62 Prozent der Ostdeutschen sehen sich laut Studie nicht als Bundesbürger

Ungleiche Löhnen und Renten

Fast Zwei Drittel der Ostdeutschen sehen sich noch nicht im wiedervereinigten Deutschland angekommen. Wie aus einer am Mittwoch (26. November) in Berlin vorgestellten Studie des Sozialverbandes Volkssolidarität hervorgeht, betrachten sich 62 Prozent der befragten Ostdeutschen "noch nicht als Bundesbürger". Über die Hälfte fühlt sich zudem nicht mit der Bundesrepublik verbunden. Den Angaben nach haben 52 Prozent der Ostdeutschen nur eine geringe oder gar keine "innere Bindung" an die Bundesrepublik. Den Grund dafür sieht der Präsident der Volkssolidarität, Gunnar Winkler, vor allem in ungleichen Löhnen und Renten im Vergleich zu westdeutschen Bundesländern.

Als Gewinner der Wiedervereinigung Deutschlands sehen sich laut der Studie vor allem Empfänger eines Nettoeinkommens über 2000 Euro, Beamte und Hochschulabsolventen. Arbeitslose und ältere Menschen identifizieren sich demnach am wenigsten mit der Bundesrepublik und haben nur wenig Vertrauen in die sozialen Absicherungen des Staates.

Elf Prozent der Befragten gaben an, "die DDR wiederhaben" zu wollen. Dabei gehe es nicht um das politische System der DDR, sondern die Menschen wollten die soziale Sicherheit aus Zeiten der DDR zurückhaben, erklärte Winkler.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sieht der Bundesgeschäftsführer der Volkssolidarität, Bernd Niederland, eine "neue Chance für Sozialverbände". Es gelte, die Rollen von Staat und Markt neu abzugleichen; in dieser Debatte seien Sozialverbände gefordert, sich mit einzubringen, sagte Niederland. Die Volkssolidarität fordert unter anderem einen Stopp der zunehmenden Privatisierungen kommunaler Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime.

Die Volkssolidarität hat nach eigenen Angaben über 300.000 Mitglieder, davon aber nur 600 in den alten Bundesländern. Im Januar stellt der Verband seine Langzeitstudie über die soziale Lage der Bürger in den neuen Bundesländern seit 1990 vor.