Fischerei

Halbherziger Beschluss der EU-Minister vereitelt Kabeljauschutz

Die EU-Fischereiminister haben heute den ersten Schutzplan für die in der Nordsee bereits zusammengebrochenen Kabeljaubestände beschlossen. Damit wurde jedoch nur ein scheinbarer Durchbruch in der EU-Fischereipolitik erreicht. Zwar soll durch den Wiederaufbauplan der drastisch gefährdete Kabeljaubestand jedes Jahr um 30 Prozent anwachsen, aber gleichzeitig wurde heute entgegen der wissenschaftlichen Empfehlung eine Fangquote von 27.000 Tonnen für das Jahr 2004 festgesetzt. Der wissenschaftliche Rat zur Erforschung der Meere (ICES) hatte empfohlen, die direkte Fischerei auf Kabeljau ganz einzustellen.

"Mit dieser Fangmenge ist mehr als zweifelhaft, ob der Kabeljau gerettet werden kann. 27.000 Tonnen umfassen zudem nur das, was an Land gezogen wird, gefangen wird sehr viel mehr und anschließend als Beifang bereits tot oder sterbend zurück ins Meer geworfen. Der Wiederaufbauplan wird nicht zum Wiederaufbau führen, die Minister machen sich mit dieser Entscheidung selbst etwas vor", sagt Heike Vesper, Fischereiexpertin vom WWF (World Wide Fund For Nature).

Auch die Entscheidungen des Ministerrats über die Fangmengen für die anderen Fischbestände in der EU sind eine herbe Enttäuschung. Keines der zugrunde liegenden Prinzipien der neuen Fischereipolitik für mehr Nachhaltigkeit wurde von den Ministern in 2003 umgesetzt. "Mit den Beschlüssen dieser letzten Fischereiratssitzung haben die Minister auch ihre letzte Chance vertan, die Wende einzuläuten", resümiert Heike Vesper.

Der WWF fordert die EU-Minister seit Jahren auf, unverzüglich konkrete und umfassende Maßnahmen gegen die Überfischung zu beschließen. Dazu gehören konsequente Rettungspläne für alle überfischten Bestände, Abbau der Überkapazitäten der EU-Fischereiflotte, Vergabe von Subventionen nur für nachhaltige Fischereien und Vermeidung des ungewollten Beifangs von Meerestieren wie z.B. von Schweinswalen.

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