Scharfe Kritik an Migrationspolitik
"Cap Anamur"-Mitarbeiter kommen frei
Das Schicksal der inhaftierten "Cap Anamur"-Mitarbeiter war in Deutschland mit gemischten Gefühlen verfolgt worden. Während das Entwicklungsministerium, die Organisation Pro Asyl und viele Zeitungs-Kommentaroren die jüngste Rettungsaktion des Schiffes "Cap Anamur" als humanitäre Aktion würdigten, zeigte das Bundesinnenministerium Verständnis für die italienischen Behörden, die überprüfen wollten, ob die 37 Afrikaner möglicherweise illegal nach Italien eingeschleust wurden.
Pro Asyl äußerte sich erleichtert über die Freilassung und fügte hinzu, es hätte nie zu einer Inhaftierung kommen dürfen. "Der Versuch, Zivilcourage und humanitäres Handeln zu kriminalisieren und zu diffamieren, bleibt ungeheuerlich", kritisierte ein Sprecher der Organisation.
Pro Asyl ging auch scharf mit der Migrationspolitik der Europäischen Union (EU) ins Gericht. Vorstandsmitglied Heiko Kauffmann sagte, nach Schätzungen seiner Organisation seien in den vergangenen zehn Jahren mehr als 5.000 Menschen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, im Mittelmeer ums Leben gekommen. Diese Zahl sei noch vorsichtig kalkuliert, denn es müsse von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgegangen werden. Es sei eine förmliche Abriegelung des Kontinents organisiert worden - maßgeblich mitkonzipiert von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD).
Dem deutschen Innenminister warf Kauffmann vor, sowohl die Helfer als auch die Flüchtlinge auf der "Cap Anamur" zu "kriminalisieren". Die Äußerungen Schilys sind nach Ansicht des Pro-Asyl-Vorstandsmitglieds "skandalös" und geeignet, "Guantanamo und Abu Ghreib möglich zu machen".
Unterdessen ging der Gründer der Hilfsorganisation "Cap Anamur", Rupert Neudeck, auf Distanz zu der umstrittenen Aktion im Mittelmeer. Die 37 Afrikaner "mit drohender Gebärde an der Küste Siziliens in einen italienischen Hafen zu zwingen", habe der Glaubwürdigkeit von "Cap Anamur" sehr geschadet, sagte er. Neudeck betonte: "Mit dem Credo der Cap Anamur, die ich gegründet habe, hat das Unternehmen, was wir jetzt portionsweise vorgeführt bekommen, nichts zu tun." Nun gehe es darum, "Vertrauen der Bevölkerung in die klassische Rettungsorganisation Cap Anamur wieder herzustellen."
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Am 16. Jul. 2004 unter:
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