Klimawandel soll erhebliche Kosten verursachen

Teuer

Der durch die Menschen verursachte Klimawandel ist nach Auffassung des DIW Berlin gravierend und hat schwerwiegende Auswirkungen für die Volkswirtschaft. Werde in den kommenden Jahren der Ausstoß der Treibhausgase nicht vermindert und steige die Temperatur global um ein Grad Celsius, würden Naturkatastrophen in Deutschland voraussichtlich Schäden in Höhe von bis zu 137 Milliarden Euro im Jahre 2050 anrichten. Weltweit sei mit Zerstörungen in Höhe von 2 Billionen US-Dollar zu rechnen. In Europa seien künftig vermehrt extreme Hitzeereignisse, Fluten und Stürme in der Stärke von Hurrikanen zu erwarten. Bereits in den vergangenen drei Jahrzehnten seien die ökonomischen Schäden aufgrund extremer Wetterereignisse um den Faktor 15 gewachsen.

So habe die Hitzewelle 2003 in Europa Kosten von zehn bis 17 Milliarden Euro verursacht. Flexible klimapolitische Instrumente wie der Emissionsrechtehandel könnten das Ausmaß der Kosten einer Emissionsreduktion reduzieren.

Unterzeichne Russland, wie von der russischen Regierung angekündigt, vor Jahresende das Kyoto-Protokoll, werde dies die Kosten der Emissionsminderung für Europa und gerade auch für Deutschland erheblich mindern. Auch Russland selbst würde profitieren: Der Emissionsrechtehandel könnte dem Land Mehreinnahmen von 20 Milliarden US-Dollar einbringen.

Neue Kohlekraftwerke

Bundesumweltminister Jürgen Trittin sprach am Donnerstag anlässlich der Hochwasserkatastrophe in Bayern von einem Zusammenhang zwischen internationalem Klimaschutz und den auftretenden Wetterkatastrophen. Man könne zwar einzelne Ereignisse nicht zweifelsfrei dem vom Menschen gemachten Klimawandel zuschreiben, jedoch handele es sich "längst nicht mehr um Einzelereignisse". Auch Wissenschaft und Versicherungswirtschaft seien sich einig, dass in Zukunft Häufigkeit, Intensität und Schäden durch Unwetter weiter zunehmen werden. Ohne sofortige und wirksame Emissionsreduktionen würden die Risiken unbeherrschbar. Dann sei "jeder Deich zu niedrig, jedes Rückhaltebecken zu klein". Er kritisierte gleichzeitig Forderungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dieser hatte die Abkehr vom Kyoto-Protokoll gefordert (ngo-online berichtete).

"Klimawandel ist Realität" "Der Klimawandel ist Realität geworden", sagte Trittin mit Bezug auf die aktuellen Hochwasser-Ereignisse. Die Bekämpfung des Klimawandels könne aber kein Land allein bewältigen. Das Kyoto-Protokoll mit seinem multilateralen Ansatz und seinen rechtsverbindlichen Verpflichtungen zur Minderung von Treibhausgasemissionen sei "ein erster Schritt auf dem einzig richtigen Weg".

Freiwillige Verpflichtungen ohne Erfolg

Trittin kritisierte in diesem Zusammenhang die jüngst erhobene Forderung des BDI nach einer Abkehr vom Kyoto-Protokoll. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass mit freiwilligen Verpflichtungen keine echten Erfolge in der Umweltpolitik zu erzielen seien. Eine Abkehr von verbindlichen Zielen sei keine Alternative, sondern lenke nur von der dringenden Notwendigkeit zu handeln ab.

Industriestaaten Hauptverantwortliche

Dabei sollten die Industriestaaten als Hauptemittenten mit anspruchsvollen Reduktionsverpflichtungen vorangehen. Die Verpflichtungen für die zweite Kyoto-Periode von 2012 bis 2020 sollen nach Auffassung des Bundesumweltministeriums beim nächsten Kyoto-Treffen in Montreal im Dezember besprochen werden.

Die EU-Regierungschefs hätten für Industrieländer Reduzierungspfade von 15 bis 30 Prozent bis 2020 in Aussicht genommen. Das deutsche Bundesumweltministeriums denkt - jedenfalls offiziell - über ein Minderungsziel von 30 Prozent gegenüber 1990 nach. "Deutschland wäre dann bereit, seine Anstrengungen zu verdoppeln und die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren", verkündete Trittin bezogen auf eine fernere Zukunft.

Solarenergie-Förderverein: Auch Trittin trat für neue fossile Großkraftwerke ein Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat in diesem Zusammenhang kürzlich darauf hingewiesen, dass auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin in einem "Spiegel"-Interview vom 24. März die Ankündigung der Energiewirtschaft begrüßt hatte, in Nordrhein-Westfalen fünf Milliarden Euro in neue fossile Kraftwerke zu investieren.

Der Energieriese RWE möchte zum Beispiel in Neurath bei Neuss zwei neue Braunkohle-Kraftwerksblöcke errichten. Nach Angaben von Greenpeace würde das neue Braunkohle-Kraftwerk in Neurath 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft blasen. Die offiziellen Klimaschutzziele Deutschlands wären dann nicht mehr einhaltbar, meint die Organisation.

Schon heute sei RWE in Deutschland der größte Betreiber von Braunkohle-Kraftwerken. In Europa sei der Energieriese für 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid größter Produzent von Treibhausgasen.

Eine ambitionierte Umweltpolitik müsste nach Auffassung des Solarenergie-Fördervereins alles daran setzen, den Bau neuer fossiler Kraftwerke durch forcierten Ausbau der Erneuerbaren Energien überflüssig zu machen.

Am 25. Aug. 2005 unter: nachrichten

"Wärmeflüchtlinge"

Die Artenschutzorganisation WWF vermutet, dass neben der Überfischung auch der Klimawandel den Fischbeständen in aller Welt zunehmend zu schaffen macht. Ein neuer WWF Report zeige, dass steigende Wassertemperaturen sowohl in den Ozeanen als auch in Flüssen und Seen die Fischbestände gefährdeten. Der Sauerstoffgehalt vieler Gewässer nehme stark ab, so dass insbesondere Süßwasserarten immer häufiger nach Luft schnappen müssten. Ein schlechteres Nahrungsangebot, vermindertes Wachstum und weniger Nachkommen seien die Folgen. Zudem bringe der Klimawandel die Nahrungskette erheblich durcheinander. Mitte der 1990er Jahre seien rund 120.000 Seevögel im Golf von Alaska verhungert, weil ihre Beutefische in größere Tiefen und damit kühleres Wasser abgetaucht gewesen seien. "Der Report passt ins Bild. Der Klimawandel hinterlässt inzwischen fast überall auf dem Planeten seine Spuren", meint Regine Günther vom WWF Deutschland. Die Regierungen seien noch immer zu langsam bei der Bekämpfung des Klimawandels. Der bevorstehende Gipfel in Montreal biete Gelegenheit, das Tempo zu erhöhen.

Wärmeres Wasser sei eine zusätzliche Belastung für viele Fischbestände, so Stefanie Schmidt vom WWF. Der geringere Sauerstoffgehalt des Wassers und ein schlechteres Nahrungsangebot führten zu großen Problemen. Einige Arten wie Lachse, Störe oder Welse seien für Sex im Warmen nicht zu haben. "Sie laichen nur, wenn die Temperatur unter ein bestimmtes Niveau sinkt." Bei anderen Fischen nehme die Fortpflanzungsrate mit steigender Wassertemperatur erheblich ab.

Überdies führt nach Einschätzung des WWF die Erwärmung zu einer Artenverschiebung in Richtung der Pole. Kälte liebende Arten wie Seehecht oder Kabeljau versuchten, in kältere Gefilde zu flüchten, Fischarten aus wärmeren Gewässern dringen offenbar weiter in Richtung Norden vor. Wenn sie sich in den neuen Gewässern durchsetzten, veränderten die Neuankömmlinge das ökologische Gefüge, was zu einer Verdrängung heimischer Arten führen könne.

Gelinge die Neubesiedelung hingegen nicht, könne dies für die "Wärmeflüchtlinge" das Aus bedeuten, insbesondere wenn es sich um Bestände handele, die durch die Fischerei stark dezimiert seien. "Neben klimapolitischen Maßnahmen ist es deswegen enorm wichtig, bei den Fangquoten die Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen", so Schmidt.

Der Klimawandel sei nicht nur ein zusätzlicher "Stressfaktor" für die "ohnehin von Meeresverschmutzung und Überfischung gebeutelten Fischbestände". Er verursache zudem erhebliche wirtschaftliche Probleme. So habe der weltweite Fischhandel inzwischen ein Volumen von rund 130 Milliarden US-Dollar im Jahr erreicht. Der Sektor zähle mehr als 200 Millionen Beschäftigte. Überdies stelle Fisch für einen Großteil der Menschheit die wichtigste Eiweißquelle dar. Diese Strukturen seien durch den Klimawandel bedroht.

Die Naturschutzorganisation fordert von den Regierungen Maßnahmen, um die durchschnittliche Temperaturerhöhung auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Erste Schritte auf diesem Weg müssten bei der bevorstehenden Klimakonferenz in Montreal gegangen werden, fordert der WWF.

Am 18. Nov. 2005 unter: nachrichten

Klimawandel

Nach Auffassung des WWF steigen in Europa die Durchschnittstemperaturen im Sommer. Die Umweltschutzorganisation verwies am Donnerstag auf einen Bericht, wonach beispielsweise die Durchschnittstemperatur Berlins in den Sommermonaten der letzten 30 Jahre um 1,2 Grad Celsius gestiegen sei. Damit liege Berlin "voll im europäischen Trend". In 13 von 16 untersuchten europäischen Hauptstädten seien die Temperaturen seit 1970 um ein Grad oder mehr gestiegen. In Folge komme es teilweise zu gravierenden Gesundheitsproblemen für ältere Menschen, meint der WWF. Auch könne es unter gewissen Randbedingungen zu Milliardenschäden in der Land- und Forstwirtschaft kommen. Der WWF sprach sich daher für einen verstärkten Klimaschutzes aus. Insbesondere die Stromwirtschaft müsse sich so schnell wie möglich von fossilen Energieträgern, vor allem von der Kohle verabschieden. Aus den Schloten der Kraftwerke ströme derzeit weltweit mehr als ein Drittel des vom Menschen verursachten Treibhausgases Kohlendioxid.

Die spanische Hauptstadt Madrid hat nach Angaben des WWF mit einem Plus von 2,2 Grad einen besonders starken Anstieg verzeichnet. Kopenhagen und Dublin seien hingegen von so deutlichen Temperaturerhöhungen verschont geblieben. Hier seien die Temperaturen im Schnitt nur um 0,2 beziehungsweise 0,7 Grad Celsius gestiegen.

"Steigende Temperaturen bedeuten, dass sich der so genannte Traumsommer zum Alptraum entwickelt", meint Regine Günther von der Umweltschutzorganisation. Gerade ältere Menschen litten unter der Hitze. In den letzten Jahren sei es unter ihnen beispielsweise in Frankreich, aber auch in Deutschland aufgrund von Hitzewellen zu einer erhöhten Sterberate gekommen.

Der WWF forderte, dass der Stromwirtschaft strengere Auflagen gemacht werden, wenn im Sommer 2006 bestimmt wird, wieviel Kohlendioxid-Emmissionen sie verursachen darf. Dabei sei Strom der in Kohlekraftwerken gewonnen werde besonders schädlich für die Umwelt. Gaskraftwerke würden beispielsweise nur ein Drittel an Kohlendioxid pro Kilowattstunde produzieren, wobei der WWF sich nicht zur Knappheit von Erdgas äußert.

Das "Clean Coal"-Konzept, mit der die Hoffnung auf Kohlendioxid-neutrale Kohlekraftwerke verbunden ist, sei von einer Realisierung weit entfernt. Daher könne man eine Klimaschutz-Politik nicht auf diese Technologie stützen.

Am 11. Aug. 2005 unter: arbeit

Klimawandel

Die Zukunft der Säugetiere sieht ähnlich düster aus wie vor 50.000 Jahren. Damals resultierte eine Kombination aus Klimawandel und menschlichem Verhalten in der Ausrottung von zwei Dritteln aller großen Säugetiere auf dem Planeten. Anthony D. Barnosky und seine Kollegen der Universität von Kalifornien kamen zu diesem Schluss, als sie das Aussterben der großen Säugetiere, der so genannten Megafauna, das sich im späten Pleistozän ereignete, eingehend untersuchten. Damals starben Mammuts, Säbelzahntiger, Faultiere und die in Amerika eingeborenen Pferde und Kamele aus.

Den Erkenntnissen der Forscher zufolge trägt der Mensch nicht allein die Schuld, sondern auch der Klimawandel spiele eine große Rolle. Laut Barnosky spielt sich dasselbe heute wieder ab. Weil der Klimawandel aber heute schneller vor sich gehe als im späten Pleistozän, könnten die Auswirkungen auf Säugetiere dramatisch sein. Viele Populationen größerer Tiere seien ohnehin schon stark dezimiert und die wachsende Zahl an Menschen nehme zunehmend die Lebensräume der großen Tiere ein. "Menschliche Aktivitäten in Kombination mit dem Klimawandel werden in einer unvermeidbaren Ausrottung vieler Spezies und unvorhersehbaren Veränderungen im Ökosystem resultieren", so Barnosky.

Seine Studie basiert auf einer Analyse archäologischer, klimatischer, ökologischer und Simulations-Studien. Demzufolge bedrohten nicht nur das übermäßige Jagen die Tiere, sondern auch die vom Menschen gelegten Feuer. Ein Teil der Megafauna starb unabhängig von den Eingriffen des Menschen aus, weil er sich nicht an die Eiszeit anpassen konnte. "Der Mensch nimmt Einfluss auf größere Tiere, die kleineren sind dabei nur ein Kollateralschaden", erklärt Barnosky. Beim Klimawandel verhalte es sich genau umgekehrt: dieser betreffe die kleineren Spezies zuerst und dann, durch sie, die größeren. Weil der Mensch heute die größeren Tiere ausrottet und sich der Klimawandel auf die kleineren auswirke, stehen laut dem Forscher dramatische Veränderungen im Ökosystem bevor. Wegen des Vordringens des Menschen gebe es keine Zufluchtsorte mehr für Tiere, die sich wegen des Klimawandels einen neuen Lebensraum suchen wollen.

Am 05. Okt. 2004 unter: artenschutz

Manipulierte Klimaforscher

Das Geheimnis ist gelüftet. Leugner des Klimawandels, die von ExxonMobil beeinflusst werden, können sich nicht länger hinter dem Namen einer unverfänglichen gesellschaftlichen Einrichtung verbergen. Eine neue amerikanische Website zeigt die Finanzströme, die von ExxonMobil zu verschiedenen Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen, die den Klimawandel bestreiten, fließen. Bei Namen wie "Cato Institute", "The Heritage Foundation", "Frontiers of Freedom Institute" und "Tech Central Station" würde man an unabhängige Organisationen denken. Diese Annahme ist laut Greenpeace aber falsch. Diese und andere Organisationen unterstützten Personen, die die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels leugnen. Und diese Meinungsmacher werden von der Ölindustrie finanziert, die den Klimawandel selbst verursacht.

Wenn diese Personen des öffentlichen Lebens mit Journalisten sprechen, erwähnen sie normalerweise nicht, welche Firmen hinter ihrer Organisation stehen. Sie wollen den Eindruck erwecken, dass sie unabhängig sind. Deswegen machen sich Journalisten und mit ihnen die Öffentlichkeit oft ein falsches Bild. ExxonMobil, auch als Esso oder Mobil bekannt, ist der weltgrößte Ölkonzern. ExxonMobil scheut nicht davor zurück, pseudowissenschaftliche und gesellschaftlich einflussreiche Gruppen durch finanzielle Zuwendungen auf seine Seite zu ziehen. Seit 1998 hat ExxonMobil mehr als 12 Millionen US-Dollar an Kritiker des Klimawandels gezahlt.

Greenpeace hat gemeinsam mit Web-Designern die Seite erstellt. Sie zeigt, wohin Geld von Exxon fließt: Nämlich zu den Leugnern des Klimawandels, die am lautesten öffentlich gegen die Tatsache des Klimawandels wettern. Auf dieser Website gibt es Dossiers und Hintergründe zu jeder Organisation und Person mit Beschreibung, Geschichte, Biographien der Mitarbeiter, Zitaten, Aktivitäten und Mitgliedschaften. Die Seite bietet Hintergrundinformationen für Journalisten, politische Entscheidungsträger und für Alle, die sich für die tieferen Hintergründe interessieren. Und die Seite zeigt, wie ExxonMobil mit den einzelnen Organisationen verquickt ist.

Die Website bietet eine Suche nach Organisationen oder nach Personen mit Querverweisen zwischen Gruppen und Einzelpersonen. Und die Informationen über die Beziehungen zwischen ExxonMobil und den aufgeführten Organisationen sind gut belegt durch die Websites der entsprechenden Organisationen, durch im Internet verfügbare Dokumente, den Geschäftsbericht von ExxonMobil oder andere frei verfügbare Dokumente.

Am 23. Jun. 2004 unter: politik

Vogelzug & Klimawandel

Mit einem Seminar an Deutschlands bekanntestem Leuchtturm möchte die Husumer "Schutzstation Wattenmeer" auf den Rückgang arktischer Zugvögeln aufmerksam machen. Heute kommen nach Angaben von Rainer Schulz von der Schutzstation noch jährlich 10-12 Millionen Vögel ins Wattenmeer, um auf dem Weg zwischen warmen Überwinterungsgebieten und arktischen Brutrevieren neue Reserven anzulegen. Doch manche dieser hoch spezialisierte Arten, wie Ringelgans oder Knutt, hätten in den letzten Jahren bereits ein Viertel ihrer Bestände eingebüßt. Verschiedene Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, "dass dies nur die ersten Folgen des globalen Klimawandels sind", so Schulz.

"So paradox es klingen mag, können wärmere und längere arktische Sommer zum Rückgang typischer Vogelarten führen." So hätten Ringelgänse praktisch nur in Jahren mit Massenvermehrungen der Lemminge Nachwuchs, da dann Polarfüchse oder Schneeeulen nicht auf Eier und Jungvögel angewiesen seien. "Doch dort, wo der Schnee die Lemminge nicht mehr bis in den Juni hinein vor Feinden schützt, fehlen jetzt augenscheinlich die typischen Massenvermehrungen der kleinen Nager", so Schulz. "Und hierdurch fehlen den Gänsen die guten Brutjahre."

Klimamodelle zeigten, dass darüber hinaus vielen arktischen Vogelarten in den nächsten Jahrzehnten "der Lebensraum zuwächst", denn mit der Erwärmung der Arktis dränge von Süden her der Wald in viele heute noch baumlose Tundragebiete.

Andere Arten scheinen auf ihren Zugwegen in Bedrängnis zu kommen. So fände der Knutt heute im Wattenmeer weniger Muscheln als früher. "Wenn man jedoch darauf angewiesen ist, in 20 Tagen das Körpergewicht fast zu verdoppeln, um genügend Fettreserven für den Non-Stop-Flug in die Arktis zu haben, zählt jedes Gramm an Nahrung", erläuterte Zugvogel-Experte Schulz.

Der Mai ist nach Angaben der Schutzstation die beste Zeit zur Beobachtung der Zugvögel im Wattenmeer. "Vegetarier wie die arktischen Ringelgänse äsen in den Salzwiesen. Watvögel wie der Knutt pendeln im Rhythmus der Gezeiten zwischen den nahrungsreichen Wattflächen und hochgelegenen Rastplätzen. Zugleich sind mit Seeschwalben, Säbelschnäblern oder Regenpfeifern auch zahlreiche heimische Brutvögel zu beobachten."

In dem Seminar vom 19. bis 22. Mai könne "die faszinierende Welt des Vogelzugs erkundet werden. "Von der Fahrradtour über Wattwanderungen bis zu einer virtuellen Reise in die Arktis." Darüber hinaus sollen aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt werden, "die erkennen lassen, wie Zugvögel schon heute sehr sensibel auf die Folgen des Klimawandels reagieren".

Am 09. Mai. 2005 unter: artenschutz

Hohe Ozonwerte auch in den nächsten Jahren

Die gesundheitsschädliche Ozonbelastung der Luft war in diesem Sommer in weiten Teilen Europas so hoch wie noch nie zuvor während der letzten zehn Jahre. Besonders hohe Ozonwerte wurden während der anhaltenden Hitzewelle im August gemessen, so eine erste Auswertung der Europäischen Umweltagentur. Das ungewöhnlich heiße und sonnige Wetter, verbunden mit hauptsächlich durch Verkehr, Industrie und Vegetation bedingten Schadstoffemissionen, führte zu lang anhaltenden Perioden mit hohen Konzentrationen von bodennahem Ozon in weiten Teilen Europas. Solche schädlichen Ozonkonzentrationen werden sich nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur in den nächsten Jahren in Sommern mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen wiederholen.

Erst wenn der Ausstoß der so genannten Vorläufersubstanzen, aus denen bodennahes Ozon entsteht, massiv verringert wird, sei mit einer Besserung zu rechnen. Die Behörde erwartet dies bis zum Jahr 2010. Zwischen 1990 und 2000 sind die Emissionen der wichtigsten Ozon-Vorläufersubstanzen - Stickstoffoxide und flüchtige organische Nichtmethanverbindungen (NMVOC) - in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits um etwa 30 Prozent gesunken. Die EU-Gesetzgebung, mit der ab 2010 einzuhaltende nationale Emissionshöchstgrenzen für diese und andere Schadstoffe festgelegt werden, soll eine weitere Reduktion um 30 Prozent bewirken.

Die Anzahl der Stunden, in denen während des Frühlings und Sommers die Ozonkonzentration an jeder Überwachungsstation über dem Grenzwert von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft lag, betrug 31 Stunden im EU-Durchschnitt und war somit so hoch wie nie zuvor. In Frankreich wurde die bisherige seine Höchstdauer, die vor neun Jahren gemessen wurde, um ein Drittel überschritten. Die am stärksten betroffenen Gebiete waren der Südwesten Deutschlands, die Schweiz, der Norden und Südosten Frankreichs, Belgien , Nord- und Mittelitalien sowie Zentralspanien. Diese Regionen zählen zu denjenigen, wo die Emission von ozonfördernden Schadstoffen durch den Verkehr und die Industrie besonders hoch liegt.

Im Gegensatz zur stratosphärischen Ozonschicht, die gegen gefährliche Sonnenstrahlung schützt, kann bodennahes Ozon erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen des Menschen verursachen und Ökosysteme, Kulturpflanzen und Materialien schädigen. Bodennahes Ozon entsteht, wenn die Vorläufersubstanzen mit Sonnenlicht reagieren. Hohe Temperaturen sorgen für eine Verschärfung der Situation, da sie zu einer erhöhten Emission von flüchtigen organischen Nichtmethanverbindungen aus Pflanzen und aus vom Menschen verursachten Quellen wie Lösungsmittel führen.

Am 24. Okt. 2003 unter: politik

Schwarze Schafe im Klimaschutz

GERMANWATCH-Vorstandsmitglied Klaus Milke erklärte den Konzern Vattenfall Europe zum Klimasünder des Monats. "Seit zehn Jahren führen wir einen intensiven Dialog mit Politik und Wirtschaft zum globalen Treibhauseffekt - ab jetzt werden wir alle die sich unverantwortlich verhalten, beim Namen nennen. Regelmäßig werden wir ab jetzt einen "Klimasünder des Monats" bekannt geben. Dies kann ein Land, ein Unternehmen oder eine Einzelperson sein".

Für den ersten Klimasünder begründete Milke die Wahl: "Vattenfall hat, indem es mit HEW, Bewag, LAUBAG und VEAG zu Vattenfall Europe fusionierte, in großem Stil in den mit Abstand klimaunverträglichsten Energieträger, Braunkohle, investiert.“ Zudem sei Vattenfall Europe auch gegen den Emissionshandel, bei dem es wenigstens anderswo erbrachte Klimagasreduktionen honorieren würde. Es kümmere sich auch zuwenig um Erneuerbare Energien. Auf den GERMANWATCH-Vorschlag zu einem Dialog, schliesslich, habe der Vorstandsvorsitzende der HEW noch nicht einmal reagiert."

Angesichts des großen Kohlendioxid-Austoßes des Konzerns fordert GERMANWATCH, dass sich Vattenfall und andere Großverursacher an dem vorgeschlagenen Fonds für Klimaopfer finanziell beteiligen. "Der jeweilige Ausstoß von Kohlendioxid sollte ein wichtiges Kriterium dafür sein, wieviel die Unternehmen einzahlen," erläutert Milke das Prinzip . "Es ist zwar Zufall, dass ausgerechnet Ostdeutschland so stark von der Flut getroffen ist. Aber es sollte doch zu denken geben, ob die ostdeutsche Energiezukunft tatsächlich so stark wie geplant auf Braunkohle basieren sollte".

Am 26. Aug. 2002 unter: umwelt