Über Liebe zum Sex zum abnehmen

Die Geheimsprache der Liebe

Mit Freude abnehmen und den Sex genießen - das ist das was ihnen nahe geht Die berühmte „Chemie der Liebe“ war schon immer in aller Munde. Doch was verbirgt sich dahinter? Internationale Forscherteams haben in den letzten Jahren das wohlbehütete Geheimnis der Natur gelüftet und kommen zu einem einzigartigen Resümee: Wenn wir uns verlieben, dann wird in unserem Körper ein komplettes Chemiewerk in Gang gesetzt. „Liebe ist so ungefährlich wie ein Löffel Salzsäure auf nüchternen Magen.“ Im Prinzip hatte der französische Schriftsteller Charles Baudelaire mit seinem Zitat die Auswirkungen der Liebe auf den menschlichen Körper vor rund 150 Jahren bereits treffend beschrieben. Was die moderne Forschung jetzt herausgefunden hat, ist nämlich keineswegs minder dramatisch.

Wenn wir uns verlieben, wird unsere körpereigene Chemie quasi auf den Kopf gestellt: Körpereigene Drogen hieven uns in den siebten Himmel und chemische Botenstoffe sorgen für einen Zustand der vorübergehenden Verrücktheit. Dafür verantwortlich sind allerdings keine Chemikalien wie simple Salzsäure, sondern vielmehr Substanzen mit seltsam anmutenden Namen wie Dopamin, Phenylethlyamin, Serotonin oder Oxytocin. Ein Chemiecocktail, der es buchstäblich in sich hat.

„Wer verliebt ist oder jemanden begehrt, ist nur bedingt zurechnungsfähig. Es findet vielmehr eine kollektive Entscheidung statt, an der etliche chemische Substanzen beteiligt sind“, brachte es die amerikanische Sexualforscherin Theresa Crenshaw unlängst auf den Punkt. Doch gemach: Wer sich über den Realitätsverlust ernsthaft Gedanken macht, für den haben die Forscher auch Tröstliches herausgefunden: Glückliche Beziehungen stärken das Immunsystem und Küssen ist gesund.

Beginnen wir beim Dopamin. Das ist ein Hormon, welches im Blut von Verliebten reichlich vorhanden ist und auch im Liebesspiel eine tragende Rolle spielt. Es wirkt unmittelbar auf den „primitiven Teil“ unseres Gehirns, auch limbisches System genannt. In den letzten Jahren haben diverse Forscher versucht, die Wirkung dieses Hormons genauer zu ergründen. Zu den Pionieren gehört die Italienerin Donatella Marazziti, Psychiaterin an der Universität Pisa. Gemeinsam mit ihren Kollegen untersuchte sie vor rund zehn Jahren in einem Forschungsprojekt jene Prozesse, die sich im Körper von Liebenden abspielen. In deren Blut fand sie besonders häufig Dopamin. „Dieser Botenstoff bewirkt, dass ein Individuum sich einer anderen Person gegenüber öffnet, und zwar mehr, als dies normalerweise der Fall ist”, zog die Wissenschaftlerin Bilanz.

Einen Schritt weiter ging der Sexualforscher Tillmann Krüger vom Institut für Verhaltenswissenschaften an der ETH Zürich. In seinen Untersuchungen konnte er jetzt zeigen, dass Stoffe wie Dopamin regelrecht Appetit auf Sexualität hervorrufen. Kehrseite der Medaille: Dopamin fördert auch die Lust, den Partner zu wechseln.

Ein Kuschelhormon gegen Untreue

Doch die körpereigene Chemie hat einen Gegenspieler hervorgebracht, der dem „Casanova-Effekt“ entgegenwirkt. Oxytocin - ein Botenstoff, den die Forscher auch als Kuschelhormon bezeichnen. Es wird bei zarten Berührungen, vor allem aber bei sexueller Erregung in ziemlich großen Mengen aktiv. Einen kräftigen Schub des Hormons produziert das Gehirn nach dem Orgasmus und sorgt so für ein Gefühl tiefer Geborgenheit. Es könnte also durchaus am Oxytocin liegen, dass sich selbst der schlimmste Beziehungsstress nach einem erfolgreichen Schäferstündchen deutlich abkühlt.

Der Primatenforscher Gustl Anzenberger vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich fand jetzt heraus, dass der Ausstoß von Oxytocin bei Frauen durch einen mechanischen Reiz von Scheide und Muttermund vermittelt wird. Daraus zieht der Forscher noch eine ganz andere Konsequenz: „Es ist möglich, dass während der Geburt und beim Sex bei Frauen ähnliche hormonelle Vorgänge ablaufen und dass die Bindung von der Mutter zum Kind und diejenige von Mann und Frau ganz ähnlich zustande kommen“. Möglicherweise verfügt das Hormon noch über ganz andere Potenziale. Wie die Pharmazeutische Zeitung 2011 berichtete, konnten französische Forscher nachweisen, dass Oxytocin auch die sozialen Fähigkeiten fördert. So konnten nach der Applikation eines mit dem Hormon versetzten Nasensprays erstaunlicherweise sogar Autisten den Blickkontakt halten und ihr Gegenüber besser einschätzen als zuvor. Wie die Fachzeitschrift betont, befindet sich die Forschung auf diesem Sektor aber noch ganz am Anfang.

So ernüchternd es auch klingen mag, aber auch die Wurzeln der romantischen Liebe sind nichts anderes als Chemie. Bereits vor zehn Jahren vermuteten amerikanische Hormonforscher, dass ausgerechnet Phenylethylamin (PEA) – in reiner Form eine ölige und nach Fisch und Ammoniak riechende Flüssigkeit – für Verliebte wie ein „Fahrstuhl in den Siebten Himmel“ wirkt. Wie die anderen Hormone auch ist PEA im Blut von Verliebten reichlich vorhanden. Dass das Hormon eine starke psychische Wirkung entfaltet liegt nicht zuletzt daran, dass es als Grundgerüst auch in einer Reihe halluzinogener Drogen enthalten ist. Der australische Chemiker Dr. Peter Godfrey von der Monash-Universität in Melbourne ist davon überzeugt, dass PEA unter anderem für die feuchten Hände der Verliebten und die Schmetterlinge im Bauch verantwortlich ist. „Eines Tages könnte es möglich sein, synthetische Drogen herzustellen, die uns die Euphorie der ersten Liebe vorgaukeln“, mutmaßt er. Gegenwärtig denkt jedoch kein seriöser Forscher daran, sich an derartigen Versuchen zu beteiligen.

Völlig anders verhält es sich beim Serotonin, einem weiteren Botenstoff. Donatella Marazziti, fand heraus, dass die Serotonin-Werte im Blut von Verliebten signifikant erniedrigt sind. Etwas Vergleichbares hatte die Wissenschaftlerin davor nur bei Menschen analysiert, die unter einer Zwangsneurose litten. „Verliebte Menschen sind ebenfalls auf ein Objekt fixiert – die angebetete Person“, verdeutlicht Marazziti. Die Wissenschaftlerin untersuchte auch solche Studentinnen, die die „Sturm und Drangphase“ des Kennenlernens hinter sich hatten, und fand heraus, dass deren Serotonin-Werte sich wieder dem normalen Level angenähert hatten. Verliebtheit, so die Quintessenz, macht also wirklich ein wenig verrückt.

Liebe ist gesünder als Sport

Liebe ist wie Medizin. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt die Psychologen Carl J. Charnetsk und Francis Brennau von der Wilkens University im US-Bundesstaat Pennsylvania. „Ein aktives Liebesleben ist die beste Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten“, versichert Charnetsk. Ihren Untersuchungen zufolge verfügen Menschen, die regelmäßig Intimverkehr ausüben, über hohe Immunglobulin-Level im Blut. Immunglobulin ist ein Antikörper, der wirksam vor Infektionen schützt.

Ganz klar darf Sexualität auch als Form sportlicher Betätigung bezeichnet werden. So verbrennen bei einem halbstündigen Liebesspiel durchschnittlich 350 Kalorien, was wiederum einem rund 40minütigen Jogging entspricht. „Sex ist der genussvollste Weg, um Kalorien zu verbrennen“, so brachte es der amerikanische Schauspieler Jack Nicholson einmal auf den Punkt. Hinzu kommt der einzigartige Hormoncocktail, der wesentlich vielseitiger als der durch sportliche Hochleistungen provozierte Hormonschub ist. Die einzigartige Kombination dieses Cocktails wirkt unter anderem als vortreffliches Schmerzmittel, da die vom Körper produzierten opiumähnlichen Substanzen vor allem Gelenk- und Kopfschmerzen merklich lindern können. Zu diesem Ergebnis kommt der amerikanische Neurologe Dr. James Couch von der Oklahoma-Universität in Oklahoma City. Couch empfiehlt seinen Migränepatientinnen deshalb sogar Sex während eines Anfalls und rät auch bei Menstruationsbeschwerden zu Intimkontakten.

Noch eine weitere gute Nachricht: Auch Küssen ist gesund. „Wenn ein Kuss gesundheitsschädlich wäre, wie Gesundheitsapostel immer wieder behaupten, wäre ich schon längst tot“, so hatte es Brigitte Bardot einmal formuliert. Die moderne Wissenschaft gibt der Schauspielerin Recht. Nach neuesten Erkenntnissen können Küsse wie die reinste Medizin wirken. Zum einen steigt bei einem intensiven Kuss der Blutdruck kurzfristig auf 180 und der Puls verdoppelt sich. Kreislauf und Stoffwechsel kommen wie bei einem Dauerlauf richtig in Schwung. Zum anderen stärkt ein Kuss die Abwehrkräfte. Zu diesem Resümee gelangt der Heidelberger Molekularbiologe Dr. Klaus Hartmann, Geschäftsführer der biomedparc GmbH. Seinen Untersuchungen zufolge werden bei einem Kuss rund 40.000 Bakterien ausgetauscht. Hartmann: „Dies wirkt sich überaus positiv auf die Immunabwehr aus.“

Dr. Rolf Froböse ist freier Wissenschaftsjournalist und Autor zahlreicher populärer Sachbücher, u. a. Bestseller wie „Die geheime Physik des Zufalls“ und „Lust und Liebe – alles nur Chemie?“