"Der Prototyp für Gorleben säuft ab"

"Task Force" als Antworft auf Pannen im Atommülllager Asse

Wegen der ans Licht gekommenen Pannen im niedersächsischen Atommülllager Asse soll jetzt eine "Task Force" das Konzept zur geplanten Schließung des mit radioaktiven Abfällen gefüllten Salzbergwerks prüfen. Darauf verständigten sich am Dienstag (24. Juni) in Berlin Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei einem Krisentreffen mit Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). Zudem will sich der Bundestag am Donnerstag auf Antrag der Grünen in einer Aktuellen Stunde mit dem Fall beschäftigen. Die "Task Force" solle sowohl die notwendigen rechtlichen Genehmigungen für das künftige Verfahren als auch Fehler im bisherigen Betrieb klären, hieß es.

"In der aktuellen Situation haben wir keine Gefahr für Mensch und Umwelt", sagte Gabriel. Es gehe vielmehr darum, "dass unsere Kinder und Enkel keine Schäden davontragen". Den Bericht soll die Expertengruppe, der auch Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz angehören werden, im Sommer erarbeiten.

Schavan sagte, ohne dies zu begründen, das Thema Asse eigne sich nicht für politischen Streit. Der Vorfall sein kein Grund, vom Unions-Vorschlag einer verlängerten Nutzung von Kernenergie abzurücken.

Der niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner plädierte in Hannover dafür, die Asse-Aufklärung noch vor der Sommerpause fortzusetzen. Zwar schließe man die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Landtag nicht aus, wolle jedoch mit der weiteren Aufklärung nicht bis zum Herbst warten. Der Umweltausschuss müsse notfalls "in der Sommerpause durchtagen", forderte er.

Derweil protestierten Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood vor der Schachtanlage Asse II. Sie forderten, alle Maßnahmen für die Standsicherheit des einsturzgefährdeten Bergwerks zu ergreifen. Es müsse die Möglichkeit offengehalten werden, den eingelagerten Atommüll wieder zurückzuholen. Asse habe zeigen sollen, dass auch der Salzstock in Gorleben als Endlager tauge, sagte der Energieexperte der Organisation, Dirk Seifert. Das Ergebnis sei eindeutig. Es gebe "keine sichere Endlagerung des Atommülls".

"Der Prototyp für Gorleben, das Bergwerk Asse II, säuft ab", sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Es müssten jetzt ehrliche Konsequenzen gezogen werden. Gorleben komme wegen des fehlenden Deckengebirges zur Abschirmung von Wasser als Atommülldeponie nicht in Frage.

In dem Forschungsbergwerk Asse ist radioaktive Salzlauge festgestellt worden, die die zulässigen Grenzwerte mehrfach überschreitet. In Asse II lagern mehr als 125.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll. Das Schließungskonzept für das Bergwerk sieht eine Flutung der Anlage vor. Das muss nach Ansicht von Kritikern verhindert werden. Sie plädieren wegen der aus ihrer Sicht unsicheren Lagerbedingungen für eine Rückholung des Atommülls.

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