eine tödliche Falle für sie verwandelt. Ab Mittwoch dürfen auf Malta nach Angaben des Bonner Komitees gegen den Vogelmord ganz offiziell mehr als 6000 bis zu 50 Quadratmeter große Fangnetze für den Fang von Singvögeln, Turteltauben und Goldregenpfeifern aufgestellt werden. Zusätzlich dürfen ab dem 1. September wieder etwa 12.000 registrierte Jäger mit der Flinte auf die Vogelpirsch gehen.

Trotz massiver Proteste von Naturschützern aus ganz Europa hat die Regierung in Valetta auch in diesem Herbst wieder mehr als 40 Vogelarten für Fang und Abschuß freigegeben, darunter Stieglitze, Girlitze, Zeisige, Hänflinge, Kampfläufer, Kiebitze, Pfeifenten und Zwergschnepfen. Wie das Bonner Komitee weiter mitteilte, wurden auf Malta vor dem EU-Beitritt am 1.Mai jeden Herbst bis zu einer Million Zugvögel geschossen, gefangen oder gewildert. "Die rechtliche Situation hat sich im Vergleich zu der vor dem EU-Beitritt um kein Deut verändert.", urteilt Komitee-Sprecher Axel Hirschfeld.

Besonders ärgert die Vogelschützer, daß zahlreiche der auf Malta zum Abschuß freigegebenen Arten in anderen EU-Ländern längst auf den Roten Listen stehen und mit großem Aufwand geschützt werden. Hirschfeld: "Die Bestände vieler Arten nehmen europaweit seit Jahren stetig ab. Anstatt darauf zu reagieren, wurde die Liste der jagdbaren Vogelarten kurz vor dem EU-Beitritt sogar noch um eine Art erweitert". Obwohl die maltesische Regierung bei der EU-Kommission eine "äußerst fragwürdige" Sondergenehmigung für den Fang von 8 Singvogelarten erwirkt hat, verstoßen die genehmigten Jagdzeiten nach Ansicht des Komitees weiterhin gegen die Vogelschutzrichtlinie der Union. Wie der Verband weiter mitteilte, werde man deshalb noch in diesem Jahr eine Umweltbeschwerde in Brüssel einreichen.

Die offizielle Jagdzeit auf Malta dauert für insgesamt 32 Vogelarten bis zum 31.Januar 2005, bestimmte Vögel wie z.B. 8 verschiedene Finkenarten dürfen bis Ende April, Turteltauben und Wachteln sogar bis zum 22.Mai 2005 gefangen und geschossen werden.

Am 31-08-2004

Vogelschutzcamp ab 1. Oktober

Kurz vor dem offiziellen Beginn der Jagdsaison haben zahlreiche italienische Regionen den Abschuß und Fang von mehreren Millionen nach EU-Recht geschützten Zugvögeln erlaubt. So dürften allein im Veneto vom 19. September bis Ende Dezember ganz offiziell bis zu 6 Millionen Stare, 2,4 Millionen Buchfinken, 1,2 Millionen Bergfinken sowie mehr als 12 Millionen Sperlinge geschossen werden, so das Bonner Komitee gegen den Vogelmord. Ein entsprechendes Regionalgesetz wurde im August von Silvio Berlusconis Partei "Alleanza Nazionale" im Regionalparlament von Venedig vorgelegt und verabschiedet. Hinzu kommt eine große Zahl gewilderter Tiere. Naturschützer wollen der illegalen Jagd mit einem Vogelschutzcamp entgegentreten und Fallen abbauen.

"Die Vögel werden zum politischen Kanonenfutter, mit denen sich Italiens Rechtspolitiker Wählerstimmen der Jäger sichern möchten", kritisiert Alexander Heyd vom Komitee gegen den Vogelmord. Die Organisation habe bereits eine Anwaltskanzlei aus Mailand mit einer Klage gegen das Gesetz beauftragt.

Landesweit dürfen ab Sonntag rund 715.000 italienische Vogeljäger bis Ende Januar täglich bis zu 30 Drosseln, Kiebitze, Wachteln und Turteltauben schießen. Dazu kommt in vielen Regionen die traditionelle Wilderei mit Fallen, Vogelleim oder Gewehren. So wurden allein in den letzten zwei Wochen von Jagdaufsehern der Naturschutzverbände mehr als 49 Wilderer kontrolliert und angezeigt, weil sie illegal geschützte Bussarde, Falken, Wiedehopfe und Steinrötel gefangen oder geschossen hatten. Bei Rom wurde in der letzten Woche eine Gruppe von 20 Jägern erwischt, als sie vor Beginn der offiziellen Jagdzeit ein regelrechtes Sperrfeuer auf durchziehende Turteltauben eröffneten.

Um den vor allem im Norden Italiens weit verbreiteten illegalen Vogelfang mit Bogenfallen und Netzen zu bekämpfen, organisieren die Bonner Naturschützer ab dem 1. Oktober in der Region rund um den Gardasee ein groß angelegtes Vogelschutzcamp. Gemeinsam mit Forstpolizisten und Jagdaufsehern wollen rund 80 deutsche und italienische Vogelschützer illegale Fanggeräte aufspüren und abbauen. Im letzten Jahr wurden so nach Komiteeangaben innerhalb von vier Wochen insgesamt 12.000 Fallen und zusammen genommen rund drei laufende Kilometer illegale Fangnetze eingesammelt. "Die Methode ist erfolgreich", freut sich Heyd. Viele Wilderer hätten inzwischen aufgegeben. "In einigen Tälern, die früher voller Fallen standen, finden wir heute kaum noch etwas."

Am 17-09-2004

Naturschutz

Der Uhu ist "Vogel des Jahres 2005". Naturschutzbund NABU begründete die Wahl am Freitag, der Vogel stehe wie kaum eine andere Art für "einen der ganz großen Erfolge in Sachen Arten- und Lebensraumschutz". Die hierzulande fast ausgerottete größte europäische Eule komme dank gezielter Artenhilfsprogramme heute wieder bundesweit vor. Trotz der vielerorts stabilen Bestände sei die Population dieses nachtaktiven Greifvogels allerdings regional rückläufig, ohne dass die Ursachen hierfür bekannt seien. Auch wenn sich das Blatt insgesamt gewendet habe, sei der Uhu bis heute besonders schutzbedürftig.

Nach dem Wanderfalken, dem erstmalig 1971 gewählten Vogel des Jahres, fällt die Wahl zum zweiten Mal auf eine Art der ebenso empfindlichen wie einzigartigen Felsenlandschaft. "Mit der Wahl des Uhus wollen wir auf die Schutzbedürftigkeit des gesamten Felsenlebensraumes und seiner mitunter kaum bekannten Bewohner aufmerksam machen", sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Der massige Körper, sein großer Kopf und die bis zu 1,80 Meter Flügelspannweite machten den Uhu zum unverwechselbaren "König der Nacht". Trotz seiner imposanten Größe sorgt sein hell- und dunkelbraun gemustertes Federkleid im Wald für eine perfekte Tarnung.

Obwohl die meisten Menschen die große Eule aufgrund ihrer gut getarnten, nächtlichen Lebensweise selten zu Gesicht bekommen, ist ihnen der auffällige Balzruf aus zahlreichen Erzählungen bekannt. Der weittragende "Buhoo-Ruf" hat ihr den deutschen Namen Uhu wie auch die wissenschaftliche Bezeichnung Bubo bubo eingebracht.

Der europäische Uhu brütet überwiegend in Felsen und Steinbrüchen. Sein Brutareal reicht von Südwesteuropa und Nordafrika über den europäischen Kontinent ostwärts bis nach Sibirien, Südindien und Südchina. In Deutschland leben derzeit etwa 850 Uhupaare. Verbreitungsschwerpunkte sind die Mittelgebirge Süd- und Westdeutschlands, die Alpen und Schleswig-Holstein.

Noch ist der Uhubestand in Deutschland nach Angaben des NABU von der Fortführung intensiver Schutzmaßnahmen abhängig. Heute zählten die Verluste durch Stromschlag an ungesicherten Mittelspannungsmasten, Störungen an den Brutplätzen und den Verlust von Lebensräumen in Steinbrüchen zu den wichtigsten Gefährdungen.

Am 01-10-2004

EU-Vogelschutzrichtlinie

Das Naturschutz-Netzwerk BirdLife International und der Dachverband der europäischen Jagdverbände, FACE haben am heutigen Dienstag in Brüssel eine Vereinbarung zur Einhaltung der EU-Vogelschutzrichtlinie unterzeichnet. Damit sollen Praktiken wie die alljährlich in vielen südeuropäischen Ländern stattfindende Jagd auf Zugvögel im Frühjahr oder die von der italienischen Regierung geplante Freigabe von weiteren Vogelarten für die Jagd bald ein Ende haben. Anlass für die Absprache waren wiederholte Verstöße in Frankreich, Italien und den neuen EU-Mitgliedstaaten Malta und Zypern gegen die Bestimmungen der Richtlinie. Diese hatten zu Konflikten mit Naturschützern und zu mehreren Urteilen des Europäischen Gerichtshofes in Luxembourg (EuGH) gegen Frankreich und andere Mitgliedstaaten geführt.

BirdLife International hatte daher versucht, zum 25-jährigen Jubiläum der EG- Vogelschutzrichtlinie in diesem Jahr eine Selbstverpflichtung der Jäger auf den Status Quo zu erreichen. Im Gegenzug wurde den Jägern zugestanden, dass die Jagd in Schutzgebieten zulässig sein kann, wenn sie die Schutzziele nicht gefährdet und bestimmte Erfordernisse erfüllt. "In zähen Verhandlungen haben aber der NABU und sein niederländischer BirdLife-Partner "Vogelbescherming Nederland" erreicht, dass national weiter reichende Vereinbarungen getroffen werden können", so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. So sei beispielsweise in den Niederlanden in allen EG-Vogelschutzgebieten die Jagd komplett verboten.

Das vom NABU im Rahmen der Novelle des Bundesjagdgesetzes geforderte Verbot bleihaltiger Munition sei auf EU-Ebene nicht durchzusetzen gewesen. Immerhin hätten sich die Jäger jetzt verpflichtet, spätestens bis zum Jahr 2009 bei der Jagd in Feuchtgebieten auf Bleimunition zu verzichten. "Den drohenden 'Roll back' im Vogelschutz auf EU-Ebene haben wir damit gestoppt, sofern sich die Jäger an die Übereinkünfte ihres Dachverbandes halten", sagte Tschimpke. Die Bundesregierung sei jetzt gefordert, in der Novelle des Bundesjagdgesetzes endlich die Auflagen der EG-Vogelschutzrichtlinie und anderer internationaler Vorschriften umzusetzen.

Am 12-10-2004

Nicht nur Vögel wandern

Könnten wir bei Dunkelheit sehen, wäre der Zug der Fledermäuse ebenso gut zu beobachten wie das Ziehen der Kraniche oder Wildgänse. Fast lautlos und von den meisten unbemerkt ziehen die fliegenden Säuger zu Beginn der kalten Jahreszeit in ihre Winterquartiere. Dabei legen Sie, nach Angaben der Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur), oft große Distanzen zurück, denn geeignete Quartiere, wo die Tiere frostfrei und ungestört den Winter verschlafen können, werden immer seltener. So kann es schon vorkommen, dass ein Großes Mausohr, das den Sommer über auf Insektenjagd an der deutsch-tschechischen Grenze war, dieser Tage bis in einen ehemaligen Brauereikeller nach Frankfurt an der Oder fliegt.

Besitzer dieses "Fledermaus-Hotels" in Frankfurt ist die Umweltstiftung Euronatur, welche mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz, des Landes Brandenburg und des Naturschutzfonds Brandenburg die Ruine der ehemaligen Ostquell-Brauerei gekauft hat. "Im Rahmen des Projekts werden in den neuen Bundesländern 40 alte Bunker und Kellergewölbe für die Fledermäuse optimiert.", erklärt Euronatur-Projektleiter Matthias Meißner. Der Brauereikeller in Frankfurt gehört dabei zu den wichtigsten Quartieren. Nach Angaben der Umweltstiftung haben dort letztes Jahr über 1.700 Fledermäuse acht verschiedener Arten überwintert.

Während des Winterschlafs vollbringen die Tiere wahre physiologische Höchstleistungen: Um Energie zu sparen wird der Stoffwechsel extrem gedrosselt. Aktive Große Mausohren haben normalerweise eine Körpertemperatur von etwa 40 °C, im tiefen Winterschlaf dagegen liegt diese zwischen 0 °C und 10 °C. Der Herzschlag verlangsamt sich von etwa 400 auf nur noch 20 Schläge pro Minute. Atempausen von 60 bis 90 Minuten sind keine Seltenheit.

Einige Mausohren wandern nach Angaben von Euronatur über 200 km bis zu ihren Winterquartieren, Rekordhalter unter den wandernden Fledermäusen sind allerdings die Rauhautfledermaus mit 1.905 km und der Große Abendsegler mit 2.347 km.

Am 27-10-2004

Wildvogelimporte

222 Tier- und Naturschutz- verbände aus aller Welt haben die EU heute in einer gemeinsamen Deklaration aufgefordert, die Einfuhr wildgefangener Vögel zu beenden. Die Verbände beklagen die Rolle der EU als "mit Abstand der größte Abnehmer" von sogenannten Ziervögeln. Demnach würden pro Jahr mehr als 1 Million Tiere importiert. Es sei höchste Zeit, dass die EU dem Beispiel anderer Industriestaaten folgt, stellt Daniela Freyer von Pro Wildlife fest. Während zum Beispiel die USA, Kanada und Australien solche Importe längst verbieten würden, lasse die EU Vogelbestände in Entwicklungsländern rücksichtslos plündern. Der Handel sei ausserdem nicht nur verantwortlich für die Gefährdung vieler Arten und das sinnlose Leiden unzähliger Individuen, sondern berge auch erhebliche Gesundheitsgefahren. So könne zum Beispiel die in Asien grassierende und auch für Menschen tödliche Vogelgrippe durch Wildvögelimporte eingeschleppt werden.

Wegen der größten Vogelgrippe-Epidemie aller Zeiten gelte in der EU derzeit noch ein Importverbot für Vögel aus einigen asiatischen Ländern, berichtet Pro Wildlife. Dieses ende allerdings offiziell am 15. Dezember. Dass der internationale Tierhandel eine ernstzunehmende Rolle bei der Verbreitung ansteckender Krankheiten spiele, verdeutliche die illegale Einfuhr von zwei Adlern aus Thailand nach Brüssel vor einigen Wochen: Die Tiere seien mit einer Variante des Vogelgrippevirus infiziert gewesen, die auch für 70 Prozent der infizierten Menschen tödlich sei. In diesem Jahr habe sie 32 Menschen in Asien das Leben gekostet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe sogar bereits gewarnt, dass die asiatische Vogelgrippe eine weltweite Epidemie auslösen könnte.

"Wir dürfen das Gesundheitsrisiko, das von Vogelkrankheiten wie der Vogelgrippe ausgeht und die damit verbundenen Kosten nicht länger ignorieren ", so Jamie Gilardi vom World Parrot Trust, Mitinitiator der Kampagne für ein Wildvogel-Importverbot. In dem Brief an die EU wird darauf hingewiesen, dass auch in der deutschen, holländischen und belgischen Geflügelindustrie 2002 ein Vogelgrippe-Erreger grassierte. In Folge dessen seien damals 30 Millionen Tiere getötet worden.

Laut Pro Wildlife kommen die meisten nach Europa importierten Vögel aus Asien, gefolgt von Afrika . Der Öffentlichkeit sei allerdings wenig bekannt, dass ein Großteil der hierzulande in Zoogeschäften angebotenen Tiere nach wie vor aus freier Wildbahn stammten. Denn während die "Europäische Vogelschutzrichtlinie" den Fang heimischer Vogelarten verbieten würde, sei der Plünderung der exotischen Vogelfauna in Entwicklungsländern für europäische Käfige kaum eine Grenze gesetzt.

So habe die EU alleine zwischen 1996 und 2002 die Einfuhr von mehr als 6 Millionen Vögel genehmigt, die durch das Washingtoner CITES- Abkommen geschützt sind. Das seien 86 Prozent des weltweiten Handels. Hinzu kämen noch Hunderttausende ungeschützter Singvögel, die keinerlei Schutzbestimmungen unterlägen. Allerdings komme nur ein Bruchteil der gefangenen Vögel lebend in Europa an: Der Großteil sterbe bereits beim Fang mit Netzen und Leimruten, bei Zwischenhändlern und Exporteuren im Ursprungsland, bei tagelangen Transporten in überfüllten Kisten oder in Quarantänestationen.

Am 10-12-2004

Artenschutz

In Deutschland ist es zukünftig verboten, Greifvogel-Hybride zu züchten. Dabei handelt es sich um Kreuzungen unterschiedlicher Greifvogelarten, zum Beispiel des Wander- und des Gerfalkens. Der Bundesrat hat am Freitag der Änderung der Bundesartenschutzverordnung zugestimmt, die Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorgelegt hatte. Hybride werden vorwiegend für Abnehmer in arabischen Staaten gezüchtet und dorthin exportiert. Gelangen sie bei Freiflugübungen in die Natur, können sie Bestand und Wiederansiedlung der heimischen Greifvogelarten, insbesondere der Wanderfalken, ernsthaft gefährden. Sie können erwiesenermaßen Vögel heimischer Arten aus ihren Revieren verdrängen und deren Brut damit vernichten.

Naturschutz- wie auch die Falkner- und die Jagdverbände hatten ein Verbot der Greifvogelhybrid-Zuchten seit langem gefordert. Das Verbot der Greifvogelhybrid-Zucht und -haltung in Deutschland ist mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren für bestehende Zuchtbetriebe verbunden. Schon während dieser Übergangsfrist ist der Freiflug von Greifvogelhybriden nur noch mit telemetrischer Überwachung zulässig.

Aus Tierschutzgründen ist es künftig auch möglich, bei der Kennzeichnung von Schildkröten auf den implantierbaren Mikrochip zu verzichten. Statt dessen kommt als Erkennungsnachweis auch eine Fotografie des Tieres in Betracht. Mit dieser neuen Regelung löst Bundesumweltminister Trittin eine entsprechende Zusage an die Verbände ein.

Weitere gefährdete Vogelarten, vor allem Papageien, wurden erstmalig einer Kennzeichnungspflicht unterworfen, andere - leicht züchtbare Vogelarten - wurden von dieser Pflicht freigestellt. Die Angaben zu den Größen der für die Kennzeichnung zu verwendenden Fußringe wurden wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.

Am 20-12-2004

Artenschutz

Die italienischen Regierung plant die Jagd auf Vögel zu lockern. Das meldet die Umweltstiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur). Künftig soll die Jagdsaison verlängert, die Zahl der jagdbaren Vogelarten von 36 auf 41 erhöht und die Haltung von lebenden Lockvögeln vereinfacht werden. "Bei illegalen Abschüssen sollen nur noch Bußgelder und keine Haftstrafen mehr verhängt werden können und zum Training von Jagdhunden könnte dann selbst in Naturschutzgebieten ganzjährig gejagt werden", berichtet Vogelexperte-Martin Schneider-Jacoby von Euronatur.

"Viele der Vogelarten, die in Italien gejagt werden, gehen EU-weit in ihren Beständen zurück oder sind bei uns in Deutschland vom Aussterben bedroht", sagt Schneider-Jacoby. Mit dem neuem Gesetzesentwurf sollen auch vom Aussterben bedrohte Vögel wie Kampfläufer, Bekassine oder Auerhuhn neu auf der Abschuss-Liste stehen.

Besonders bedenklich sei nach Einschätzung von Euronatur die vorgeschlagene Verlängerung der Jagdsaison: Die Saison würde dann vom 18. August bis zum 20. Februar andauern. Derzeit dauert sie vom 19. September bis zum 31. Januar.

Das geplante Gesetz beträfe auch die Einheimischen: Allein in der Jagdsaison 2003/2004 seien in Italien 52 Menschen durch Jagdunfälle getötet und 88 schwer verletzt worden. Auch der Tourismus müsse mit Einbußen rechnen: "Wer schon einmal zu Beginn einer Jagdsaison in viel bejagten Gegenden wandern war, weiß, dass man es bei der Schiesserei mit der Angst zu tun kriegen kann," sagte Schneider-Jacoby.

In den 70er Jahren geriet Italien durch die verbreitete Jagd auf Vögel schon einmal in die europäische Kritik. 700.000 italienische Vogeljäger hätten Vögel mit illegalen Fanggeräten und Fangmethoden wie Leimruten, Haken und Tonbandgeräten gejagt, so Euronatur. Geblendete oder verstümmelte Vögel wurden als Lockvögel missbraucht. Heute habe sich das Problem nach Osteuropa verlagert. Dort müssten italienischen Vogeljäger zwar auch gegen Gesetze verstoßen, um an die Vögel zu kommen. Aber sie müssten mit weniger Kontrollen rechnen als im Heimatland.

Viele gefährdete Arten wie Weißstorch, Löffler, Flamingo oder die Moorente konnten damals gerettet werden, meint die Umweltstiftung. Heute treffen Umweltschützer wieder vermehrt auf diese Arten in Italien.

Am 20-01-2005

Vogeljagd

Mit dem Frühlingsanfang kehren die Zugvögel zurück: Sie sind auf ein intaktes und eng geknüpftes Netz von Rastplätzen angewiesen. Doch diese verschwinden immer mehr aus Europa, kritisierte Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung Euronatur. Das geschehe durch Landschaftszerstörung aller Art. Aber nicht nur dadurch seien Zugvogel bedroht: Nach wie vor sei würden die Vögel auf ihrer Reise gejagt. Allein im Libanon würden jährlich 20 bis 25 Millionen Patronen verkauft. Das sei "eine unvorstellbare Zahl für ein Land, das kleiner ist als Schleswig-Holstein und nur wenig mehr Einwohner als Berlin hat", sagte Hutter.

In den meisten Ländern sei die Vogeljagd mit vielen anderen Wirtschaftszweigen verknüpft. Ausländische Schützen würden bis zu 50 Euro am Tag zahlen, um in der Grenzregion zwischen Albanien und Montenegro legal Jagd auf so selten gewordene Arten wie Knäkente und Feldlerche zu machen.

Eine Verbesserung der nationalen Jagdgesetze sei dringend erforderlich, fordern die Vogelschützer. Zu den schärferen Gesetzen in den betroffenen Regionen sollten Schutz- und Entwicklungskonzepte erarbeitet werden, um alternative Einkommensquellen für die Bevölkerung zu schaffen - etwa durch Aktivitäten im Ökotourismus. Es solle aufgezeigt werden, dass der "Wert" eines lebenden Vogels größer sei als der eines toten.

Ökotourismus könne dazu beitragen, Zugvögel und deren Lebensräume langfristig zu schützen und biete gleichzeitig ein wirtschaftliches Standbein für die Bevölkerung vor Ort. So würden Mensch und Natur in ganz Europa von den lebenden Vögeln profitieren, heißt es bei Euronatur.

Am 28-02-2005

Sündenbock Krähe

In Ostfriesland gibt es seit Anfang 2004 eine groß angelegte Tötungsaktion von Rabenvögeln. Das Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover will damit nach eigener Aussage seltene, am Boden brütende Vogelarten vor dem Aussterben bewahren. Die Rabenvögel seien wegen ihrer Vorliebe für Eier und Jungvögel mit dafür verantwortlich, dass die Bestände an seltenen Wiesenbrütern immer mehr zurückgehen, meint das Institut. Da das Institut wissenschaftliche Gründe für die Aktion angibt, hat es von der zuständigen Jagdbehörde eine Sondererlaubnis bekommen, um Fallen zu verwenden, die eigentlich EU-weit verboten sind. Das Deutsche Tierhilfswerk(DTHW) nannte die Aktion unseriös. Der Verlust an Singvögeleiern und -jungen sei nur zu einem sehr kleinen Teil den Rabenvögeln zuzuschreiben und "falle nicht ins Gewicht". Einig sind sich Tierhilfswerk und Institut, dass zum allergrößten Teil der Mensch für die Zerstörung der Lebensräume verantwortlich ist. Bisher wurden über 5500 Rabenkrähen und Elstern gefangen und erschlagen.

"Dieses Projekt entbehrt jeder wissenschaftlichen Notwendigkeit und ist ethnisch verwerflich", empört sich Ursula Bauer, Diplom Biologin vom DTHW. "Hier werden Tiere in zwei Lager eingeteilt. Die guten dürfen leben und die vermeintlich bösen werden erbarmungslos vernichtet". Dabei träfe es nicht nur die Krähen und Elstern. In den in Ostfriesland "haufenweise eingesetzten" Fangkäfigen kämen nämlich auch diverse andere, zum Teil seltene, Greifvögel und Eulen zu Tode. Andreas Grauer vom Institut für Wildtierforschung meinte: "Diese Information ist nicht richtig, aber sie ist auch nicht falsch." Es sei bisher nur ein Bussard in einer Falle tot gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft würde ermitteln.

"Einzelne Vogelgruppen als Sündenböcke zu verfolgen bringt gar nichts", so die Biologin vom Deutschen Tierhilfswerk, "es müssen die tatsächlichen Ursachen für den Rückgang der Wiesenvogelarten behoben werden." Vor allem die Zerstörung geeigneter Lebensräume und die intensive landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung setzten den seltenen bodenbrütenden Wiesenvögeln zu.

Andreas Grauer stimmte zu, dass der Mensch durch Landwirtschaft und Flächennutzung, dass weitaus größte Problem für die inzwischen seltenen Tiere darstelle. Er schätzte, dass zwischen 40 und 80 Prozent des Artenrückgangs auf diesen Faktor zurückzuführen ist. Seiner Ansicht nach dürfe man sich aber nicht auf eine Ursache beschränken. Die Fressfeinde der seltenen Vögel spielten auch eine Rolle. Ausserdem müsste jeder Landwirt entschädigt werden, wenn er sein Verhalten den Singvögeln anpasse und dadurch Verluste erlitte. Grauer vermutete, "dass diese Mittel in den nächsten Jahren eher gleichbleiben oder weniger werden." Man müsse das Problem in einem "Gesamtkonzept angehen".

Ursula Bauer vom DTHW meinte, dass ungefähr zehn Prozent der Verluste durch Fressfeinde zu verzeichnen seien. Und unter denen seien bodenlebende Säuger wie der Fuchs wesentlich stärker vertreten, als die Rabenvögel. Ausserdem sei ein derartiges Forschungsprojekt in Deutschland erstmalig. Die Forschung würde normalerweise, wenn sie denn überhaupt Tiere fange, diese später wieder freilassen und nicht töten. Grauer vom Wildtierforschungsinstitut sagte, es habe in der Vergangenheit ein sehr ähnliches Projekt gegeben. Dieses sei jedoch wesentlich kleiner gewesen. Während bei der aktuellen Aktion innerhalb eines Jahres knapp 5600 Vögel getötet würden, seien es damals 424 Tiere innerhalb von fünf Jahren gewesen.

Das Deutsche Tierhilfswerk fordert den sofortigen Stopp des ostfriesischen Rabenvogel-Projekts und den Abbau der Fallen, um "den sinnlosen Tod weiterer Tiere zu verhindern."

Am 24-03-2005

Vogelzug & Klimawandel

Mit einem Seminar an Deutschlands bekanntestem Leuchtturm möchte die Husumer "Schutzstation Wattenmeer" auf den Rückgang arktischer Zugvögeln aufmerksam machen. Heute kommen nach Angaben von Rainer Schulz von der Schutzstation noch jährlich 10-12 Millionen Vögel ins Wattenmeer, um auf dem Weg zwischen warmen Überwinterungsgebieten und arktischen Brutrevieren neue Reserven anzulegen. Doch manche dieser hoch spezialisierte Arten, wie Ringelgans oder Knutt, hätten in den letzten Jahren bereits ein Viertel ihrer Bestände eingebüßt. Verschiedene Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, "dass dies nur die ersten Folgen des globalen Klimawandels sind", so Schulz.

"So paradox es klingen mag, können wärmere und längere arktische Sommer zum Rückgang typischer Vogelarten führen." So hätten Ringelgänse praktisch nur in Jahren mit Massenvermehrungen der Lemminge Nachwuchs, da dann Polarfüchse oder Schneeeulen nicht auf Eier und Jungvögel angewiesen seien. "Doch dort, wo der Schnee die Lemminge nicht mehr bis in den Juni hinein vor Feinden schützt, fehlen jetzt augenscheinlich die typischen Massenvermehrungen der kleinen Nager", so Schulz. "Und hierdurch fehlen den Gänsen die guten Brutjahre."

Klimamodelle zeigten, dass darüber hinaus vielen arktischen Vogelarten in den nächsten Jahrzehnten "der Lebensraum zuwächst", denn mit der Erwärmung der Arktis dränge von Süden her der Wald in viele heute noch baumlose Tundragebiete.

Andere Arten scheinen auf ihren Zugwegen in Bedrängnis zu kommen. So fände der Knutt heute im Wattenmeer weniger Muscheln als früher. "Wenn man jedoch darauf angewiesen ist, in 20 Tagen das Körpergewicht fast zu verdoppeln, um genügend Fettreserven für den Non-Stop-Flug in die Arktis zu haben, zählt jedes Gramm an Nahrung", erläuterte Zugvogel-Experte Schulz.

Der Mai ist nach Angaben der Schutzstation die beste Zeit zur Beobachtung der Zugvögel im Wattenmeer. "Vegetarier wie die arktischen Ringelgänse äsen in den Salzwiesen. Watvögel wie der Knutt pendeln im Rhythmus der Gezeiten zwischen den nahrungsreichen Wattflächen und hochgelegenen Rastplätzen. Zugleich sind mit Seeschwalben, Säbelschnäblern oder Regenpfeifern auch zahlreiche heimische Brutvögel zu beobachten."

In dem Seminar vom 19. bis 22. Mai könne "die faszinierende Welt des Vogelzugs erkundet werden. "Von der Fahrradtour über Wattwanderungen bis zu einer virtuellen Reise in die Arktis." Darüber hinaus sollen aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt werden, "die erkennen lassen, wie Zugvögel schon heute sehr sensibel auf die Folgen des Klimawandels reagieren".

Am 09-05-2005

Zugvögel

Nach Beobachtungen des Naturschutzbundes NABU sind in diesem Frühjahr deutlich weniger Störche in ihre nord- und ostdeutschen Brutgebiete zurückgekehrt als im Vorjahreszeitraum. Zwischen zehn und 40 Prozent der Störche fehlen, wie NABU-Weißstorchbetreuer jetzt in einer Blitzumfrage feststellten. Auch aus den Ländern Mittel- und Osteuropas kommen ähnliche Angaben.

"In den Dörfern Nord- und Ostdeutschlands sind zahlreiche Storchennester verwaist", sagte Storchenexperte Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut im NABU. Die Ursache für das Fehlen vieler Störche sei noch unklar. Allgemein werde das schlechte und kalte Frühjahrswetter in Südosteuropa als Ursache für das Ausbleiben der Störche vermutet. Aber auch eine langanhaltende Trockenperiode in Teilen Ost- und Südafrikas könnte zur Schwächung vieler Tiere geführt haben. "Fest steht, dass die gesamte Ostpopulation des Weißstorchs betroffen ist", betonte Thomsen. Denn auch aus Polen, Lettland, der Slowakei und anderen Ländern des östlichen Mitteleuropas kämen die gleichen Botschaften. Bei den Störchen der Westpopulation, die in Westafrika überwintert hätten und in Westeuropa bis Südwestdeutschland brüten, sei hingegen kein Ausbleiben zu verzeichnen.

Das Phänomen ausbleibender Störche ist in größeren Zeitabständen häufiger zu beobachten. "Ausgelöst werden die sogenannten 'Störungsjahre' durch ungünstige Faktoren, wie zum Beispiel Dürre im afrikanischen Winterquartier oder Regen auf den Zugwegen", erläuterte der NABU-Storchenexperte. Bei Dürre bekämen die Großvögel nicht genug Nahrung, so dass ihnen die Kondition für den anstrengenden Rückflug fehle. Auch Sturm oder Regen erschwere den Tieren die Reise.

Das letzte Mal wurde eine späte Rückkehr von Weißstörchen vor acht Jahren beobachtet. Verantwortlich für die Verspätung der Tiere war damals das extrem schlechte Wetter in der Türkei, das den Weiterzug der Störche behinderte. Auch in diesem Jahr ziehen noch kleine Storchentrupps durch die Türkei und finden vereinzelt den Weg in nord- und ostdeutsche Brutgebiete. "Für eine erfolgreiche Brut ist es bei den Nachzüglern allerdings zu spät", so Thomsen. 2004 wurden deutschlandweit 4710 Weißstorchpaare gezählt.

Am 03-06-2005

Zu klein

Tierschützer warnen vor dem Kauf von Vogelkäfigen, die der Lebensmittel-Discounter Penny aktuell im Angebot hat. Die Käfige seien zu klein, und zwar sowohl aus Sicht des Tierschutzes, als auch rechtlich. Zudem werde durch das in Anzeigen zu sehende Werbefoto, auf dem ein Wellensittich auf dem Käfig abgebildet ist, "die quälerische Einzelhaft hoffähig gemacht", so der Deutsche Tierschutzbund . Auch das Zubehörpaket stößt auf Protest der Tierschützer. Der Tierschutzbund forderte die Geschäftsleitung der Penny-Märkte auf, den Käfig aus dem Sortiment zu nehmen.

Der Vogelkäfig, der von Penny aktuell angepriesen wird, ist nach Ansicht der Tierschützer mit den Maßen 60 x 32,5 x 57,5 cm viel zu klein, um für Ziervögel eine artgerechte Unterbringung zu garantieren. Der Tierschutzbund empfiehlt: "Je größer, desto besser." Ein Käfig für zwei Tiere solle mindestens 80 cm, besser 100 cm lang sein bei einer Mindestbreite von 50 cm und einer Höhe von mindestens 80 cm.

Zudem gebe es für einzelne Vogelarten rechtlich relevante Gutachten für Mindestmaße, die von Penny nicht eingehalten würden. Der Käfig wird als "großer Vogelkäfig" angeboten, ohne darauf einzugehen, für welche Arten dieser geeignet ist. Selbst für kleine Sittich-Arten bis 25 cm Körperlänge gelten nach Angaben des Tierschutzbundes als Mindestmaß 100 x 50 x 50 cm. "Die Penny-Märkte verführen mit diesem Werbeangebot somit zum Verstoß gegen grundsätzliche Tierschutzvorschriften", kritisierten die Tierschützer.

"Wir raten grundsätzlich dazu, Tierzubehör nur da zu kaufen, wo auch eine fachgerechte Beratung sichergestellt ist", sagte Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz. Allein der Preis dürfe kein Grund für eine Kaufentscheidung sein. "Geiz ist geil darf nicht zu Tierqual führen", forderte Rusche.

Die meisten Vogelarten sollten nicht in Einzelhaft gehalten werden, mahnte der Tierschutzbund zudem. Auf dem Penny-Werbefoto aber ist ein einzelner Wellensittich abgebildet. Im Kaufpaket enthalten ist laut Werbeaussage zudem "Spielzeug". Auf dem Foto zu sehen ist unter anderem ein Spiegel, den die Tierschützer kritisch sehen. Solche Spiegel könnten - besonders bei einzeln gehaltenen Hähnen - zu Verhaltensstörungen führen.

Am 19-07-2005

Ziervögel

Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober macht die Artenschutzorganisation Pro Wildlife auf "das tödliche Geschäft mit Wildvögeln" aufmerksam: Etwa 3,5 Millionen Vögel würden jährlich der Natur entrissen, um die Nachfrage nach Papageien, Beos, Prachtfinken und anderen "Ziervögeln" allein in der EU zu decken. Die Hälfte dieser Tiere sterbe bereits bei Fang, Lagerung und Transport in den Herkunftsländern, die restlichen 1,75 Mio. Tiere würden "in Kisten gepfercht" und "völlig legal" in die EU gebracht. Eine Studie der Artenschutzorganisation von PRO WILDLIFE zeige, wie dieser Handel immer neue Arten an den Rand der Ausrottung treibe. Mit 87 Prozent der Importe sei die EU mit Abstand weltgrößter Abnehmer von Ziervögeln aus freier Wildbahn. Weit über 200 Tier- und Naturschutzverbände forderten von der EU, "den grausamen Vogelimport endlich zu verbieten". Auch zur Bekämpfung der Vogelgrippe sei ein solcher Schritt "längst überfällig", heißt es bei Pro Wildlife.

Nach der Studie mit dem Titel "Ein tödliches Geschäft" sind weit über 2000 Arten von dem Handel betroffen - vom Königsglanzstar bis hin zur Blaustirnamazone. Während die Öffentlichkeit glaube, heutzutage würden in Zooläden nur noch Zuchttiere verkauft, sehe die Realität ganz anders aus: "Neun von zehn importierten Vögeln stammen noch heute aus freier Wildbahn. Und jedes Tier hat eine schreckliche Tortur hinter sich", kritisiert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Die Fangmethoden seien brutal: Wildvögel würden mit Netzen, Leimruten oder Fallen gefangen, viele von ihnen bereits beim Fang getötet oder schwer verletzt. Die überlebenden Tiere seien einer wochenlangen Odyssee ausgesetzt: vom Tierfänger in abgelegenen Gebieten über Zwischenhändler bis zu den Exporteuren in den Großstädten Afrikas, Lateinamerikas oder Südostasiens. Bei jeder Station gebe es erhebliche Verluste, unter anderem aufgrund von überfüllten und unhygienischen Käfigen. "Für einen hierzulande angebotenen Graupapagei haben bis zu vier andere Tiere bereits im Ursprungsland ihr Leben gelassen", so Freyer.

Während die EU den Fang einheimischer Vögel für den Tierhandel streng verbiete, seien der Einfuhr von "Exoten" kaum Grenzen gesetzt. "Die EU importierte in den letzten 20 Jahren 1,5 Millionen Mozambique-Girlitze, über eine halbe Million China-Nachtigallen, 480.000 Afrikanische Graupapageien und 250.000 Mönchssittiche aus Südamerika - um nur einige Beispiele zu nennen", so Freyer. Die hemmungslose Plünderung habe katastrophale Auswirkungen. Bestände vieler Arten würden dezimiert oder gar ausgerottet.

USA: Weitgehendes Vogelimportverbot

Schutzmaßnahmen für vom Aussterben bedrohte Arten kämen - wenn überhaupt - erst dann, wenn es bereits zu spät sei. Die USA hingegen hätten bereits vor 12 Jahren den Vogelimport weitgehend verboten und damit das Leben von Millionen Tieren gerettet. Viele andere Staaten würden den Handel mit Vögeln aus freier Wildbahn verbieten.

Weit über 200 Tier- und Naturschutzverbände forderten die EU als größten Abnehmer auf, die systematische Plünderung von Wildvogelbeständen zu beenden. Pro Wildlife als Mit-Initiator der internationalen Kampagne erwartet von einer neuen Bundesregierung, dass sie sich in der EU aktiv für ein Wildvogel-Importverbot einsetzt.

Am 30-09-2005

Zugvögel im Blick

Deutschland befürwortet im "Kampf" gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe eine internationale Strategie über den europäischen Rahmen hinaus. Die Bundesregierung unterstütze hierzu die gemeinsamen Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Welternährungsorganisation (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), sagte Verbraucherschutz-Staatssekretär Alexander Müller am Freitag in Berlin.

Die beteiligten Organisationen wollen auf einem Treffen am Montag und Dienstag im kanadischen Ottawa weitere Maßnahmen und die Koordinierung im Kampf gegen die Ausbreitung des gefährlichen Vogelgrippe-Erregers erörtern.

Inzwischen könne als gesichert gelten, dass die Zugvögel als Verbreiter für das Virus eine wichtige Rolle spielen. Dies ergebe sich nicht zuletzt aus dem Bericht des Expertenteams des OIE, das in den letzten Wochen Russland bereist hat, betonte der Staatssekretär. Müller begrüßte daher die Initiative der FAO in den verschiedenen Regionen, in denen die Zugvögel überwintern, durch Monitoring zu klären, wie weit das Virus H5N1 bereits verbreitet ist.

Das Bundesverbraucherministerium habe in diesem Zusammenhang Anfragen aus Rumänien um technische Hilfe bei der Bekämpfung der Seuche. Dabei würden sowohl Schutzanzüge wie auch Expertise bei der Diagnostik erbeten. Deutschland sei bereit, der FAO im Rahmen der Hilfsmaßnahmen für Rumänien finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen.

Am 21-10-2005

EU-Importverbot

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält die Einschleppung des gefährlichen Vogelgrippe-Erregers H5N1 durch Zugvögel nach Deutschland für unwahrscheinlich. Die aus Asien kommenden und hierzulande rastenden Zugvögel seien "bereits auf dem Weg in den Süden", sagte Bundesamtssprecher Franz August Emde am Montag in Bonn. Das Risiko sei "eher gering", dass Zugvögel zu Beginn dieses Winters die hoch ansteckende Form des Virus noch nach Deutschland brächten. Bedeutend größer sei dagegen das Risiko, dass das Virus durch illegale Importe von Wildvögeln verbreitet werde.

"Wenn es eine Infektion geben könnte, dann in Afrika ", so Emde. Dort kreuzten sich in den kommenden Wochen die Wege der aus Asien überwinternden Wildvögel. Auch im Frühling, wenn die Zugvögel wieder in Richtung Norden zögen, sei es "fraglich, ob ein mit dem aggr Afrika n Virus infizierter Vogel den Weg von Afrika nach Deutschland überhaupt schafft".

Risiko Wildvogel-Import

Bedeutend größer sei dagegen das Risiko, dass das Virus durch illegale Importe von Wildvögeln verbreitet werde. Der Fall des in Großbritannien verendeten, aus Südamerika eingeführten Papageis zeige dies eindringlich, sagte Emde. "Exotische Tiere und andere Wildvögel müssen in Quarantäne und dürfen auf keinen Fall eingeführt werden", warnte er.

Das Bundesamt erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einem sofortigen, EU-weiten Importverbot für solche Tiere. Ein Importverbot für Lebendgeflügel, Fleisch, Eier, Federn und präparierte Zuchtgeflügeltiere aus Ländern, in denen das H5N1-Virus nachgewiesen wurde, besteht bereits.

EU-Kommission erwägt Importverbot für Wildvögel

Wegen der Vogelgrippe haben die EU-Kommission und die Agrarminister aus den 25 Mitgliedstaaten am Montag mit Beratungen über ein Importverbot für wild lebende Vögel begonnen. Wegen des in Großbritannien verendeten, aus dem südamerikanischen Surinam importierten Papagei, bei dem offenbar das auch für den Menschen gefährliche H5N1-Virus festgestellt wurde, wolle die Kommission möglicherweise einen Einfuhrstopp für Wildvögel erlassen, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.

Am 24-10-2005

Vogelschutz

Nach Beobachtungen des Naturschutzbundes NABU gab es in diesem Jahr deutlich weniger Störche in Nord- und Ostdeutschland als im Vorjahr. Nach einer ersten Bilanz wurden zwischen 15 und 30 Prozent weniger Weißstörche gezählt. Die NABU-Experten sprechen "vom schlechtesten Storchenjahr seit mehr als zehn Jahren". Als Ursache für dieses Phänomen nennen die NABU-Storchenexperten die schlechten Bedingungen in den Winterquartieren der Großvögel, wie eine anhaltende Trockenperiode mit wenig Regen in Teilen Ostafrikas und somit knapper Nahrung für Adebar.

Außerdem verzögerte eine Schlechtwetterperiode Anfang April in der Türkei und Südosteuropa den Heimzug der Störche. Im westlichen Deutschland war die Situation für den Weißstorch dagegen sehr viel besser. In Bayern und Rheinland-Pfalz brüteten fast genau so viele Störche wie im Vorjahr - ihr Bruterfolg war vergleichsweise gut. Die westlich brütenden Störche überwintern aber in Westafrika und Spanien. Und da war die Situation erheblich günstiger als in Ostafrika.

"Das Jahr 2005 war ein extremes 'Störungsjahr' für den Weißstorch im ganzen östlichen Europa", sagte Christoph Kaatz, Sprecher der NABU-Bundesarbeitsgruppe (BAG) Weißstorchschutz. In solchen Jahren nimmt die Zahl der brütenden Störche stark ab und viele Vögel kommen verspätet aus Afrika zurück. Dadurch verzögert sich die Brut und es werden weniger Junge aufgezogen. "Aus Sachsen-Anhalt haben in diesem Sommer nur halb so viele Jungstörche den Weg nach Afrika angetreten als sonst üblich", so Kaatz. So bezogen zum Beispiel in Sachsen-Anhalt nur 485 Paare ihre Nester. Im Vorjahr waren es noch 572 Paare. In Schleswig-Holstein wurden sogar nur 170 Paare gezählt. Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Weißstorchzählungen im nördlichsten Bundesland im Jahr 1907.

Für die Zukunft der nord- und ostdeutschen Störche, die sich inzwischen in ihren afrikanischen Winterquartieren befinden, sind die NABU-Experten zuversichtlich. "Solche Jahre kommen immer wieder mal vor und sollten unter günstigen Bedingungen in einigen Jahren wieder ausgeglichen werden", so BAG-Sprecher Kaatz.

Am 28-10-2005

Tausende verölte Vögel

Mehrere tausend Vögel, darunter Möwen, Schwäne und Eisenten, verenden nach Angaben des WWF in Folge eines Ölaustritts im Finnischen Meerbusen. Schätzungsweise 20 Tonnen Öl seien vor der Küste Estlands ausgetreten. Die Naturschützer kritisierten, die Ostsee-Staaten verfügten noch immer nicht über die nötige Notfall-Ausrüstung und Aktionspläne zur Bekämpfung von Ölverseuchungen. Angesichts des enormen Schiffsverkehrs sei auch eine Notfall-Einheit zur Rettung ölverseuchter Vögel nötig.

Der Verursacher ist nach Angaben des WWF noch unbekannt, die estnische Regierung habe eine Untersuchung eingeleitet. Der Finnische Meerbusen werde pro Monat von 10.000 Schiffen befahren. Zum Zeitpunkt des Ölaustritts hätten ihn etwa 100 Schiffe passiert. Das Öl sei am Dienstag entdeckt worden. Die Behörden hätten das Ausmaß der Katastrophe zunächst unterschätzt. "Wir müssen von mindestens 5.000 qualvoll verendeten Vögeln ausgehen, vielleicht auch noch mehr", sagte WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp.

Immer mehr Ölklumpen und verendete Vögel würden angespült, sagte Leena Rappu vom WWF-Partner Estnischer Naturschutzfonds, der die Reinigungsarbeiten unterstützt. "Oft verenden die Tiere in den Händen der Helfer - sie halten den Stress nicht aus und haben Öl geschluckt." Füchse und andere Wildtiere würden die Vögel fressen, das Öl so in die Nahrungskette gelangen. Das ganze Ausmaß der Katastrophe lasse sich derzeit noch nicht einschätzen. Betroffen sei auch das Biosphärenreservat der Insel Saarema, ein wichtiger Anlaufpunkt für Zugvögel.

"Die Ostsee-Staaten verfügen noch immer nicht über die nötige Notfall-Ausrüstung und Aktionspläne zur Bekämpfung von Ölverseuchungen", kritisierte WWF-Experte Lamp. Die Naturschützer mahnen eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an. Immer wieder gebe es verantwortungslose Kapitäne, die illegal ihr Altöl ins Meer einleiten oder ein Leck nicht melden. "Für die schwarzen Schafe darf es kein Pardon geben", forderte Lamp.

Auch an der Südwestküste Finnlands wurden nach Angaben des WWF ölverschmutzte Tiere gesichtet. Der WWF forderte die Regierung in Helsinki auf, eine Notfall-Einheit zur Rettung ölverseuchter Vögel einzurichten. "Angesichts des enormen Schiffsverkehrs im Finnischen Meerbusen könnte eine solche Katastrophe jederzeit auch an unserer Küste passieren", warnte Jari Luukkonen, Naturschutzdirektor des WWF Finnland. Die Regierung müsse sich darauf besser vorbereiten.

Am 03-02-2006

Artenschutz

Mit Blick auf die Ostertage hat der Naturschutzbund NABU auf "die alarmierende Situation bei Deutschlands Wiesenvögeln" aufmerksam gemacht. Den Feld- und Wiesenvögeln gehe es so schlecht wie nie zuvor, einige seien mittlerweile in Deutschland sogar vom Aussterben bedroht. Aktuelle Auswertungen des NABU zeigten, dass typische "Ostervögel" wie Kiebitz, Uferschnepfe und Feldlerche bundesweit erschreckende Bestandsrückgänge aufwiesen.

So brüteten in Deutschland heute nur noch halb so viele Uferschnepfen wie vor 15 Jahren. Brütende Kampfläufer, ehemals häufige Vögel der Feuchtwiesen und Moore, seien möglicherweise in den nächsten Jahren bei uns überhaupt nicht mehr zu finden, und auch der Kiebitz werde immer seltener. "Der Osterspaziergang ohne den tirilierenden Gesang der Lerchen und die atemberaubenden Flugkapriolen balzender Kiebitze könnte bald traurige Realität werden", meint NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Die Vögel der offenen Agrarlandschaft zählten schon seit vielen Jahren zu den bedrohtesten Artengruppen in Deutschland und gerieten immer häufiger auf die Roten Listen. Feldlerche und Rebhuhn - ehemals häufig und überall anzutreffen - seien zum Beispiel bereits aus ganzen Landstrichen verschwunden. Die Bestände befänden sich nach wie vor auf einem historischen Tiefstand.

Die Gründe für diesen Artenschwund seien vor allem in unseren Brutgebieten zu suchen. Der Bruterfolg der Wiesenvögel sei seit Jahren so gering, dass sich die Bestände nur noch hielten, weil die Vögel sehr alt werden könnten. "Durch die intensive Landwirtschaft stehen ihnen kaum noch Nahrungs- und sichere Brutplätze zur Verfügung. Besonders für den Schutz von Wiesenvögeln wird in Deutschland immer noch viel zu wenig getan", kritisierte Tschimpke.

Das zeige auch das Mahnverfahren gegen Deutschland wegen mangelnder Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie. Aus Sicht des NABU müssen zum Schutz der heimischen Wiesenvögel alle noch bedeutsamen Flächen als EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen und mit Hilfe freiwilliger Vereinbarungen zwischen Landwirten und Naturschutzbehörden gesichert werden. "Viele Landwirte sind auch dazu bereit, wenn die Rahmenbedingungen stimmen," so Tschimpke.

Am 13-04-2006

Massentierhaltung

Nachdem in Ungarn und England die gefährlichen Viren vom Typ H5N1 "in hermetisch abgeriegelten Geflügelmastbetrieben" aufgetaucht sind, sieht der Naturschutzverband NABU darin ein starkes Indiz dafür, dass vermutlich nicht Wildvögel, sondern die industrielle Massentierhaltung Schuld an der Verbreitung des Virus habe. Man solle daher nicht länger von "Vogelgrippe" sprechen, sondern zur ursprünglichen Bezeichnung "Geflügelpest" zurückkehren, fordert die Organisation. Denn die Bezeichnung Vogelgrippe habe massiv dazu beigetragen, die öffentliche Aufmerksamkeit wie auch die Suche nach den Virenträgern in erster Linie auf Zugvögel, die die Nutztiere anstecken würden, zu lenken, beklagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Statt "unter Hochdruck die potentiellen Ausbreitungs- und Übertragungswege in den Kreisläufen der industriellen Massentierhaltung und der globalen Geflügelzuchtindustrie aufzudecken", halte eine breite Koalition von Interessenvertretern an der Wildvogel-Hypothese fest.

Ein Jahr nach dem Auftreten der Seuche in Deutschland verdichten sich nach Darstellung des NABU die Hinweise auf Übertragungswege innerhalb von Geflügelzucht und -handel. Zum Konzern der infizierten Geflügelfarm im englischen Suffolk, wo in 22 Ställen jeweils 7000 Truthähne gemästet worden seien, gehöre auch die größte Geflügelzucht in Ungarn, Saga Foods. "Es erscheint extrem unwahrscheinlich, dass ein infizierter Wildvogel in die mit höchsten Sicherheitsstandards abgeschotteten Ställe hineingelangen konnte", so Miller. Abgesehen davon gebe es in England bis heute keinen einzigen Nachweis der Viren in der freien Wildbahn.

Auch die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) sehe in der Übereinstimmung der in Ungarn und England aufgetretenen Virenstämme ein deutliches Signal dafür, dass sich die Seuche durch den Transport von Geflügel oder Geflügelprodukten ausgebreitet habe.

Angesichts der Erkenntnisse der vergangenen 12 Monate fordert der NABU ein Ende der sogenannten Wildvogel-Hypothese. "Wir haben die Entwicklungen von Anfang an sehr genau verfolgt und kritisch hinterfragt. Nun ist es höchste Zeit, dass auch die verantwortlichen Behörden die Wege und Umwege innerhalb der industriellen Massentierhaltung genauer durchleuchten", fordert Miller.

Am 09-02-2007

Vogeltod an Fensterscheiben

Jeden Tag fliegen sich nach Expertenschätzungen rund 250.000 Vögel in Europa an Fenstern und anderen transparenten oder spiegelnden Flächen zu Tode. Das ist eine unglaublich große Zahl von Todesopfern.

Was man bislang dafür tun konnte, um die Vögel zu retten, war oftmals ziemlich hilflos oder unschön anzuschauen - etwa die bekannten aber weitgehend nutzlosen schwarzen oder weißen Greifvogelsilhouetten, aufgeklebte Streifenmuster oder das Verhängen der Fenster mit Netzen. In der Regel beeinträchtigen diese Maßnahmen die Ästhetik eines Bauwerks oder verdecken wesentliche Teile der Fensterfläche, die ja eigentlich durchsichtig sein soll.

Basierend auf einer Idee, die der freie Biologe Dr. Friedrich Buer und der Sozialwissenschaftler Martin Regner im Jahr 2002 in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht haben (vgl. www.spinnennetz-effekt.de), hat nun ein schwäbischer Tüftler in jahrelanger Entwicklungsarbeit im Keller seines Privathauses die Lösung für das Problem gefunden: Farblose und durchsichtige Markierungen, die für Vögel sichtbar, aber für Menschen fast völlig unsichtbar sind.

Als Erstes entstand durch die Erfindungsgabe von Dr. Roland Kolbe aus Baden-Württemberg

der "birdpen". Dabei handelt es sich um einen Filzstift, mit dem jeder bequem und einfach farblose und transparente Markierungen bei sich zu Hause auf die Fenster malen kann. Die Markierungen sind ein halbes Jahr haltbar und müssen nach dem Fensterputzen erneuert werden. Der Wirkungsgrad dieser Markierungen liegt nach einer Untersuchung eines unabhängigen wissenschaftlichen Instituts bei rund 66 %.

Die zweite Erfindung von Dr. Kolbe sind die "birdsticker". Dabei handelt es sich um farblose und hochtransparente Aufkleber, die eine Haltbarkeit von bis zu 10 Jahren aufweisen, wetterfest sind, problemlos auch das Fensterputzen überstehen und einen vergleichbar hohen Wirkungsgrad haben.

Der Trick hinter den beiden Erfindungen ist die wissenschaftlich belegte Fähigkeit vieler Vogelarten, das für Menschen unsichtbare UV-Licht zu sehen. Die Markierungen aus "birdpen" und "birdsticker" absorbieren UV-Licht, während übliche Fensterscheiben UV-Licht reflektieren. So entsteht aus Sicht der Vögel ein Muster aus verschiedenfarbigen Flächen, die sie vor den Glasscheiben als Hindernis im Flugraum warnen. Mit den beiden neuen Produkten, in denen über 10 Jahre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit stecken, kann jeder zum Vogelretter werden.

Am 28-08-2011

Sommer ist für auffälligen Auenvogel vorbei

Warmen Sommertagen und reichhaltigem Nahrungsangebot zum Trotz: Für den Pirol, einem Charaktervogel der Rheinauen zwischen Mainz und Bingen, ist der Sommer vorbei.

„Im August treten diese etwa amselgroßen Vögel langsam ihren Flug Richtung Süden an“, erläutert Michael Markowski, Leiter des Auenservice am NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen. Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern hat der Diplom-Biologe die Vogelwelt der Rheinauen im Blick. Im Winter werden rastende Wasservögel gezählt und im zeitigen Frühjahr die Reviere von Mittel- und Kleinspecht untersucht. Außerdem werden die Horste von Schwarzmilan und Weißstorch betreut.

„Dieses Jahr war ein ungewöhnliches Jahr für die Vögel in Rheinhessen “, so Biologe Markowski. Die hohen Temperaturen im Frühjahr und die schnelle Vegetationsentwicklung haben zu einer zeitigen Brut bei vielen Vogelarten geführt. Trockenheit brachte für einige Arten einen extremen Nahrungsmangel mit sich. Während der sensiblen Aufzuchtphase der Weißstorchjungen gab es Futtermangel bei Familie Adebar. Regenwürmer, die in dieser Zeit als Hauptnahrung dienen, sind vor der Trockenheit in tiefe Bodenschichten geflüchtet.

Für den Pirol, der im französischen Loriot genannt wird, ist der Sommer in Deutschland alljährlich Ende August zu Ende. Mit der Rückkehr aus seinem afrikanischen Winterquartier rechnen die Naturschützer nächstes Jahr um Pfingsten.

Mehr Informationen über die Vogelwelt der Rheinauen zwischen Mainz und Bingen gibt der Auenservice mit einer Broschüre. Diese kann zusammen mit einem Poster gegen Einsendung von 1,45 € in Briefmarken beim NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen, An den Rheinwiesen 5, 55411 Bingen bezogen werden.

Foto: Pirol, H. Pollin, NABU

Am 30-08-2011

Kegelrobben bewachen, Vögel zählen, Gäste führen

Im Januar 1974 erließ die schleswig-holsteinische Landesregierung die Verordnung über das Naturschutzgebiet (NSG) „Nordfriesisches Wattenmeer“. Seit 40 Jahren betreut die Schutzstation Wattenmeer, ein unabhängiger gemeinnütziger Umweltverband, im Auftrag des Landes das Gebiet, das 1985 zum größten Teil im Nationalpark aufging. Das damals größte Naturschutzgebiet Deutschlands reichte bis zur Eider. Mit der Nationalparkgründung kam Dithmarschen dazu, so dass sich die Schutzstation heute von Sylt bis zur Elbe um das Wohlergehen der Pflanzen und Tiere an der Nordsee kümmert.

„Es ist in Europa einzigartig, dass ein so großes Gebiet von einer Nichtregierungsorganisation betreut wird“, sagt Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer und lobt gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit der staatlichen Naturschutzverwaltung über die vielen Jahre.

Jetzt im Winter bewachen die „Schutten“, wie die Freiwilligen im Westküsten-Slang auch genannt werden, oft tagelang junge Kegelrobben auf den Inseln, damit sie ungestört von ihren Müttern gesäugt werden können. Das ganze Jahr über zählen die Bundesfreiwilligen und Teilnehmer am Freiwilligen Ökologischen Jahr alle zwei Wochen die Vögel im Wattenmeer, erfassen das Vorkommen von Watt-Tieren oder kartieren Salzwiesenpflanzen.

„Fast genauso wichtig wie die direkte Schutzarbeit ist unsere Bildungsarbeit für Nachhaltigkeit, mit der wir jedes Jahr etwa 300.000 Besuchern die Faszination des Weltnaturerbes vermitteln“, sagt Geschäftsführer Förster.

Schon Anfang der 1960er Jahre hatten die Pioniere um Schutzstation-Gründer Gert Oetken erkannt, dass sich der Naturschutz auf diesem Wege „Verbündete für seine Belange schafft“, als sie ihr Konzept für eine großräumige Unterschutzstellung des Wattenmeeres vorstellten. Das Naturschutzgebiet war 1974 eine Realisierung dieser Ideen. Ein Nationalpark war zur damaligen Zeit politisch nicht durchsetzbar.

Die Akzeptanz vor Ort wollten die Nationalparkplaner 1985 steigern, als sie einen 150 Meer breiten Steifen ab Deichkante von seiner Fläche aussparten. Dieses hat die kuriose Folge, dass die Schutzstation Wattenmeer heute neben großen Teilen des Nationalparks auch das schmalste und eines der längsten Naturschutzgebiete Deutschlands betreut, denn das „NSG Nordfriesisches Wattenmeer“ hat auf dem 150-Streifen weiter Bestand.

Am 24-01-2014