Übersicht
Wer wird neuer Landrat im Landkreis Helmstedt? Nach der Kommunalwahl am 13. September 2026 treten Torsten Wendt von der CDU und Malte Schneider von der SPD am 27. September in der Stichwahl gegeneinander an. Im Rededuell der Braunschweiger Zeitung ging es um zehn Themen, die den Kreis unmittelbar beschäftigen: die angespannte Haushaltslage, den Strukturwandel, die medizinische Versorgung, Müllgebühren, Straßen und die Entwicklung neuer Gewerbeflächen. [1]
Die Aussagen zeigen an mehreren Stellen unterschiedliche Schwerpunkte. Schneider betont, dass Kommunen mehr finanziellen Spielraum und eine bessere Nutzung bereits versiegelter Flächen brauchen. Wendt setzt unter anderem auf Priorisierung, eine stärkere Projektbegleitung durch den Landrat und Medizinische Versorgungszentren.
Stichwahl im Landkreis Helmstedt: Das Ergebnis des ersten Wahlgangs
Im ersten Wahlgang erhielt Malte Schneider 37,7 Prozent der Stimmen. Torsten Wendt kam auf 25,3 Prozent. Tobias Stober von der AfD erreichte 19,4 Prozent, Einzelbewerber Martin Klein 17,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 66 Prozent; laut NDR waren alle 140 Wahlbezirke ausgezählt. Damit steht die Entscheidung zwischen Schneider und Wendt in der Stichwahl am 27. September an. [2]
| Kandidat | Partei beziehungsweise Status | Ergebnis |
|---|---|---|
| Malte Schneider | SPD | 37,7 Prozent |
| Torsten Wendt | CDU | 25,3 Prozent |
| Tobias Stober | AfD | 19,4 Prozent |
| Martin Klein | Einzelbewerber | 17,6 Prozent |
Zehn Themen aus dem Rededuell
Übersicht
- Umgang mit der AfD im Kreistag
- Hohe Schulden und knappe Gestaltungsspielräume
- Strukturwandel und das frühere Kraftwerk Buschhaus
- Ärztemangel: Förderprogramme und Medizinische Versorgungszentren
- Müllentsorgung, Gebühren und gelbe Tonnen
- Kreisstraßen: sanieren und Prioritäten setzen
- Hitzeschutz und Klimaanpassung
- Barrierefreiheit bei Kreistagssitzungen
- Gewerbegebiet Scheppau und Wirtschaftsförderung
- Führungserfahrung und Zusammenarbeit nach der Wahl
Umgang mit der AfD im Kreistag
Torsten Wendt bezeichnete das Wahlergebnis als demokratisch und sagte, es müsse anerkannt werden. Für die Arbeit im Kreistag erwarte er eine normale parlamentarische Auseinandersetzung. Zugleich wolle er sich für eine gute Zusammenarbeit der demokratischen Parteien einsetzen. Aus der vergangenen Wahlperiode berichtete Wendt, die AfD-Fraktion sei dort weder durch Anträge noch durch Wortbeiträge besonders aufgefallen.
Malte Schneider stellte weniger die Stärke der AfD-Fraktion in den Mittelpunkt als die Schwäche der etablierten Parteien. Diese müssten nach seiner Ansicht wieder mehr Menschen erreichen und Vertrauen zurückgewinnen. Die demokratischen Parteien sollten prüfen, ob sie ihre bisherige politische Richtung überzeugend vertreten.
Hohe Schulden und knappe Gestaltungsspielräume
Schneider verwies darauf, dass Bund und Land den Kommunen immer mehr Aufgaben übertrügen, ohne diese ausreichend zu finanzieren. Der Landkreis habe deshalb eine Klage auf den Weg gebracht. Er wolle sich dafür einsetzen, dass Kommunen wieder stärker selbst entscheiden können, welche Vorhaben sie umsetzen. Fördermittel dürften nicht darüber bestimmen, was vor Ort überhaupt möglich ist. „Wir müssen wieder Luft zum Atmen bekommen“, sagte Schneider.
Wendt erklärte, er habe die Klage des Landkreises mit initiiert. Ziel sei, beim Land höhere Schlüsselzuweisungen für die Kommunen zu erreichen. Eine mögliche Entlastung der Kreisumlage werde allerdings Zeit brauchen. Bis dahin müsse der Landkreis Prioritäten setzen. Wendt kündigte an, das Bauvolumen möglicherweise zu reduzieren, dafür aber verlässlicher zu bauen – besonders dort, wo bei Schulen dringender Handlungsbedarf besteht.
Strukturwandel und das frühere Kraftwerk Buschhaus
Wendt sprach sich für regelmäßige Informationsveranstaltungen aus, damit die Menschen besser nachvollziehen können, was beim Strukturwandel geschieht. Zugleich müsse der Landrat die einzelnen Projekte aktiv begleiten. Gewerbeflächen zu entwickeln, Planungsrecht zu schaffen und Flächen zu erschließen, dauere jedoch mehrere Jahre.
Schneider sagte, es werde bereits an vielen Stellen gearbeitet, auch wenn die Prozesse für die Öffentlichkeit nicht immer sichtbar seien. Für das frühere Kraftwerk Buschhaus sieht er nach dem Eigentümerwechsel neue Chancen. Sein Ziel sei, bereits versiegelte Flächen wieder für Industrie und Gewerbe zu nutzen, bevor zusätzliche Ackerflächen beansprucht werden. Für Standorte wie Scheppau oder Buschhaus West könne eine vorbereitete Planung sinnvoll sein – die tatsächliche Erschließung solle aber erst erfolgen, wenn es einen konkreten Bedarf gibt.
Ärztemangel: Förderprogramme und Medizinische Versorgungszentren
Beide Kandidaten halten die Sicherung der hausärztlichen Versorgung für eine wichtige Aufgabe. Schneider verwies auf ein Förderprogramm der Stadt Schöningen. Nach seinen Angaben seien darüber bereits zwei Ärzte unterstützt worden; für zwei weitere sei eine Förderung vorgesehen. Auch der Landkreis habe ein eigenes Programm, um Ärztinnen und Ärzte für eine Niederlassung zu gewinnen. Falls solche Maßnahmen nicht ausreichten, müsse man über Medizinische Versorgungszentren und regionale Versorgungszentren nachdenken.
Wendt unterstützt ebenfalls das Förderprogramm des Landkreises, setzt aber zusätzlich auf MVZ. Sie könnten Ärztinnen und Ärzte von einem Teil der Verwaltungs- und Organisationsarbeit entlasten. Der Landkreis entwickle gemeinsam mit der Kreiswohnungsbaugesellschaft ein mögliches Projekt in Helmstedt. Außerdem wolle Wendt dem Kreistag ein Medizinstipendium vorschlagen, verbunden mit der Verpflichtung, anschließend im Landkreis zu arbeiten.
Der Blick auf die aktuelle KVN-Bedarfsplanung unterstreicht, warum das Thema für Helmstedt relevant ist: Der hausärztliche Versorgungsgrad liegt im Planungsbereich Helmstedt bei 83,7 Prozent. Zum Vergleich: Braunschweig kommt auf 105,3 Prozent und Wolfsburg auf 91,6 Prozent. Auch die Umlandbereiche werden separat ausgewiesen: Braunschweig-Umland liegt bei 96,9 Prozent, Wolfsburg-Umland bei 85,0 Prozent. [3]
Hausärztlicher Versorgungsgrad in Helmstedt und den benachbarten Planungsbereichen. Quelle: KVN, Fortschreibung vom 11. August 2026.
Note
Die Werte sind keine einfache Einwohner-pro-Arzt-Zählung und sagen nicht unmittelbar aus, wie lange Patientinnen und Patienten auf einen Termin warten. Die KVN berechnet den Versorgungsgrad für unterschiedlich große Planungsbereiche anhand festgelegter Bedarfsrelationen. Hausärzte werden kleinräumiger geplant als spezialisierte Fachärzte. Helmstedt liegt unter dem rechnerischen Bedarf, wird in der aktuellen KVN-Aufstellung aber nicht als formal unterversorgter Planungsbereich geführt. [3] [4]
Für den Landkreis stellt sich damit die praktische Frage, wie Förderprogramme, MVZ und regionale Zusammenarbeit so kombiniert werden können, dass neue Hausärztinnen und Hausärzte gewonnen und bestehende Praxen entlastet werden. Das betrifft nicht nur Helmstedt und Schöningen, sondern auch die umliegenden Gemeinden.
Müllentsorgung, Gebühren und gelbe Tonnen
Wendt sprach sich dafür aus, bei der Müllentsorgung verschiedene Lösungen zu ermöglichen. Eine gelbe Tonne könne in dicht bebauten Ortszentren mehr Platzprobleme verursachen als in Dörfern. Auch die Gebührenstruktur müsse im Kreistag beraten werden. Wichtig sei, dass der Gebührenhaushalt kostendeckend bleibe. Außerdem solle die Verwaltung ihre Dienstleistungen weiter digitalisieren. Wendt nannte als Beispiel Änderungen bei Mülltonnen oder Bankverbindungen, die online beantragt werden könnten.
Schneider stellte die gewichtsabhängige Abrechnung infrage. Sie könne aus seiner Sicht dazu beitragen, dass Müll illegal entsorgt werde, wenn die Kosten als zu hoch empfunden würden. Auch die Gebühren für die Anlieferung von Hausmüll am Standort Buschhaus seien gestiegen. Eine gelbe Tonne befürwortet Schneider; sie sollte seiner Ansicht nach im Sommer alle zwei Wochen geleert werden.
Kreisstraßen: sanieren und Prioritäten setzen
Zur Sanierung der Kreisstraßen sprach Schneider sich für eine Prioritätenliste aus. Der Landkreis müsse erfassen, welche Straßen besonders dringend erneuert werden müssen. Je nach Zustand könne eine Oberflächenmaßnahme genügen oder ein grundhafter Ausbau erforderlich sein. Ein Straßenkataster mit dem geplanten Zeitpunkt der nächsten Maßnahme könne für mehr Übersicht sorgen.
Im vorliegenden Transkript ist zu dieser Frage nur Schneiders Antwort enthalten. Eine Position Wendts lässt sich daraus nicht verlässlich wiedergeben.
Hitzeschutz und Klimaanpassung
Wendt möchte bei Schulbau und Neubauten stärker auf Begrünung achten. Versiegelte Schulflächen könnten aufgelockert, Dächer begrünt und neue Gebäude mit einer passenden Klimatechnik ausgestattet werden. Er verwies dabei auch auf die Nutzung erneuerbarer Energien.
Schneider nannte Entsiegelung, Schatten und Wasser als wichtige Maßnahmen. Er kritisierte, dass beim Sportcampus Julianum eine Gelegenheit zur Entsiegelung des Schulhofs verpasst worden sei. Neben Schulhöfen sollten auch große Betonflächen, Parkplätze und Marktplätze in den Blick genommen werden. Trinkbrunnen könnten an Schulen und in Innenstädten helfen, mit Hitzeperioden umzugehen.
Barrierefreiheit bei Kreistagssitzungen
Schneider sagte, politische Beteiligung dürfe nicht davon abhängen, ob jemand gut zu Fuß ist. Sitzungsräume des Landkreises müssten deshalb barrierefrei erreichbar sein. Digitale Übertragungen könnten eine Ergänzung sein, ersetzten aber nicht die Möglichkeit, persönlich an Sitzungen teilzunehmen.
Wendt verwies auf einen neu eingebauten Fahrstuhl im Kreishaus. Die Räume, in denen Kreistagssitzungen stattfinden, seien nach seiner Aussage barrierefrei erreichbar.
Gewerbegebiet Scheppau und Wirtschaftsförderung
Wendt sprach sich für eine starke Wirtschaftsförderung in Helmstedt und mehr Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aus. Wenn Betriebe gemeinsame Wertschöpfungsketten hätten, könnten daraus weitere Ansiedlungen entstehen. Für Scheppau könne er sich insbesondere Forschung und Entwicklung sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig vorstellen. Auch Existenzgründungen sollten unterstützt werden.
Schneider betonte erneut den Vorrang bereits versiegelter Flächen wie Buschhaus. Für Scheppau könne der Landkreis vorsorglich Baurecht schaffen, um später handlungsfähig zu sein. Eine tatsächliche Bebauung solle aber erst erfolgen, wenn bestehende Industrieflächen genutzt seien und konkreter Bedarf bestehe.
Führungserfahrung und Zusammenarbeit nach der Wahl
Schneider verwies auf seine sechseinhalbjährige Arbeit als Bürgermeister von Schöningen und seine frühere Tätigkeit als Rechtsanwalt. Er sei in der Region verwurzelt und traue sich die Führung der Kreisverwaltung zu. Eine Zusammenarbeit mit Wendt könne er sich unabhängig vom Wahlausgang vorstellen. Was er bei einer Niederlage beruflich mache, wolle er zunächst mit seiner Familie besprechen.
Wendt verwies auf seine Erfahrungen im Katastrophenschutz, in kommunalen Leitungsfunktionen und als Erster Kreisrat. Führung bedeute für ihn auch, Vertrauen aufzubauen und Führungskräfte weiterzuentwickeln. Sollte er die Stichwahl verlieren, wolle er zunächst Erster Kreisrat bleiben; seine Amtszeit dauere voraussichtlich noch rund drei Jahre.
Was beim Rededuell deutlich wurde
In mehreren Themenfeldern liegen die Unterschiede weniger im Ziel als im vorgeschlagenen Weg. Beide Kandidaten wollen die medizinische Versorgung sichern, setzen aber unterschiedliche Akzente: Schneider nennt kommunale Förderprogramme und eine mögliche Prüfung von MVZ, Wendt verbindet MVZ mit einem konkreten Projektansatz in Helmstedt und einem geplanten Stipendienmodell.
Beim Strukturwandel und bei Gewerbeflächen stehen sich vor allem Tempo, Vorbereitung und Flächenschutz gegenüber. Wendt will Projekte stärker begleiten und mögliche Ansiedlungen vorbereiten. Schneider betont, zuerst vorhandene Industrieflächen wie Buschhaus zu nutzen und neue Flächen möglichst lange zu schonen.
Entscheidend wird sein, welche Vorschläge sich nach der Wahl angesichts knapper Finanzen, langer Planungsverfahren und des Fachkräftemangels tatsächlich umsetzen lassen. Die Stichwahl am 27. September entscheidet, wer diese Vorhaben als Landrat verantworten wird.
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Quellen
| [1] | Braunschweiger Zeitung: „Wer wird Landrat in Helmstedt? Das Rededuell zur Stichwahl“, Video. URL:https://www.braunschweiger-zeitung.de/video/article413219338/wer-wird-landrat-in-helmstedt-das-rededuell-zur-stichwahl.html |
| [2] | NDR Niedersachsen: Wahlergebnis und Stichwahl im Landkreis Helmstedt. URL:https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/kommunalwahl/kommunalwahl-niedersachsen-2026,kommunalwahlergebnisse-100~_wahl-6801.html |
| [3] | (1, 2) Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen: Bedarfsplanungsbeschluss Hausärzte, Fortschreibung vom 11. August 2026. URL:https://www.kvn.de/media/Mitglieder/Zulassung/Bedarfsplanung/Bedarfsplanung_%2BLandesausschuss_%2BBeschluss%2B%C2%A7%2B11%2BHaus%C3%A4rzte_%2Bonline%2Bbereitgestellt%2Bam%2B11_08_2026.pdf |
| [4] | Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen: Erläuterungen zur Bedarfsplanung. URL:https://www.kvn.de/Mitglieder/Zulassung/Bedarfsplanung.html |
Note
Redaktioneller Stand: 23. September 2026. Die Stichwahl findet am 27. September 2026 statt. Wahlergebnis und Einstieg nach der Wahl aktualisieren. Die Aussagen aus dem Rededuell sind überwiegend zusammengefasst. Für längere wörtliche Zitate bitte die jeweilige Passage direkt im Video gegenhören.
