"Politischer Kompromiss auf niedrigem Niveau"

Kurzfassung des UN-Klimaberichts soll "wahre Gefahr" verschleiern

Die Kurzfassung des vergangene Woche veröffentlichten neuen UN-Klimaberichts verschleiert nach Ansicht eines der Autoren der Studie das wahre Bedrohungspotenzial durch den Temperaturanstieg. Nur "die Spitze des Eisbergs" der drängenden Fakten zum Klimawandel seien in die jetzt beschlossene Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger eingegangen, behauptet der Umweltwissenschaftler der Universität Kassel, Joseph Alcamo.

Die 15 Seiten umfassende Zusammenfassung entstand aus dem gut 1400 Seiten dicken Expertenbericht der zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC). Nach Ansicht des Kasseler Experten, der zu den Hauptautoren des Kapitels über die Folgen des Klimawandels in Europa gehört, stellt die Kurzfassung einen "politischen Kompromiss auf niedrigem Niveau dar".

Laut Alcamo ist der Klimawandel in Europa bereits deutlich sichtbar. Erkennen könne man die Veränderungen am Abschmelzen der Gletscher in den Alpen, in der Tier- und Pflanzenwelt sowie an der Hitzewelle des Jahres 2003, die in Europa 35.000 Todesopfer gefordert habe. Die Zahl heißer Tage werde in Mitteleuropa weiter zunehmen, falls sich der Klimawandel nicht verlangsame, vermutet der Wissenschaftler.

Für Deutschland bedeute dies trockenere Sommer und einen erhöhten Druck auf die Wasserressourcen. Im Winter sei hingegen eine Zunahme an Überschwemmungen zu befürchten. Bis 2080 könnten bis zur Hälfte aller europäischen Pflanzenarten im Bestand gefährdet sein.

Um den Klimawandel zu verlangsamen, müssten die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert werden, forderte Alcamo. Bei jedem größeren Bauprojekt sollten die Folgen für das Klima einkalkuliert werden. Es gelte gleichwohl, nicht in Panik zu verfallen, sondern überlegt zu handeln.

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