Bahnfahren

Stiftung Warentest bilanziert DB-Preissystem

Die Stiftung Warentest hat am Donnerstag ihre Bilanz zum neuen Tarifsystem der Deutschen Bahn vorgestellt. Hauptschwachpunkte seien nach ihrer Einschätzung die Preise außerhalb des Plan&Spar Rabattes. Dazu müssen Hin- und Rückfahrt verbindlich 7 Tage vorher gebucht werden und eine Nacht von Samstag zu Sonntag dazwischen liegen. Für diese Offerte gibt es aber nur begrenzte Kontingente. Gerade auf attraktiven Strecken werde dieses von der Bahn auf mindestens zehn Prozent der Plätze bezifferte Kontingent oft ausverkauft sein. Auch Familien seien entgegen der Bahnwerbung längst nicht immer die großen Gewinner der Tarifreform.

Sind die Kinder älter als 14 Jahre, stiegen die Preise gegenüber dem alten ICE-Familiensparpreise, der Kinder bis 17 Jahre einbezog, generell an. Sei kein Plan&Spar-Angebot verfügbar, nähmen die Kosten für die Fahrt mit zwei Kindern gegenüber dem bisherigen Sparpreis sogar bis auf 171 Prozent zu. Bisher gab es eine Familienbahncard mit 50 Prozent Rabatt für alle Kinder, für die Kindergeld gezahlt wurde, bis zum 27. Lebensjahr. Jetzt ist nur noch bis zum 17. Lebensjahr über die Eltern eine eigene Bahncard für eine Bearbeitungsgebühr von fünf Euro erhältlich.

Wird ein gebuchter Zug verpasst, muss nicht nur die Differenz zum teureren Normalpreise bezahlt werden, sondern auch eine Umtauschgebühr von 45 Euro je Fahrtrichtung.

Ebenfalls schlechter weg kämen Alleinerziehende mit einem Kind unter sechs Jahre. Im Nahbereich bis 180 Kilometer, wo Plan&Spar-Tarife selten nutzbar sind, verteuerten sich die Tickets drastisch - im Schnitt um fast 50 Prozent. Selbst bei Nutzung der Spartarife gebe es kleine Einsparungen meist erst bei Langstrecken ab 450 Kilometern. Ähnlich gehe es alleinreisenden Erwachsenen. Da der Bahncard-Rabatt wird halbiert wird, treffe es am stärksten gelegentliche Pendler, für die sich Streckenzeitkarten nicht lohnen. Außerdem gelten im Regionalexpress die Plan&Spar-Sonderpreise nicht, wenn sich nicht irgendwo bei der Reise ein ICE, EC oder IC einreiht.

Für eine weitere Preiserhöhung sorge die Bahn damit, dass sie Preiswerte blau-weiße Interregio-Züge (IR) umgespritzt und als rot-weiße IC-Züge wieder einsetzte, auf den selben Strecken zu weit höheren Preisen. Für Bahncard-Kunden könnten sich die Preise damit im Vergleich um bis 102 Prozent erhöhen.

Kritisch betrachtet die Stiftung Warentest auch die Bahncomputer. Nach Fernverbindungen zwischen Hamburg und Erfurt befragt, spucke er zehn verschiedene Preise zwischen 54,00 und 80,80 Euro aus.

Positiv werden hingegen die Angebote für Kleingruppen hervorgehoben. Hier könnten sich Rabatte addieren, da jeder Mitfahrer 50 Prozent Rabatt erhält. Dazu kommen 25 Prozent Bahncard-Rabatt und – soweit verfügbar - Plan&Spar-Sonderpreise. Auf mittleren und langen Strecken könnten so Kleingruppen zwischen 21 und 40 Prozent billiger reisen als mit bisherigen Spartarifen.

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