Durch Bioenergie sollen 50.000 Arbeitsplätze entstanden sein

"Bohrloch des 21. Jahrhunderts"

Nach Angaben der Bundesregierung sind mit dem Ausbau der Bioenergie in den vergangenen Jahren auf dem Land rund 50.000 Arbeitsplätze entstanden. Biodiesel stelle bereits einen Anteil von fünf Prozent des gesamten Dieselverbrauchs. Die Nachfrage nach Biodiesel sei so stark, dass die Produktion kaum nachkomme. Der Umsatz einschließlich Investitionen im Bereich Bioenergie belaufe sich in diesem Jahr auf fast vier Milliarden Euro, berichtete Umweltminister Jürgen Trittin bei der Eröffnung des internationalen Fachkongresses für Biokraftstoffe in Berlin. Im vergangenen Jahr hätten Landwirte allein mit Raps zur Biodieselherstellung geschätzte 400 Millionen Euro erlöst. Für die Landwirte würden dadurch Einkommensalternativen geschaffen. "Der Acker wird zum Bohrloch des 21. Jahrhunderts", so Trittin. "Der Landwirt wird zum Energiewirt."

Mit der Kraftstoffstrategie, die die Bundesregierung 2004 im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet habe, sollen laut Trittin der Ausstoß von Treibhausgasen und die deutsche Abhängigkeit vom Erdöl verringert werden. Im vergangenen Jahr seien durch den Einsatz von Biokraftstoffen bereits Emissionen von rund 2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden worden.

Kurzfristig hätten die derzeit verbreiteten Kraftstoffe Biodiesel, Bioethanol, Biogas und Pflanzenöl das größte Mengenpotenzial. Für die Produktion von Bioethanol gebe es bislang drei Anlagen mit einer jährlichen Kapazität von 500.000 Tonnen.

Im Laufe des kommenden Jahrzehnts sollen nach Angaben des Ministers so genannte BtL-Kraftstoffe hinzukommen. Die Akürzung BtL steht für Biomass-to-Liquid, also die Umwandlung von Biomasse in Flüssigkeit. Diese Technologie befände sich noch in der Entwicklungsphase.

Im Wettbewerb mit Brasilien

Im "weltweiten Wettbewerb" besitze Europa gute Bedingungen für nachwachsende Rohstoffe, so Trittin. Dazu zählten fruchtbare Böden, eine produktive Landwirtschaft und eine "hervorragende Wissenslandschaft". Auch andere Länder hätten die Chance nachwachsender Rohstoffe "bereits entdeckt". Am weitesten sei Brasilien, wo Ethanol als Kraftstoff einen Siegeszug angetreten habe. China, Indien und Thailand hätten ebenfalls entsprechende Programme aufgelegt.

Unter dem Motto "Kraftstoffe der Zukunft 2005" veranstalteten die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (ufop) und der Bundesverband BioEnergie (BBE) bereits zum dritten Mal einen internationalen Fachkongress für Biokraftstoffe.

Biokraftstoffe sollen offenbar weiterhin gefördert werden

CDU/CSU und SPD wollen offenbar entgegen ihrer Koalitionsvereinbarung nun doch reine Biokraftstoffe weiter steuerlich fördern. "Dies zeichnet sich nach Gesprächen zwischen den neuen Regierungsfraktionen klar ab", sagte der Energiepolitiker Hermann Scheer der "Berliner Zeitung". Reine Ökokraftstoffe wie Biodiesel, aber auch Bioethanol sollten demnach weiter von der Mineralölsteuer befreit bleiben.

Ursprünglich hatten Union und SPD vereinbart, die bisherige Steuerbefreiung zu streichen und durch einen Beimischzwang zu ersetzen. Dies hatte bei Landwirten und Branchenverbänden scharfen Protest hervorgerufen.

Scheer zufolge sollen Biokraftstoffe in Reinform wie bisher von der Mineralölsteuer in Höhe von 47 Cent je Liter befreit werden. Dies sichere Biodiesel an den Zapfsäulen gegenüber normalem Diesel einen Preisvorteil zwischen zehn und zwanzig Cent je Liter. Mit der Mineralölsteuer sollten dagegen künftig diejenigen Biokraftstoffe belegt werden, die regulären Kraftstoffen beigemengt werden.