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Scholl-Latour bezeichnet Terrornetzwerk Al-Qaida als "Mythos"

"Erfunden" und "hochgespielt"

Der Islam-Experte Peter Scholl-Latour sagte im Gespräch mit der "Neuen Presse", das Terrornetzwerk Al-Qaida sei "eher ein Mythos, den die Amerikaner hochgespielt haben, der im Irak und der gesamten arabischen Welt aber keine so große Rolle spielt." Scholl-Latour bestritt auch, dass der offenbar von den USA getötete Abu Mussab el Sarkawi Chef von Al-Qaida im Irak gewesen sein soll: "Ich weiß nicht, wer das erfunden hat. Das ist Unsinn." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete die Nachricht vom Tod des Terroristenführers hingegen als Erfolg im "Kampf gegen den Terrorismus". US-amerikanische Soldaten sollen angeblich ein Massaker an iraktischen Zivilisten verübt haben.

Der Tod von el Sarkawi wird nach Auffassung von Scholl-Latour nichts an der Gewalt im Irak ändern. "Das anzunehmen, ist absolut töricht", so Scholl-Latour. "Sarkawi war kein besonders frommer Moslem, er war ein Killer, und als solcher hat er auch im Irak gegolten. Ein besonders grausamer und widerlicher Bandenführer, aber nicht repräsentativ für die Widerstandskämpfer oder die religiösen Truppen. Am Problem ändert sein Tod nichts." El Sarkawi werde nicht annähernd so verehrt wie Osama bin Laden.

Weiter sprach sich der Publizist für einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak aus: "Ich denke mittlerweile: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wenn solche Dinge bekannt werden wie das Massaker von Haditha -­ und es wird noch mehr bekannt werden ­-, schüren die Amerikaner nur noch mehr Hass. Befrieden können sie im Irak nichts mehr."

US-Amerikanische Soldaten sollen im irakischen Haditha ein Massaker an irakischen Zivilisten verübt haben. Der Sender CNN hat am Donnerstag Bilder gezeigt, wonach ein Teil der 24 getöteten Männer, Frauen und Kinder angeblich aus nächster Nähe in ihren Häusern erschossen worden sein sollen.

Merkel: Erfolg im "Kampf gegen den Terrorismus"

Bundeskanzlerin Merkel wertete die Nachricht vom Tod al-Sarkawis als Erfolg im "Kampf gegen den Terrorismus". Es sei eine gute Nachricht, dass Sarkawi sich nicht mehr als Drahtzieher menschenverachtender Anschläge betätigen könne, sagte Merkel am Donnerstag während einer Gelöbnisfeier für Bundeswehrrekruten auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße.

BND-Präsident Ernst Uhrlau warnte nach dem Tod vor "Euphorie". Die Handlungsfähigkeit zumindest von Teilen des internationalen Terrornetzwerks sei nicht nachhaltig beeinträchtigt, sagte Uhrlau dem Berliner "Tagesspiegel". Dennoch sei die Bedeutung von Sarkawis Tod nicht hoch genug einzuschätzen. Sarkawi habe mit seiner Gewalttätigkeit weltweit das Interesse der Medien auf sich gezogen und über eine enorme Anziehungskraft auf die islamistische Terrorszene verfügt.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) geht von einer "erhöhten abstrakten Gefahr" für Deutschland aus. Die Tötung Sarkawis sei "ein zusätzliches Mosaik im bestehenden Bedrohungsszenario", sagte Beckstein den "Stuttgarter Nachrichten".

Dagegen sagte der Terrorismusexperte Berndt Georg Thamm der Zeitung: "Sarkawis Haupteinflussgebiet war die Golfregion. Vergeltung wird eher dort stattfinden und nicht bei uns in Europa, in Deutschland oder bei einer Weltmeisterschaft."

Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Eliminierung Sarkawis treffe die Al-Qaida härter, als es die Festnahme ihres Anführers Osama bin Laden wäre. "Während bin Laden nur noch als Motivator und Impulsgeber fungiert, war Al-Sarkawi der Aktivist des Widerstands, der sich nicht nur auf das Schlachtfeld Irak konzentrierte, sondern auch zahlreiche Terrorgruppen bis nach Europa und Deutschland beeinflusst hat", betonte der Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik.

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