Aktion für den Frieden - Bitte 20 Mio mehr vom Militär

Friedenserziehung – Der Zivile Friedensdienst

Aktion für den Frieden - Bitte 20 Mio mehr vom MilitärWeithin unbekannt ist eine neue Ausbildung für junge Leute, die vom Militärdenken wegkommen wollen: Mit Unterstützung des Ministerpräsidenten Johannes Rau gab es 1997 in Nordrhein-Westfalen den ersten Qualifizierungskurs zur Ausbildung sogenannter Friedensfachkräfte. Die Idee und der Lehrplan sind in der gewaltfreien und der Friedensbewegung entstanden und erarbeitet worden. Seit 1999 fördert die Bundesregierung den Zivilen Friedensdienst.

Nie zuvor hat es eine solche dramatische Wende zu gewaltfreier Konfliktbearbeitung gegeben! 40 zivilgesellschaftliche Träger schlossen sich im „Konsortium Ziviler Friedensdienst“ zusammen. Ihm gehören an die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), die Christlichen Fachkräfte International (CFI), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), EIRENE, Dienste in Übersee / Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) und der Weltfriedensdienst (WFD), das Forum Ziviler Friedensdienst und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). 2007 wurde das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) als Träger der Ausbildung von FriedensfacharbeiterInnen anerkannt.

In Projekten des ZFD arbeiten Hauptamtliche. Dies sind lebens- und berufserfahrene Frauen und Männer, die sich freiwillig zu einem solchen Einsatz bereit erklärt haben und über eine entsprechende Qualifikation in Konfliktbearbeitung verfügen. Diese kann vor ihrem Einsatz in einer mehrmonatigen Qualifizierung in ziviler Konfliktbearbeitung erworben werden. Sie erhalten ein Unterhaltsgeld, Sozialabgaben sowie Versicherungen nach dem Entwicklungshelfergesetz und können auch ihre Familien mitnehmen. In früheren Kriegsgebieten stehen neben der Aufarbeitung von Kriegstraumata vor allem die Herausbildung einer demokratisch orientierten Zivilgesellschaft und die Vermittlung gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien im Mittelpunkt. Einsatzfelder gibt es auch in Deutschland.

Die Ausstellung “Wir scheuen keine Konflikte“ wurde unter anderem in Schulen und Universitäten gezeigt und pädagogisch verarbeitet. Frieden in Konfliktregionen fördern – da denken viele zuerst an UN-Blauhelme oder Militäreinsätze. Es geht auch anders. Die Ausstellung zeigt, wie die Fachleute des ZFD in Niger zwischen Bauern und Viehzüchtern im Streit um Wasserstellen vermitteln. Oder wie sie israelische und palästinensische Jugendliche in Projekten zusammenbringen. Die Methoden ziviler Konfliktbearbeitung sind das Handwerkszeug der Friedensfachkräfte.

Die Ausstellung ist in vier Themengebiete gegliedert: Wissenswertes über den ZFD als Programm, Informationen zu den Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung, alles über die 4-monatige Ausbildung und Projektbeispiele der Träger. Sie besteht aus 15 Plakaten (70cm mal 100cm).

Unter [1] kann die Ausstellung kostenfrei angesehen und bestellt werden. Das Braunschweiger Friedenzentrum leiht sie gern kostenfrei aus und hilft beim Aufbau und einem Begleitprogramm. Zusätzlich zu den Postern wird ein „Werkzeugkasten zur Friedensförderung“ mitgeliefert, der im Unterricht eingesetzt werden kann. Er wurde entwickelt, um zivile Konfliktbearbeitung begreifbarer zu machen. Alltägliche Gegenstände wie beispielsweise eine Lupe werden herangezogen, um Ablauf, Methoden und zugrunde liegende Kompetenzen zu verdeutlichen.

So steht die Lupe für den ersten Schritt der Konfliktbearbeitung, die Konfliktanalyse, und damit für die Notwendigkeit, genau hinzusehen und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Die Inhalte des Werkzeugkastens sind natürlich symbolisch gemeint. Sie sollen die Arbeit des ZFD veranschaulichen. Der Kasten macht den Tätigkeitsbereich der Friedensfachkräfte lebendiger und die Schüler können sich besser in den Alltag des ZFD hineindenken. Gerade der so oft von der Schule geforderte Transfer von Wissen wird hier gefordert und gefördert. Das ist gute Pädagogik – Hilfe zum Selber-Denken geben! Durch die Versuche mit dem Werkzeugkasten lernen die Jugendlichen „im Spiel“ die Grundzüge der gewaltfreien Konfliktbearbeitung, indem sie sie selber erarbeiten.

In Braunschweig wurde die Ausstellung 2011 in der Integrierten Gesamtschule Franzsches Feld gezeigt. Nach 2009 war es die zweite Ausstellung über den ZFD in unserer Stadt; das erste Mal war eine Vorläuferin gemeinsam mit dem Institut für Sozialwissenschaften auf dem Campus Nord der TU präsentiert worden. Außerdem zeigten wir sie bei der bundesweiten Tagung „Zivilklausel für alle Hochschulen“ im Haus der Wissenschaft.

Eine direkte Folge war, dass sich eine Abiturientin der IGS für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Friedenszentrum bewarb. Eine Schulstunde mit den Mitarbeitern des Friedenszentrums hatte ihr Engagement für Friedensthemen geweckt. Sie wollte durch das FSJ, das das Friedenszentrum aus finanziellen Gründen leider nicht verwirklichen konnte, mehr Erfahrungen in diesem Bereich sammeln.

Die Kampagne des forumZFD „Bitte 20 Mio mehr vom Militär“ soll den ZFD finanziell stärken auf Kosten der weiterhin unsinnig hohen Investitionen ins Militär. Wird eine neue Regierung diese Forderung für sanftere Konfliktbearbeitung realisieren?

Daniel Gottschalk
Frieder Schöbel

[1] http://www.ziviler-friedensdienst.org/de/material/posterausstellung-wir-scheuen-keine-konflikte