Europa: Euro | Griechenland >>Wir sind in der Krise<<

Ökokratie - Wir wählen die Falschen

in einer Wahl haben wir die chance die euro krise und die umwelt probleme in die richtige richtung zu lenken Viele Menschen haben längst erkannt, dass dieses „Weiter so“ kein Szenario der Freiheit ist, sondern eines des Zwangs: Jede einzelne Tonne Kohlendioxid und jede ausgestorbene Pflanzenart rauben uns Entwicklungschancen. Unsere ökologische aber auch wirtschaftliche und politischen Bewegungsfreiheit wird beim Business as usual immer enger. Es ist wie bei der Schuldenkrise. Nur dass man dort die Möglichkeit hätte, seine Schulden einfach nicht mehr zu begleichen. Unsere bisherige Bewirtschaftung der Welt zwingt uns dagegen, Ideen zur Sicherung des allgemeinen Überlebens zu entwickeln. Hier könnte der Verzicht, politisch zu gestalten auch bedeuten, dies als neuen Begriff für Freiheit zu deuten. Nämlich Freiheit von den Zwängen fossiler Energien, fossilen und ökologischen Schulden, von nationalen und internationalen Konflikten und auch Freiheit der Menschen, die irgendwo anders leben oder noch geboren werden sollen. Der Verzicht, politisch zu gestalten ist kein Verzicht auf Politik, sondern Verzicht auf Zwänge, die ein „immer weiter“ fordern und uns in enge Gefängnisse sperren.

Es gibt keine Bad-Banks für zerstörte Natur

An der Schuldenkrise sieht man sehr deutlich, welchen Kraftaufwand ein Umschwenken bedeutet. Man sieht aber auch, wie schwer es ist, Lösungen zu erarbeiten, wenn der Schaden erst einmal so groß ist und man selbst in dieser kleinen Gefängniszelle hockt, aus der man nun politische Entscheidungen zu treffen hat.Wenn es durch die Schuldenkrise zu einer Bankrotterklärung Griechenlands kommt, so stehen wir zudem vor einer ökonomischen und ökologischen Bankrotterklärung der Welt.

Da helfen die schönsten Nachhaltigkeitserklärungen nichts, wenn die Klimakrise durchschlägt. Es gibt keine Bad-Banks für verpestete Luft oder erwärmte Meere.Und es gibt auch keine ökologische Weltbank, die mit Krediten für frisches Naturkapital aushelfen kann. Wenn wir glauben, dass es nur einer guten Kombination von Ökologie und Ökonomie bedürfe, die mit gewohnten politischen Mitteln durchgesetzt werden müsste, bringen uns die sich daraus entstehenden Expertisen und Konsenssuchen einfach nur um. Statt eines verzweifelten wird es dann ein zertifiziertes Dahinsiechen sein. Warum wählen wir dann noch? Brauchen wir Regierungen und Konzernmanager, um denen die Schuld für unsere Misere in die Schuhe schieben zu können?

Kein besseres Übel wählen

An Griechenland ist zu erkennen, wie sich eine Gesellschaft unter Druck radikalisiert. Die Wirtschaftspolitik und die Finanzpolitik waren dort alles andere als nachhaltig. Doch wie können wir uns über Griechenland aufregen, wenn uns doch eine viel größere Katastrophe droht?

Es findet ein globaler Raubbau an den Grundlagen des Lebens statt. Es ist nicht nur der Verlust wertvollen Ackerbodens, nicht nur die Gefährdung der Wasserreserven, das Schwinden einer Artenvielfalt, die es nur noch in Fernsehdokumentationen zu bewundern gibt und auch nicht allein der fortschreitende Klimawandel. Die systemrelevanten Variablen unseres Lebens sind in uns – in unserem Denken, Verstehen und den daraus folgenden Handlungen. Da hilft keine Wahl eines besseren Übels. Der Konsens zwischen einem besseren und einem schlechteren Übel führt nie zu etwas Gutem. Die Treppe kann nur bergab gehen. Parteien- und Staatenpolitik legitimiert hier nur das Schlechte.

Wir begründen unser Sterben

Die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit unserer Demokratien wird immer lauter. Demokratie und Umweltschutz scheinen sich weniger zu ergänzen oder zu bedingen, wie wir es uns erhofft hatten. Gerade dort, wo entwickelte demokratische Strukturen herrschen, ist sind Ressourcenverbrauch und umweltschädigender Lebensstil die stärksten Zeugen falschen Handelns, dass nur auf ebenso falschem Denken und Verstehen beruhen kann. Wir denken und verstehen uns ins Grab. Und auf jedem Grabstein wird stehen: „Sie hatten eine Begründung“.

Umweltschutz als Placebo

Doch wäre so etwas wie eine Ökodiktatur besser? Demokratien sind viel flexibler und innovativer bei technischen und sozialen Erfindungen, als autoritäre Systeme. Natürlich nehmen autoritäre Systeme ihren Bürgern die Luft zum Atmen, doch das macht Demokratien nicht verantwortlicher oder umweltschonender. Kaum ein Politiker in Demokratien wagt es, Konsumenten und Wähler mit unbequemen Wahrheiten zu konfrontieren. Die Ökonomie jedoch herrscht in alle Lebensbereiche und wird fast kritiklos akzeptiert. Es sein denn, man hat sich von diesem System distanziert, geht nicht mehr zur Wahl und sucht alternative Wege zu Selbstversorgung. Damit ist jedoch nicht jedem geholfen. Heute kommt eine Bedrohung auf uns zu, die von einem Zuviel an ökonomischer Freiheit genährt wurde und noch wird. Die Verschmelzung von Demokratie und Wirtschaftssystem. Einher geht eine Vernichtung ökologischer Ressourcen, die nicht zukunftsfähig ist. Die Demokratie soll heute eine lebenswerte Zukunft sichern, die ihr Partner, eine kaum gezügelte Wirtschaft, gleichzeitig ruiniert. Für einen kurzen Moment – und das ist unsere heutige Zeit – ist dieses Einhergehen von Ruin und Flickschusterei ein lukratives Geschäft. Man könnte gut darin leben, wenn es nicht tödlich wäre. Auch eine Ökodiktatur brächte hier keine Lösung. Umweltschonend zu leben und dies zukunftsweisend und nachhaltig, kann nicht von oben diktiert werden. Im Denken und Verstehen ändert sich da nichts und somit wäre jede Handlung wie ein Placebo.

Keine Natur - keine Freiheit

Und doch müssen wir bedenken, dass unsere Regierungsform sehr flexibel ist. Sie hat das allgemeine Wahlrecht eingeführt, den Rechtsstaat, die Grundrechte und aus der karitativen Fürsorge entstand einmal ein Sozialstaat. Nun wäre der nächste Schritt fällig: Die Erkenntnis, dass zum nackten Überleben die bisherigen Spielregeln nicht ausreichen. Wir müssen uns eingestehen, dass die Natur uns klare physikalische Grenzen setzt. Somit wäre eine Kombination aus Demokratie und Ökologie – eine Ökokratie – denkbar. Die Sicherung natürlicher Lebensgrundlagen müsste dann genau so ernst genommen werden, wie ein globales Währungs- oder Tauschsystem entwickelt werden müsste; kein Euro, sondern ein Globo. Über allem stünde dann eine Art Weltfinanzbehörde, denen alle Staaten der Welt einen Teil ihrer Souveränität abgeben müssten. Die Staaten selbst hätten sich dann in einen Konsens mit dieser Öko-Weltbank zu fügen, dabei aber ihren Bürgern die Freiheit zu geben, in Gemeinschaften nach ökologischen Gesichtspunkten zu handeln. In solchen kleinen Gemeinschaften fördert das gemeinsame Handeln ein gemeinsames Umdenken.

Was kannst du für die Erde tun?

Während die Staaten nach ihrem ökologischen Handeln von der Öko-Weltbank subventioniert werden, oder bei Verstößen Subventionen verlieren können, müssen die bürgerlichen Gemeinschaften der Staaten an diesen Subventionen partizipieren. Ist das Undenkbar? Keineswegs, denn in der Finanzwelt geschieht so etwas bereits, wie man an Griechenland und bald noch mehr Staaten und Wirtschaftssystemen erkennt. Der negative Weg wird uns bereits gezeigt. Jetzt fehlt noch der Weg der Belohnung.

Wäre so eine Ökokratie dann nicht undemokratisch und würde sie nicht Menschen in ihrer Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit einschränken? Nun, da wäre sie nicht anders, als jede Demokratie. Demokratie kann ohne Einschränkung nicht leben. Doch was würde innerhalb dieser Gemeinschaften geschehen, wenn sich ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen auch im Denken durchgesetzt hätte und ein in diesen Gruppen wirklich nachhaltiges Handeln einhergehen würde? Würde das nicht sehr viel mehr Freiheit bedeuten und das ohne diesen totalitären Ansatz eines besseren Menschen per Gesetz?

Selbstbeschränkung ist notwendig und Demokratien dürfen sich nicht dadurch legitimieren, die Zukunftschancen für morgen schon heute zu verbauen. Es ist nun einmal eine große Gefahr, die auf uns zurollt. Und diese Gefahr lässt sich nicht mit Nacktscannern, Abhöraktionen oder Hausdurchsuchungen abweisen, die heute schon viel mehr die Freiheit einschränken, als eine ökologische Nachhaltigkeit es je tun wird. Nur – und das ist die Frage, die sich jeder stellen muss: Wem oder was kann ich dafür eine Wählerstimme geben? John F. Kennedy sagte in seiner berühten Antrittsrede:

„Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst“.

Heute müsste man sagen: „Frage, was du für die Erde tun kannst“. Denken, verstehen und handeln ist da vielleicht besser, als alle Verantwortung mit dem Wahlzettel in die Urne zu werfen.

Uwe Koch