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Zusatzstoffe machen Zigaretten erst genießbar und erhöhen Krebsrisiko

Künast will Verbotsliste

Ohne sie wäre für viele Raucher wahrscheinlich nach dem ersten Zug bereits Schluss. "Ohne Dutzende Zusatzstoffe wie Gewürze, Fruchtextrakte, Zucker, Öle, Fette und Harze würden Zigaretten wie 'Räubertabak' schmecken - bitter, beißend", erklärt der Heidelberger Krebsforscher Heinz Walter Thielmann. Die Zusatzstoffe dürfen in Deutschland dem Tabak legal beigemischt werden. Noch. Denn in der Politik bewegt sich nun etwas.

Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) hat bereits am Dienstag eine Liste der Zusatzstoffe im Internet veröffentlicht. Ein Expertengremium soll dazu unter ihrer Federführung prüfen, welche Zusatzstoffe bei der Verbrennung des Tabaks giftige Substanzen freisetzen oder dazu beitragen, Raucher süchtig zu machen.

Die Bundesregierung setzt mit ihrer Initiative zum einen eine entsprechende EU-Richtlinie um. Zum anderen scheinen die Stimmen allmählich Oberwasser zu bekommen, die vor den im Vergleich zu den Tabaksteuereinnahmen des Staates viel höheren volkswirtschaftlichen Folgekosten des Rauchens warnen. "Von jährlich 210.000 Krebstoten in Deutschland sind rund ein Drittel auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen", rechnet Krebsforscher Thielmann vor. "Wissenschaftliche Studien belegen inzwischen, dass die Zigarette langfristig zwischen einem Drittel und der Hälfte ihrer Konsumenten tötet."

Und damit die Raucher nicht von der Stange gehen, so die Kritiker, werden eben Zusatzstoffe beigemischt. Ermöglicht hat dies die am 20. Dezember 1977 verabschiedete Deutsche Tabakverordnung. Seitdem werden Zigaretten geschmacklich regelrecht 'designt'. Die Tabakverordnung lässt bis zu 600 Einzelsubstanzen und chemisch nur vage definierte oder völlig undefinierte Gemische zu, die über zehn Prozent des Gesamtgewichts einer Zigarette ausmachen können. Die Hersteller leugnen dies bislang. "Es gibt buchstäblich für jeden Geschmack eigene Mixturen", sagt Thielmann. Für 'echte Männer' werden rustikalere Rezepturen angeboten, für junge Mädchen wird unter anderem viel Zimt und Vanille beigemischt. Außerdem werden Stoffe wie Menthol zugesetzt, die beim Einatmen spürbare, aber eher angenehme Reize auslösen und dadurch das eigentliche Schmerz- und Reizempfinden überlagern. "Sie wirken quasi wie ein leichtes Betäubungsmittel. Sonst würden die meisten Raucher ganz erbärmlich husten", erklärt Thielmann.

Hauptgrund für das zusätzliche Gesundheitsrisiko sind chemische Prozesse, die beim Verbrennen des Tabaks (Pyrolyse) entstehen. "Die Zusatzstoffe bilden bei der Erhitzung auf 600 bis 900 Grad häufig krebserzeugende (kanzerogene) Substanzen wie Formaldehyde, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Epoxide und Nitrosamine, wie sie auch bei gegrilltem Fleisch entstehen.

Schon lange fordern deutsche Krebsforscher und Rechtsexperten ein sofortiges Verbot der krebserzeugenden und krebsverdächtigen Zusatzstoffe in Zigaretten. Der Hamburger Wirtschaftsrechtler Michael Adams mahnt von der Bundesregierung gesetzgeberische Konsequenzen an. Die Tabakverordnung, die derartige Zusatzstoffe erlaube, sei rechtswidrig, weil der Schutz der Verbraucher nicht gewährleistet sei. "Zum anderen ist die Hinzufügung gesundheitsschädlicher Stoffe eine strafbare Handlung", betonte Adams. Nach seinen Worten ist eine Anklage gegen die Tabakkonzerne wie in den USA "nicht mehr vermeidbar".

Eine Arbeitsgruppe von Experten unter Ägide des Künast-Ministeriums soll sich inzwischen an die eigentliche Arbeit machen und die Zusatzstoffe, welche erwiesenermaßen krebserregend sind oder im Verdacht dazu stehen herausfinden. Entsprechende Verbote sollen folgen. Doch wann in Deutschland die gefährlichen Zusatzstoffe nicht mehr beigemengt werden dürfen, ist noch nicht klar. Angesichts von 4800 zu untersuchenden Stoffen, von denen inzwischen 80 als krebserzeugend erkannt sind, dürfte die Arbeit ein bis zwei Jahre dauern.

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