Bischof Mixa kritisiert Medien-Berichterstattung

Wahlmöglichkeit

Der katholische Bischof von Augsburg, Walter Mixa, sieht seine Position im Streit um die Betreuung von Kleinkindern falsch dargestellt. Er habe mit seinen Worten ganz eindeutig für die Wahlmöglichkeit der Frau eintreten wollen, nach der Geburt eines Kindes auch zu Hause bleiben zu können, sagte Mixa am Sonntag in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Mixa war heftig kritisiert worden, weil er - unter anderem, doch nur dies wurde in den meisten Medien hervorgehoben - der Politik vorgeworfen hatte, sie degradiere Frauen zu "Gebärschinen", wenn sie Mütter durch die Bereitstellung zusätzlicher Krippenplätze dazu animiere, bald nach der Geburt ihres Kindes wieder zu arbeiten. ngo-online hatte ausführlich über die Darstellung Mixas und seiner Kritiker berichtet. Der Militärbischof Mixa hatte sich in der jüngeren Vergangenheit möglicherweise Feinde gemacht, weil er sich sehr deutlich gegen die derzeitige Wirtschaftspolitik sowie gegen die militärische Durchsetzung von Rohstoffinteressen ausgesprochen hatte.

Das Wort "Gebärmaschine" sei in der Medienberichterstattung ganz eindeutig aus dem Zusammenhang seiner Stellungnahme herausgerissen worden, kritisierte Mixa. Der Frau müsse viel stärker die Entscheidung darüber überlassen werden, ob sie wieder arbeiten gehen oder ihr Kind zu Hause erziehen wolle.

Auch eine allein erziehende, finanziell schlechter gestellte Mutter müsse die Wahlmöglichkeit haben, ob sie das Kind in die Krippe gibt oder die ersten drei Lebensjahre für ihr Kind zu Hause bleibt. Mixa forderte, das Erziehungsgeld für die betroffenen Frauen stark anzuheben und Erziehungsleistungen auch auf die Rente der Frauen anzurechnen.

Hessens FDP-Chef fordert Entschuldigung von Bischöfen

Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn verlangt wegen der Äußerungen Mixas von anderen katholischen Oberhirten eine Entschuldigung. Hahn wandte sich mit seiner Forderung am Montag an die Bischöfe von Mainz und Fulda, Kardinal Karl Lehmann und Heinz Josef Algermissen.

Wenn Frauen als "Gebärmaschinen" verunglimpft würden, müssten Lehmann und Algermissen "laut Partei ergreifen und zwar gegen ihren Kollegen Mixa und für die Frauen", sagte Hahn in Wiesbaden. Der FDP-Landes- und Fraktionschef sprach von einem "argumentativen Fehltritt" Mixas.

Noch mal: Der Bischof in seinen eigenen Worten Mixa hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Donnerstag vorgeworfen, ihre Familienpolitik sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie zu rekrutieren". Die Pläne zum Ausbau der Kleinkindbetreuung seien "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert", meint Mixa.

Die Familienpolitik der Ministerin diene nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie. Die Doppelverdiener-Ehe werde von der Ministerin geradezu zum "ideologischen Fetisch" erhoben, so der Bischof.

Wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleite, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine", so Mixa, der auch katholischer Militärbischof ist, in seiner jüngsten Stellungnahme.

Der Staat müsse sich stattdessen bemühen, mehr Mütter für die zeitlich überwiegende oder ausschließliche häusliche Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewinnen und dies auch finanziell zu fördern, meint Mixa.

Ausdrücklich unterstützte Mixa in diesem Zusammenhang die Forderung des Familienbundes der Katholiken nach einem Erziehungsgehalt für alle Eltern, durch das diese "wahlweise" die Kosten einer außerfamiliären Betreuung oder die Lohnausfälle in Folge eigener Kindererziehung ausgleichen könnten.

Bemerkenswert und ein Ausdruck der Macht der hiesigen Medienkonzerne ist, dass der heftig beschimpfte Bischof auch nach seiner Medienkritik meist nur sehr verkürzt wiedergegeben wird. Wer in Deutschland ein Recht darauf hat, mit seinen eigenen Worten unverfälscht wiedergegeben zu werden, das entscheiden Journalisten und vor allem die Herausgeber.

Mixa: Soziale Marktwirtschaft nicht der Globalisierung opfern

Im vergangenen Jahr hatte der Bischof gefordert, man solle die Soziale Marktwirtschaft nicht der Globalisierung opfern. Zudem solle man die Leistungen von Frauen unabhängig von ihrer Nützlichkeit für die industrielle Produktion betrachten. Vielleicht ist auch diese Einstellung und diese offene Kritik des katholischen Militärbischofs der Hintergrund für seine derzeitige Behandlung in den Medien.

Im seinem Grundsatzbeitrag für die politische Vierteljahreszeitschrift "Paneuropa-Deutschland" hatte sich Mixa vor den negativen Folgen einer ausschließlich ökonomisch orientierten Gesellschaftspolitik gewarnt, die das Gewinnstreben und den Egoismus seines Erachtens zum Lebensprinzip erhebt.

Die europäischen Länder hätten in den zurückliegenden Jahrzehnten ihr eigenes Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft, deren Kerngedanke der Ausgleich zwischen der Eigenverantwortung des Einzelnen und der Solidarität mit den Schwachen im Sinne der katholischen Soziallehre sei, im Rahmen der Globalisierungsdebatte einem Systemvergleich ausgesetzt, der die Soziale Marktwirtschaft mit Wettbewerbsbedingungen konfrontiere, die mit den europäischen Werten schlicht unvereinbar seien.

Im globalen Vergleich führe die Missachtung notwendiger Standards der Umwelt oder der Arbeitssicherheit, die Ausbeutung von Kindern, Frauen und Gefangenen im Arbeitsprozess und die Abwesenheit jeglicher Sicherheitssysteme gegen Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit und Alter unter Kostengesichtspunkten zu vermeintlichen Standortvorteilen, mit denen die politischen Rahmenbedingungen der Sozialen Marktwirtschaft unter dem Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung naturgemäß nicht konkurrenzfähig seien, schreibt Bischof Mixa in seinem Beitrag.

Militärbischof Mixa kritisierte auch einen "Neokolonialismus" der Großmächte

Einen weiteren Grund, den Groll von Wirtschaft, Militärs, Politikern und Medienkonzernen auf sich zu ziehen, lieferte Mixa zuletzt Mitte Februar. Der Militärbischof hatte die Versuche der Großmächte, eigene Rohstoffinteressen auf Kosten anderer Völker mit Gewalt durchzusetzen, als "Neokolonialismus" kritisiert. Wer in Zeiten der Globalisierung glaube, Machtpolitik nach altem Muster betreiben zu können, trage dazu bei, das globale System zu destabilisieren, so Mixa.

Mixa forderte einen verstärkten Einsatz aller politisch Verantwortlichen für den Weltfrieden. Kernelemente einer internationalen Friedensordnung seien entwicklungspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut und ein respektvoller Dialog der Kulturen und Religionen. "Sicherheit und Freiheit können nicht alleine mit militärischen Mitteln erreicht oder erhalten werden, sondern fordern ein Bündel politischer, kultureller und wirtschaftlicher Maßnahmen", meint der Bischof.