fischerei Nachrichten & Informationen

Wissenschaftler halten EU-Fangquotenbeschränkung für unzureichend

EU-Fischereirat

Die am Donnerstag von den EU-Fischereiministern beschlossenen Beschränkungen beim Kabeljaufang für 2007 gehen Wissenschaftlern nicht weit genug. "Der Wiederaufbauplan für den Kabeljaubestand in der Nordsee wird weiter schlecht gemanagt", meint der Leiter des Instituts für Seefischerei in der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei, Siegfried Ehrich, der Nachrichtenagentur ddp. "Wir befinden uns erst am Anfang eines richtigen Weges, damit die eingeleiteten Maßnahmen in einigen Jahren richtig greifen." Das deutsche Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bezeichnete die Einigung der Minister hingegen als "Erfolg".

Politik, Wirtschaft und Verbraucher sollen Artensterben im Meer stoppen

Fischfang

Der Umweltverband WWF zeigt sich besorgt über die Ergebnisse einer von kanadischen Wissenschaftlern im Magazin "Science" veröffentlichten Studie. Der Report sage den Kollaps aller wirtschaftlich genutzten Fischbestände bis 2048 voraus - wenn die Menschen die Ozeane weiter wie bisher plünderten. Als Gründe nennen die Autoren Überfischung, Verschmutzung, Zerstörung der Lebensräume und den Klimawandel. Die bislang umfassendste globale Studie zum Artensterben in den Meeren bestätige Untersuchungen des WWF. In ihrem jüngst veröffentlichten Living Planet Report hat die Naturschutzorganisation bei 1.112 Populationen von 274 Meeresarten zwischen 1970 und 2003 einen Rückgang der Bestände um über 25 Prozent ermittelt.

"Die Thunfischbestände im Mittelmeer stehen kurz vor dem Zusammenbruch"

Subventionierung der Fischereiflotte

"Die Thunfischbestände im Mittelmeer stehen kurz vor dem Zusammenbruch" – Das war die dramatische Botschaft einer Anhörung des Fischerei-Ausschusses des Europaparlaments, die am 12. September stattfand. Fischereiexperten, Umweltschützer und Branchenvertreter waren sich offenbar einig darin, dass dringender Handlungsbedarf bestehe: Die jährliche Fangmenge von 50.000 Tonnen müsse halbiert werden, um eine Regenerierung der Bestände zu gewährleisten. Die EU habe in den vergangenen Jahren den Fischfang durch die Subventionierung der Fischereiflotte gefördert. Jetzt wird über neue Subventionen für die Verkleinerung der Flotten diskutiert.

"Die Piraten sitzen im Herzen Europas"

Fischerei

Illegale Fischerei bedroht nach Auffassung der Artenschutzorganisation WWF die Tunfisch-Bestände im Mittelmeer und im Ostatlantik. Laut WWF fangen die Flotten der Europäischen Union, insbesondere Frankreichs, weit größere Mengen, als die offiziellen Quoten erlauben. Auch Libyen und die Türkei ignorierten die Höchstgrenzen. Der begehrte Rote Tunfisch (Thunnus thynnus) werde vor allem für die Trendspeise Sushi verarbeitet. Die Preise lägen bei über 150 Euro pro Kilo. "Tunfisch ist damit ähnlich lukrativ wie Kaviar." Der wichtigste Markt sei Japan, aber auch Deutschland zähle zu den Abnehmern. "Piraterie kommt leider nicht nur in Geschichtsbüchern vor. Die Kriminellen sitzen im Herzen Europas. Sie plündern mit dem Tunfisch einen der wertvollsten Schätze der Ozeane", meint Heike Vesper vom WWF. Die Organisation fordert einen sofortigen Fangstopp, "bis ein Plan zur Wiederherstellung der Bestände ausgearbeitet ist".

"Illegale" Fischerei soll Bestände des Störs bedrohen

Echter Kaviar

Der Handel mit Kaviar und anderen Produkten von wild lebendem Stör ist für dieses Jahr untersagt worden, wie die Umweltorganisation Greenpeace auf ihrer Internetseite berichtet. Als Grund wird von CITES - der UN-Konvention für den Handel mit bedrohten Arten - unter anderem die hemmungslose Wilderei angegeben. Illegale Fischerei habe die Bestände des Störs, besonders im Kaspischen Meer, bereits bedrohlich dezimiert.

Greenpeace prangert "illegale Fischfangflotte" im Rostocker Hafen an

Grundschleppnetze

Greenpeace-Aktivisten kennzeichneten am Montag im Rostocker Hafen fünf Fischtrawler als "illegal". Die Umweltschützer beschrifteten den Rumpf der rund sechzig Meter langen Schiffe und forderten die Bundesregierung auf, "die Piratenfischer" festzulegen. Der Grund für die Aktion: Im Hafen von Rostock werden nach Darstellung der Umweltschutzorganisation die Trawler derzeit fit für die nächste Saison gemacht, obwohl die Europäische Union und internationale Fischereiorganisationen sie als illegale Fischer gelistet hätten. "Die Trawler halten sich seit Jahren nicht an internationale Fischereiabkommen und zerstören mit ihren Grundschleppnetzen die Fischbestände und die Unterwasserwelt im Atlantik", so Greenpeace.

Geschäft mit der illegalen Fischerei bringt eine Milliarde Euro pro Jahr

Fisch-Piraterie

Die florierende Piraterie auf den Weltmeeren stelle eine zusätzliche Bedrohung für zahlreiche Fischbestände dar und untergrabe die Bemühungen, die Bewirtschaftung der Meere nachhaltiger zu gestalten. Dies sind die Ergebnisse einer neuen Studie, die der WWF, die Regierung Australiens und die Internationale Transportarbeiterförderation ITF am Mittwoch in Genf vorgelegt haben. Der jährliche Marktwert der illegalen Fischerei beträgt fast eine Milliarde Euro. Das gesetzlose Geschäft auf hoher See gehe immer wieder mit schweren Menschrechtsverletzungen einher. Schätzungsweise 15 Prozent der Hochsee-Fangflotten segelten unter Billigflaggen oder unter nicht identifizierbaren Bannern, die ihnen eine perfekte Tarnung und die Umgehung internationaler Kontrollen ermöglichen.

Fischfarmen oder nachhaltige Befischung in Afrika?

Wichtige Nahrungsquelle

Afrikas Fischfangindustrie steckt wegen zunehmender Überfischung offenbar in einer tiefen Krise. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Erträge aus dem Fischfang signifikant nach unten gegangen. Einige Wissenschaftler sehen im Aufbau kleiner Fischfarmen eine Lösung des Problems. Greenpeace meint hingegen, man könne nur den Verbrauch in der EU herunterschrauben und die Gewässer nachhaltig befischen. Außerdem seien die Fischfangflotten der EU mit Schuld an der Misere.

Umweltsiegel in der Fisch-Truhe

Bestanderhaltende Fischerei

Der World Widelfe Fund (WWF) weist darauf hin, dass es Supermarkt- kunden jetzt möglich, eine bestandserhaltende Fischerei zu fördern. WWF empfiehlt beim Kauf von Alaska-Seelachs auf das blaue Siegel des Marine Stewardship Council (MSC)zu achten. Der Marine Stewardship Council wurde 1997 auf Initiative des WWF und des Lebensmittelkonzerns Unilever gegründet. Seit 1999 ist der MSC eine unabhängige Organisation mit Sitz in London, die weltweit Fischereien nach Umweltverträglichkeitskriterien zertifiziert.

Tiefsee-Fische durch Schleppnetzfischerei stark bedroht

2004 mehr als neue 100 Fischarten entdeckt

In den Ozeanen sind in diesem Jahr mehr als 100 bisher unbekannte Fischarten entdeckt worden. Die Zahl der Artenfunde nehme ständig zu, sagte der Leiter des Deutschen Ozeanographischen Datenzentrums, Friedrich Nast, am Montag auf der internationalen Tagung "Ocean Biodiversity Informatics" in Hamburg. In den regionalen Datenzentren sei die Rekordmarke von fünf Millionen Einträgen überschritten worden. Die Umweltorganisation WWF warnte derweil davor, dass die entdeckten Tiefseefische vielerorts bereits massiv durch den Verlust ihres Lebensraums bedroht seien.

"Leben ist kein Abfall" - Tote Meerestiere werben für Schutzgebiete

Fischereipolitik

Mit mehreren tausend toten Meerestieren protestierten Greenpeace-Aktivisten am Dienstag auf dem Marienplatz in München gegen die derzeitige Fischereipolitik und für die Einrichtung von Meeresschutzgebieten in Nord- und Ostsee. Die Umweltschützer präsentierten die toten Tiere auf Tischen vor dem Rathaus, unter einem Banner mit der Aufschrift: "Leben ist kein Abfall". Die Demonstration in München ist Teil der Meeresschutz-Kampagne, an der insgesamt sechs europäische Greenpeace-Büros beteiligt sind.

Beobachter auf Fangschiffen für Thunfisch bestochen

"Delfinsicher gefangen"

Auf mexikanischen Fangschiffen werden Beobachter bestochen, um Thunfischfänge als "delfinsicher gefangen" zu deklarieren. Wie die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) berichtet, drücken offizielle Beobachter an Bord von Tunfischfangschiffen für 10.000 US-Dollar pro Einsatzfahrt die Augen zu. Die US-Regierung habe von den Bestechungsvorgängen schon seit Jahren gewusst, kritisert die Organisation. In einer internen Notiz habe ein Biologe der zuständigen US-Fischereibehörde 1999 über die Bestechungsvorgänge berichtet. Nach Aussagen eines auf mexikanischen Tunfischfangschiffen beschäftigten Fischers "hatten diese zwar immer Beobachter an Bord, aber jeder in der Flotte wusste, dass die Beobachter regelmäßig geschmiert wurden, um Falschaussagen über den Ablauf der Fangfahrt zu machen."

Seevögel abhängig von menschlicher Fischerei

Beifang

Zahlreiche Seevögel ernähren sich vom Beifang der menschlichen Fischerei. Ein plötzlicher Fangstopp könne daher die Bestände seltener Vögel gefährden. Das ergab eine Untersuchung der Universität Jena. Die Forscherin Simone Pfeiffer hatte von 1986 bis 2002 unter der Leitung des Wissenschaftlers Robert W. Furness von der Universität Glasgow die Populationen von Vögeln auf der Shetland-Insel Foula untersucht. Das Ergebnis: "Fischer machen mehr Beute, als ihnen bewusst ist. Denn ihre Fangmenge beeinflusst auch das Fressverhalten der Seevögel", erklärt die Expertin.

EU-Parlament spricht sich für Maßnahmen zum Delfin- und Walschutz aus

Tierschutz

Die WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society, und Greenpeace begrüßen die heutige Zustimmung des Europäischen Parlaments zu einem Verordnungsentwurf, der den Schutz von Kleinwalen in EU Gewässern wesentlich verbessert. Danach soll die Treibnetzfischerei in der Ostsee verboten werden. Mit akustischen Scheuchvorrichtungen (Pingern) sollen die Tiere von den Netzen abgehalten werden. Zudem soll die Zahl der Beobachter auf Fischerbooten erhöht werden. Damit unterstützt das EU-Parlament den von der EU-Kommission im Juli 2003 präsentierten Vorschlag, mit dem der unbeabsichtigte Fang von Walen und Delfinen im Nordostatlantik reduziert werden soll und fordert darüber hinausgehende Maßnahmen.

Kiesabbau bedroht Meerestiere

Lebensraum zerstört

Umweltschützer warnen für einer neuen Gefahr für das Leben im Meer: Kiesabbau. Maschinen saugten in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee jährlich über drei Millionen Kubikmeter Sand und Kies vom Meeresboden. Damit würden wertvoller Lebensraum zahlreicher Arten weit über die Abbauflächen hinaus vernichtet werden. Umweltverbände befürchten, dass sich der Meeresgrund von diesem Raubbau nicht mehr erholt und das Ökosystem Meer darunter leidet, da der Kie eine Reinigungswirkung für das Ökosystem hat. "Wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden.", so Gisbert Jäger vom Umweltschutzverband Hohe Tied.

Delfine im Nordostatlantik vor dem Aussterben

Fischerei

Zerstörerische Fischereipraktiken bringen Delfine im Nordostatlantik an den Rand des Aussterbens. Dies geht aus dem Bericht "The Net Effect" hervor, der von der WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS), für Greenpeace verfasst und am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Mehr als zehntausend Kleinwale verenden nach Angaben der Umweltschutzorganisation jährlich in Fischernetzen in europäischen Gewässern. Besonders betroffen seien der Gemeine Delfin und der Schweinswal aber auch Atlantische Weißseitendelfine, Große Tümmler und Grindwale.

Halbherziger Beschluss der EU-Minister vereitelt Kabeljauschutz

Fischerei

Die EU-Fischereiminister haben heute den ersten Schutzplan für die in der Nordsee bereits zusammengebrochenen Kabeljaubestände beschlossen. Damit wurde jedoch nur ein scheinbarer Durchbruch in der EU-Fischereipolitik erreicht. Zwar soll durch den Wiederaufbauplan der drastisch gefährdete Kabeljaubestand jedes Jahr um 30 Prozent anwachsen, aber gleichzeitig wurde heute entgegen der wissenschaftlichen Empfehlung eine Fangquote von 27.000 Tonnen für das Jahr 2004 festgesetzt. Der wissenschaftliche Rat zur Erforschung der Meere (ICES) hatte empfohlen, die direkte Fischerei auf Kabeljau ganz einzustellen.

Ölrausch im Naturparadies - norwegische Fördertürme vor den Lofoten wären fatal

Energie

Die norwegische Regierung will nach Informationen des WWF vor der Küste der Lofoten nach Öl bohren lassen. Sie ignoriere damit die Warnungen des Norwegischen Meeresforschungsinstituts (Havforskningsinstiuttett) und der Staatlichen Umweltagentur (Statens Forurensnings Tilsyn), die die Regierung beraten. Für den WWF zeichnet sich damit eine "fatale Fehlentscheidung" ab, weil eine "Schatzkammer der Artenvielfalt" wirtschaftlichen Interessen geopfert werde.

EU-Initiative gegen Walfang

Delphine im Netz

Die Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS), begrüßt die von der EU Kommission am gestrigen Donnerstag vorgestellte Initiative, gegen den fortwährenden Beifang von Delfinen und Schweinswalen in Fischernetzen vorzugehen. Die Organisation fügte aber hinzu, dass es weit mehr Anstrengungen bedürfe, um das Problem wirklich zu lösen. Tausende Delfine und Schweinswale verendeten jährlich auf Grund der intensiven Fischereiaktivitäten in europäischen Gewässern. Dadurch werde nicht nur das Überleben von Wal- und Delfinpopulationen gefährdet, sondern den Meeressäugern auch unermessliches Leid zugefügt.

Dorschbestand in Neufundland erholt sich nicht

Überfischung

Trotz zehnjähriger Pause hat sich der Bestand an Dorschen in den Fischgründen vor der Küste Neufundlands und im Golf von St. Lawrence nicht erholt. Die Regierung in Ottawa hat aus diesem Grund einen weiteren Fangstopp angekündigt, berichtet das Magazin Enviromnent News Service. Die Fischgründe stellten im Jahr 2000 einen wirtschaftlichen Wert von rund 14,5 Millionen Euro dar, zehn Jahre zuvor lieferten sie noch Erträge von mehr als 102 Millionen Euro. Die kanadische Regierung hat daher angekündigt, dass sie mit einem Hilfsfonds den Gemeinden, die vom Ende der Dorschfischerei betroffen sind, helfen werde. Knapp 28 Millionen Euro wolle die Regierung in den kommenden zwei Jahren an Entwicklungshilfe zahlen. Unter anderem sollen arbeitslos gewordene Fischer umgeschult werden. Darüber hinaus würden Wissenschaftler die Gründe für den massiven Schwund der Dorschbestände erforschen. Umweltschützer kritisierten den Entschluss als „zu spät gefasst".