Experten fordern bessere Sexualaufklärung Jugendlicher gegen Aids

Gegen Enthaltsamkeits-Kampagnen

Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids haben Experten am Montag auf einer internationalen Tagung in Berlin eine wirksamere Sexualaufklärung für Jugendliche vor allem in Entwicklungsländern gefordert. Da fast die Hälfte der Bevölkerung in den weniger entwickelten Ländern gegenwärtig unter 25 Jahren alt sei, werde ihr Sexualverhalten "mehr denn je" die Ausbreitung von Aids entscheidend beeinflussen, betonte die Präsidentin des US-amerikanischen Alan Guttmacher Forschungsinstituts, Sharon Camp. Mit heute weltweit über einer Milliarde Jugendlichen und Heranwachsenden habe es noch nie eine so große Generation junger Menschen gegeben.

Camp verwies auf eine auf dem "4. Internationalen Dialog Bevölkerung und Entwicklung" vorgestellte Studie über das Sexualverhalten von 15- bis 19-Jährigen in 30 Ländern Afrikas und Lateinamerikas. Danach würden viele Jugendliche "nur wenig oder gar nicht aufgeklärt", bevor sie Geschlechtsverkehr hätten. Besonders junge verheiratete Frauen seien einem hohen Risiko ausgesetzt, sich mit HIV zu infizieren: "Sie heiraten häufig deutlich ältere Männer. In der Ehe werden seltener Kondome benutzt, weil die Männer keine mögen. Außerdem sind viele Männer durch den Kontakt mit Prostituierten oder unwissend infizierten Frauen bereits HIV-positiv und infizierten so ihre Ehefrauen."

Camp kritisierte zudem Kampagnen in den USA, "die allein auf Enthaltsamkeit als Mittel gegen sexuell übertragbare Krankheiten und ungewollte Schwangerschaften" setzten. "Offenheit und Ehrlichkeit" ermutige Teenagern nicht zu früherem Sex, sondern ermögliche es ihnen vielmehr, "verantwortungsbewusst vorzugehen, wenn sie sexuell aktiv werden". Das Ergebnis dieser Politik der Anti-Aufklärung, bei der beispielsweise über Verhütungsmittel nicht mehr gesprochen werde, sei kontraproduktiv: "Junge US-Bürger, die das Keuschheitsgelübde ablegen, haben zwar durchschnittlich 18 Monate später das erste Mal Sex als die anderen, aber: Sechs Jahre nach diesem Gelübde sind sie genauso oft von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten betroffen wie die 'Unkeuschen', weil sie zwar weniger Partner haben, aber deutlich seltener Kondome nutzen", warnt Camp.

Organisiert wird die Veranstaltung von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, der KfW Entwicklungsbank, der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, der Familienplanungsverband International Planned Parenthood Federation in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Pharmaunternehmen Schering.