Joachim Gauck - der Retter in der Not

<<Wunderliche Welten>>

Siehe, er ist da, der Heilsbringer, der Retter! Dass ausgerechnet ein erzkonservativer Pastor diese Rolle inne hat, lässt tief in deutsche Abgründe blicken, denn alle scheinen sich nach einer Vaterfigur zu sehnen, die endlich sagt, wo es lang gehen soll. Ich habe mich selber dabei erwischt, dass ich bei seiner kurzen Rede nach seiner Wahl zum BP gebannt an seinen Lippen gehangen und gehofft habe, dass er jetzt gleich kommt, der erlösende Satz, der alles wieder zurecht rückt. Ganz Deutschland schien inne zu halten und zu lauschen.

Wie dieser Mann es schafft, unter dieser Bürde der himmelhohen Erwartungen nicht zusammen zu brechen, ist nur denjenigen ein Rätsel, die nicht an Gott glauben, denn schließlich weiß Gauck Ihn hinter sich, der in allem das letzte Wort hat.

Den Glauben darf man nicht unterschätzen. Wenn man schon nicht an Gott glaubt, ist es enorm wichtig, überhaupt an irgendetwas zu glauben, und genau das ist es, was den Menschen in Deutschland zu fehlen scheint, der Glaube.

Ich will mich hier nicht als religiöser Eiferer präsentieren, denn oftmals reicht es schon aus, wenn man nur an sich selber glaubt. Dies schien in der vergangenen Zeit das Einzige zu sein, an das man noch glauben konnte, denn Politiker, der Verfassungsschutz, die dopenden Sportler, die Weltwirtschaft, die Banken, die europäische Gemeinschaft, das kränkelnde Amerika, die katholische Kirche, der Kommunismus und der Kapitalismus haben alle ihr Scherflein dazu beigetragen, unseren Glauben nachhaltig zu erschüttern und, wer am Existenzminimum herum krebst, mag noch nicht einmal mehr an sich selber glauben.

Dabei wollen wir doch so gerne glauben, auch wenn die meisten von uns sich das nicht eingestehen wollen, denn anders lässt sich die Tatsache der Vorschusslorbeeren für Gauck nicht erklären.

Wir wollen endlich wieder jemanden „beim Wort nehmen“ können!

So könnte der Themenkatalog des neuen BP, der aus Freiheit und Verantwortung besteht, noch um den Punkt Vertrauen erweitert werden, denn ohne Vertrauen ist alles nichts. Der Glaube und das Vertrauen darauf, dass ich eigenmächtig mein Leben gestalten kann, ohne dass mir aus Profit- und Machtgier unnütz Steine in den Weg gelegt werden. Nur wer an seine Zukunft glaubt und darauf vertraut, dass er auch eine hat, wird alles dafür tun, diese aktiv mitzugestalten.

Die allgemeine Unverbindlichkeit ist eine brüchige Hängebrücke, der man nur ungern sein Leben anvertraut und endloses herum lavieren war noch nie zielführend.

Nun also Gauck!

Erwarten wir gespannt seine Antrittsrede.