Gesundheits- und Verbraucherministerium uneinig über Gesundheitsprogramm der WHO

Übergewicht

Zwischen dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesverbraucherministerium gibt es widersprüchliche Positionen zu einem weltweiten Programm der Weltgesundheitsorganisation zur Bekämpfung von Übergewicht. Während das Bundesverbraucherministerium das WHO-Programm unterstützt, lehnt das Bundesgesundheitsministerium in einer Stellungnahme gegenüber der WHO die wichtigsten Punkte zur Umsetzung des Programms in Deutschland ab. Umstrittene Punkte im WHO-Programm seien mögliche Auflagen für das Marketing einzelner Lebensmittel. Viele Produkte, insbesondere sogenannte Kinderlebensmittel, würden stark überhöhte Fett- und Zuckerwerte aufweisen und würden dennoch häufig als besonders gesund vermarktet. Umstritten sind auch Empfehlungen an die Lebensmittelhersteller, den Gehalt von Fett und Zucker in ihren Produkten zu senken. Die Weltgesundheitsversammlung in Genf will das Programm in dieser Woche verabschieden.

Mit ihrem Programm reagiert die WHO auf die weltweite drastische Zunahme von Krankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Herzkreislauferkrankungen. Zur Vorbeugung sollen die Regierungen der WHO-Mitgliedsstaaten Programme zur Förderung gesunder Ernährung und Bewegung durchführen. Das Bundesgesundheitsministerium unterstütze das WHO-Programm insgesamt, lehne aber neue Programme für Deutschland ab, da es bereits existierende Präventionsprogramme gäbe. Edda Müller (Bundesverbraucherministerium) sagt dazu: "Es ist dringend notwendig, die bereits bestehenden Aktionen und Programme zu Ernährung und Bewegung in einer Strategie zu bündeln. Denn bisher fehlt in Deutschland genau der von der WHO geforderte Ansatz: klare nationale Ziele, die in allen Politikfeldern systematisch durchgesetzt werden."

Zu diesen nationalen Zielen sollen gehören eine gesunde Ernährungsweise, also eine geringere Aufnahme von Fetten, Zucker und Salz und ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse, vor allem bei Kindern und Jugendlichen; klare Informationen für die Verbraucher, die das Ziel einer gesunden Ernährungsweise unterstützen würden; Regelungen in den Bereichen Marketing, Werbung und Kennzeichnung, dass heißt, . Verbraucher dürften hinsichtlich des Nährwerts von Produkten nicht irregeführt werden. Insbesondere bei stark fett- und zuckerhaltigen Kinderprodukten soll es strengere Werbeauflagen geben. Außerdem soll der Bewegungsmangel bekämpft und Maßnahmen zur Förderung von sportlichen Aktivitäten ergriffen werden.