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Im Atomkraftwerk Krümmel sank bereits der Wasserstand im Reaktordruckbehälter

Kritik an Vattenfall

Nach dem tagelangen Brand im Atomkraftwerk Krümmel gerät dessen Betreiber Vattenfall Europe zunehmend in die Kritik. Nach Angaben der Reaktoraufsicht war es bei der Schnellabschaltung nach dem Trafo-Brand am 28. Juni "durch ein unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter" gekommen, in dem sich die Brennelemente befinden. Außerdem war eine von mehreren Speisewasserpumpen ausgefallen. Offenbar hat man gerade noch mal Glück gehabt: "Es war trotzdem jederzeit genügend Wasser über den Brennstäben", sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer.

Umweltverbände werfen dem Unternehmen ungenügende Informationspolitik vor. Der Konzern wirke unglaubwürdig, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen, kritisierte die Umweltorganisation BUND. Dass, wie von Vattenfall behauptet, zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe, sei angesichts der jüngst bekannt gewordenen Störungen zu bezweifeln. Sowohl Vattenfall als auch das Kieler Sozialministerium als Reaktoraufsichtsbehörde wiesen die Vorwürfe am 4. Juli zurück.

Vattenfall Europe hat die Behörde nach Unternehmensangaben bereits am Donnerstag über Auffälligkeiten bei der Abschaltung des Atommeilers in Kenntnis gesetzt. "Wir haben die Öffentlichkeit sofort über den Trafo-Brand und die Schnellabschaltung des Kraftwerks informiert", sagte Geschäftsführer Bruno Thomauske in Hamburg. Das Unternehmen habe der Aufsichtsbehörde ordnungsgemäß Auffälligkeiten im Ablauf unmittelbar gemeldet.

Thomauske war einst als Beamter beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Genehmigung der neuen Standort-Zwischenlager tätig und wurde anschließend Manager der Atomindustrie.

Die Umweltorganisation BUND warf dem Konzern vor, unglaubwürdig zu wirken, wenn erst jetzt zugegeben werde, dass der Zwischenfall schwerer gewesen sei als angenommen. Der Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein unterstellte den Betreibern eine Verharmlosung des Unfalls.

Die beiden Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel waren am Donnerstag vergangener Woche abgeschaltet worden, nachdem es zunächst in Brunsbüttel einen Kurzschluss gegeben hatte. Dabei kam es zu einem Schwelbrand an der Turbine. Knapp zwei Stunden später brach auf dem Gelände des KKW Krümmel in einem Transformatorgebäude ein Feuer aus. Nach Angaben von Vattenfall hatte ein Kurzschluss im Transformator dort Öl entzündet. Brunsbüttel ist seit Sonntagnachmittag wieder am Netz.

IPPNW: Gefährliche Fehlkonstruktion in deutschen Atomkraftwerken Nach Angaben der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW besteht in 12 deutschen Atomkraftwerken ein erhöhtes Risiko für gefährliche Brände im Reaktorgebäude innerhalb des Containments (Sicherheitsbehälter), weil sich dort ungünstigerweise große Ölbehälter befänden. Das Öl sei erforderlich, um die Hauptkühlmittelpumpen zu schmieren, die den Primärkreislauf der Atomkraftwerke umwälzten. Die Anordnung dieser Ölinventare innerhalb des Containments sei nach Auffassung der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) aus brandschutztechnischer Sicht nachteilig, teilte die Organisation unter Berufung auf ihr vorliegende Informationen mit.

Von dem Problem betroffen sind laut IPPNW die Siedewasserreaktoren Krümmel, Brunsbüttel, Philippsburg-1, Gundremmingen B, Gundremmingen C und Isar-1 sowie die Druckwasserreaktoren Biblis B, Unterweser, Neckarwestheim-1, Grohnde, Brokdorf und Philippsburg-2. Nach Auffassung der Organisation handelt es sich dabei um eine "gefährliche konzeptionelle Fehlkonstruktion" dieser von Siemens errichteten Anlagen.

Aus brandschutztechnischer Sicht sei darüber hinaus auch der Umstand äußerst nachteilig, dass offenbar in 11 deutschen Atomkraftwerken PVC-Kabel innerhalb des Containments verlegt wurden. Besonders gefährdet seien dadurch die Anlagen Krümmel, Brunsbüttel, Philippsburg-1, Gundremmingen B, Gundremmingen C, Isar-1, Biblis A, Biblis B, Unterweser, Neckarwestheim-1 und Grohnde.

Die GRS weise außerdem auf Alterungsprozesse bei den Kabelisolierungen hin. In alten Atomkraftwerken müsse daher mit einem deutlich erhöhten Risiko von Kurzschlüssen und Kabelbränden gerechnet werden.

In allen deutschen Atomkraftwerken stellen den Angaben zufolge Brände eine große Gefahr dar, weil die Löschanlagen nicht automatisch aktiviert würden. So müssten die Löschanlagen manuell ausgelöst werden. Wenn sich dann die Löschflüssigkeiten über die sensiblen elektrotechnischen Einrichtungen ergießen würden, könne nicht ausgeschlossen werden, dass es gerade durch den Löschvorgang zum Versagen von Sicherheitssystemen komme, warnt die IPPNW. Die GRS spreche daher von einem "Zielkonflikt", der bei einem Brand im Containment bestehe. Laut IPPNW kann es aus den verschiedensten Gründen zu Bränden kommen. Eine besondere Gefahr stellen nach Einschätzung der Organisation menschliche Fehler bei Wartungsarbeiten dar. Im März 1994 beispielsweise brannte den Angaben zufolge in Biblis A innerhalb des Containments der Motor einer Hauptkühlmittelpumpe, weil es aufgrund eines bei Wartungsarbeiten in dem Motor vergessenen Stahlmeißels zu einem Kurzschluss gekommen war. In Biblis B sei es im März 2003 wegen Wartungsarbeiten zu einem Schwelbrand innerhalb des Containments gekommen.

Der Umstand, dass jetzt im Atomkraftwerk Krümmel ein Transformator tagelang brannte, zeigt nach Auffassung der Atomkritiker, "dass diese Technik nicht beherrschbar ist". Schon morgen könne es in Europa zu einem zweiten Tschernobyl kommen.

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