Offener Brief an Christian Wulff

Rolf Froböse schreibt an Christian Wulff

Causa Wullf und der Ehrensold im Blickwinkel von Rolf Froböse Seit gestern ist es nun amtlich. Ungeachtet der laufenden Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft wird der 52jährige Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf Kosten der Steuerzahler eine lebenslange Rente in Höhe von jährlich 199.000 Euro beziehen. Hinzu kommen geldwerte Vergünstigungen in etwa gleicher Höhe für ein Arbeitszimmer mit Sekretärin plus Dienstwagen inklusive Chauffeur. Ermöglicht hat dies Präsidialamtschef Lothar Hagebölling, Medienberichten zufolge ein „guter Bekannter“ des Ex-Präsidenten. Schön, wenn man gute und zugleich einflussreiche Freunde hat. Dennoch möchte ich nicht mit Wulff tauschen. Warum eigentlich nicht?

„Herr Wulff, Sie sollten 50 Prozent Ihres Ehrensolds für gemeinnützige Zwecke stiften“

Ganz einfach: Weil ich nicht ständig mit rotem Kopf durch die Gegend laufen könnte. Geht es Ihnen da wirklich anders Herr Wulff? So abgestumpft können Sie doch nicht sein! In den heutigen Tageszeitungen wird von den Lesern darüber abgestimmt, ob sie die Zahlung eines Ehrensolds für gerechtfertigt halten. Das Ergebnis ist selten eindeutig: Durchschnittlich 93 Prozent haben bisher mit „nein“ gestimmt, nur 7 Prozent mit „ja“. Mal ganz ehrlich: Können Sie bei diesem Ergebnis den Menschen dieses Landes noch in die Augen sehen? Ich könnte es nie und nimmer.

Mit meinem offenen Brief möchte ich aber nicht den Zeigefinger erheben, sondern Ihnen einen Vorschlag unterbreiten, mit dem Sie die eskalierende Stimmung im Lande retten können. Setzen Sie ein klares Zeichen und erklären Sie sich bereit, 50 Prozent Ihres Ehrensolds für gemeinnützige Zwecke zu stiften. Es wäre die letzte Chance, langfristig das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen und weiteren Schaden vom Amt des Bundespräsidenten abzuwenden. Handeln Sie jetzt, und ich garantiere Ihnen eines: Sie werden sich nach diesem Schritt wesentlich besser fühlen. Und der Rest der Nation ebenso!

Rolf Froböse

Der Autor ist promovierter Chemiker, Wissenschaftsjournalist und Buchautor von Bestsellern wie „Lust und Liebe – alles nur Chemie?“ oder „Die geheime Physik des Zufalls“. Gegenüber der Redaktion von ngo-online hat erklärt, dass er zuvor noch nie über politische Themen geschrieben hat, der „Fall Wulff“ bei ihm allerdings das Fass zum Überlaufen brachte.