Garnisonskirche in Potsdam

Empört euch - Nicht mit uns!

Kann heute noch der „Wiederaufbau“ einer Kirche Gemüter erhitzen, eventuell sogar jugendliche? Mitunter schon. Schließlich geht es nicht immer nur um die Ausübung religiöser Verrichtungen von Gläubigen. Die Frage, welche Kirche wo steht, hat immer auch weiter reichenden Symbolcharakter – man denke nur an die Auseinandersetzungen um den Neubau von Moscheen im Herzen Europas, an dem sich Gegner eines weltoffenen, toleranten Zusammenlebens aufheizen.

Aber auch bestimmte christliche Kirchbauten stehen für Traditionen, bei denen sich Jesus Christus im Grabe umdreht. Ein besonders grausiges Beispiel ist dabei die Potsdamer Garnisonkirche. Schon seit ihrer Errichtung unter dem „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. von Preußen war ihr Hauptzweck, die preußischen Soldaten davon zu überzeugen, dass es gottgefällig sei, andere Christen zu töten oder von ihnen getötet zu werden. Dieses Schicksal teilte sie mit anderen „Garnisonkirchen“ in Deutschland. Ihre Besonderheit gewann sie erst einmal aus der engen Verbindung mit dem besonders widerwärtigen preußischen Drillgeist, dann aber in einem Ereignis, das untrennbar mit der „demokratischen“ Scheinlegitimierung des Hitler-Faschismus verbunden ist: Hier reichten sich Reichspräsident Hindenburg und Adolf Hitler die Hand, hier erhielt sozusagen der „Machtergreifer“ Hitler die Anerkennung des bürgerlichen Staates und der der Kirche in einem.

Nein, auf den „Tag von Potsdam“ wollen wir das Bauwerk nicht reduzieren. Aber es hat ihn nun einmal gegeben mit seiner Symbolkraft.

Die finstersten Abschnitte deutscher Geschichte feiern inzwischen Wiederauferstehung. Als nach der Niederschlagung des deutschen Faschismus „Preußen“ beseitigt wurde, hatte dies seine Gründe. Auf der Welt gibt es kaum ein Symbol, das so eng mit „Militarismus“ verbunden ist wie dieses feudal-kapitalistische Staatsgebilde. Und es gibt wohl kaum ein Symbol für perverse Tendenzen christlicher Religion als eine Garnisonkirche. Du sollst töten? Mit Gott? Die, deren Waffen hier für den Krieg gesegnet wurden, zogen ja nicht einmal gegen Nichtchristen ins Morden! Sie kämpften für Preußens Drill-Glorie gegen christliche Franzosen und je nach Bündnislage auch einmal gegen Österreich oder Dänemark – die denselben Gott für sich beanspruchten.

Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs wurde die alte Garnisonkirche getroffen. Die Ruine brannte aus. Es folgte das „Kulturbarbarentum“ der DDR: Die Ruine eben jenes Symbols der Kriegsverherrlichung wurde weggesprengt, um für etwas grundsätzlich Neues Platz zu schaffen. Jede Zeit hat bekanntlich ihre eigenen Symbole.

Die DDR schuf eben in Berlin ihren Palast der Republik, um Volksverbundenheit und Kultur zu zeigen. Die „Fortschritte“ zum „Wiederaufbau“ des „Stadtschlosses“ an dessen Stelle sind albern und peinlich: Natürlich ist das künftige Bauwerk ein Imitat, bei dem sich nur eines „positiv“ entwickelt – die erwarteten Kosten.

Nun ja … wenn die Berliner sich nicht gegen Lächerlichkeit wehren können, mag das ihre Sache sein. Eine solche Lächerlichkeit steckt vergleichsweise auch in der Argumentation der Garnisonskirchen-Befürworter, ihr Bauprojekt stelle ein bedeutsames Werk „Preußischen Barocks“ oder wie sie dies taufen. Wikipedia ist da genauer, wenn sie das frühere Bauwerk als „bedeutendste Barockkirche von Potsdam“ bezeichnet. Mehr war das alte nicht aus kultureller Sicht. Das, was da gebaut werden soll, ist dagegen bautechnisch eine Albernheit des 21. Jahrhunderts.

Aber in erster Linie ist es ein wieder aufgerichtetes Symbol: Kriegsverherrlichung aus vergangen gehaltener Zeiten, der „berühmte“ Händedruck zwischen dem preußischen Oberjunker Hindenburg und dem faschistischen Möchte-gern-Welteroberer Hitler.

Eine Sehenswürdigkeit? Ein Wallfahrtsort? Für wen?

Sollten es Potsdams Bürger wirklich wollen, dass Faschisten Deutschlands und der barbarisierten Welt zu ihnen strömen, um die „Rechtmäßigkeit“ und „Gottgefälligkeit“ des Faschismus gemeinsam zu feiern? Einige bestehende „Wallfahrtsorte“ sind „schicksalsgeschlagen“ - dort ist das, wohin die braunen Horden sich gezogen fühlen, schon da. In Potsdam würde es ihnen erst extra gebaut!

Geschichte kann man sich nicht frei aussuchen. Traditionen, die man pflegt, schon. Wer also eine solche Tradition NICHT will, der sollte rechtzeitig laut NEIN sagen! Nachdem lange die Lobby der finanzkräftigen Befürworter in der Offensive war, wird es endlich Zeit, antifaschistische Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Inzwischen gibt es eine Gegeninitiative von Potsdamern und zumindest über Facebook kann sich jeder bekennen, dass er gegen die Pflege DIESER Traditionslinie ist.

Zur Gegeninitiative:
  • http://www.facebook.com/pages/Garnisonkirche-in-Potsdam-Nicht-mit-uns/248794491822509
  • http://www.ohne-garnisonkirche.de/
Allgemeine Info:
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Garnisonkirche_(Potsdam)
Befürworter:
  • http://garnisonkirche-potsdam.org/

Gastbeitrag: Slov ant Gali