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Mobbing – ein Roman?

Mobbing nicht bei uns - nur woanders

Bei dem Thema „Mobbing“ erwartet man ja eigentlich ein Sachbuch – ein Buch, gefüllt mit Tabellen, Gerichtsurteilen und klugen Ratschlägen, wie das allgegenwärtige: “Nehmen Sie sich einen Anwalt“. Ein solcher Anwalt kommt in dem vorliegenden Roman auch tatsächlich vor, lässt allerdings eigene Geistesblitze und einen spürbaren Einfluss auf das Geschehen vermissen. Der Rat des unbeholfen wirkenden Juristen, im Frankfurter Dialekt gehalten, deckt sich inhaltlich mit den Erfahrungen vieler Mobbing – Opfer: Man soll die erstbeste angebotene Abstandszahlung samt einem Zeugnis akzeptieren, denn vor allem das Zeugnis ist nach einer Zeit des Leidens ja ganz wichtig.VON SEDIKA WEINGÄRTNER

Der Held des Romans, Egon, ist bei einem großen Pharmakonzern namens „Turm und Brücke“ in Frankfurt beschäftigt. Dieser Konzern kauft sich, wie erst gegen Ende der Erzählung klar wird, in Amerika ein, gibt aber der deutschen Öffentlichkeit und den Mitarbeitern gegenüber an, man würde nur ein strategisches Standbein in den USA erwerben. Da kommt es aber anders…

Die Herren der Geschäftsleitung (auch in dieser Geschichte gibt es auf dieser Ebene keine einzige Frau) behalten natürlich ihre Jobs, während die Posten der tatsächlichen Leistungsträger entweder abgeschafft, oder mit Personen besetzt werden, die von den Produkten, die sie herstellen, prüfen oder vertreiben sollen, keinerlei Ahnung haben. Egon, dessen Ehe vor Kurzem gescheitert ist, befindet sich zum Zeitpunkt des Beginns der Erzählung in einer Lebensphase des ziellosen Umbruchs, zwischen Whiskey, Stöffsche (= Apfelwein), einer Wochenendbeziehung, einer heimlich verehrten Kellnerin, sowie einer guten Bekannten, die er gegen Ende der Geschichte als ´Frau fürs Leben’ ins Auge fasst, wobei es gerade diese Dame ist, die ihm zum Abschied die Augen über die ‚globalen’ Hintergründe und die weitreichenden Folgen einer solchen „strategischen“ Fusion öffnet.

Hier hat der Autor eine deutliche Anlehnung an Mata Hari vollzogen, denn auch die Dame seines Romans bezog ihre Informationen von ihren diversen Bekanntschaften aus den entsprechenden Kreisen. Wenn auch die psychologisch sehr gut nachvollziehbaren und damit glaubwürdig dargestellten Versuche Egons, sowohl sein Privatleben als auch sein Berufsleben in irgendeine Ordnung zu bringen, gerade wegen der ‚betriebsbedingten’ Bedrohung seiner Existenz und daraus resultierender Schieflage seiner Perspektive in unbarmherziger Konsequenz zum Scheitern führen müssen, so gelingt es ihm immerhin, beim Personalleiter eine höhere Abstandssumme zu erzielen. Doch ein Happy End, das im Grunde genommen als Akt der Befreiung, als Ergebnis einer in seinem Inneren gereiften Wandlung zu werten ist. Der Personalleiter bringt die Papiere persönlich zu Egon, man unterzeichnet und lässt die Sektkorken knallen. Hier merkt man, dass die Erzählung doch etliche Jahre früher spielt, als heute – wenn sie sich überhaupt in der letzten Phase so abgespielt hat. Andererseits:

Ein Ende ist möglich; sogar für einen Protagonisten, der mehrfach mit dem Gedanken an den Tod spielt. Gerade die erste Hälfte des Romans verlangt dem primär am Thema Mobbing interessierten Leser ein deutliches Quantum an Geduld ab. Man fragt sich, wann denn endlich das Mobbing kommt. Ein Suffkopf aus seelischer Not, der sich nicht einmal zwischen seinen halben und virtuellen Amouren entscheiden kann und ständig über Sinn und Unsinn von Glauben, Politik und Geschichte grübelt, was hat das mit Mobbing zu tun? Der Autor erzählt die Geschichte stets in der dritten Person, auch dann, wenn Selbstreflexionen Egons zur Sprache kommen. Dies führt dazu, dass der Leser die scheinbar stereotyp ablaufenden ersten Tage der Geschichte aus einer Distanz beobachtet, welche sich dann mehr und mehr reduziert; nämlich, sobald der Leser merkt, dass auch die persönlichen Gedanken, Träume, Mutmaßungen, Befürchtungen und Hoffnungen Egons nach wie vor unpersönlich berichtet werden, aber unmöglich der kühlen Beobachtung eines außen stehenden Dritten entstammen können. Dadurch erreicht der Autor, dass der Leser überhaupt in die Lage versetzt wird, die in der letzten Phase des Romans geschilderten Ereignisse mitzuerleben, sie sich, auch wenn der Leser kein Mobbing - Opfer ist, in einem höherem Grade zu eigen zu machen, als dies bei der Lektüre eines Sachbuchs der Fall wäre.

Nach der Lektüre dieses Romans wird ein Mobbing - Opfer sagen: ‚Ja, genau das habe ich auch erlebt. Auch ich musste mitten in der deutschen Demokratie, mitten in einem abgewrackten Sozialstaat erkennen, wie wertlos die Leistung, die Menschenwürde, selbst die Existenz eines Einzelnen ist. Auch mir drängten sich – wie Egon – Parallelen zu beiden Deutschen Diktaturen auf.' Der bislang von Mobbing unbehelligte Leser hingegen wird durch die zunächst scheinbar langwierige Einführung in die Situation Egons über den Weg des Fühlbaren, Empfindlichen zum Verständnis dessen geführt, was so salopp Mobbing heißt, das es laut den Täterfirmen gar nicht gibt, weswegen es trotzdem staatliche Einrichtungen gibt, die sich bisher so stark für die Opfer (die es natürlich nicht gibt) eingesetzt haben, dass von dieser Seite niemals ein Ergebnis für die Opfer erzielt worden ist.

Hier übertrifft die Realität die Kunst (soviel „zum ethischen Verfall der Gesellschaft“). Für die Täter, für die Außenstehenden, für die Nicht-Betroffenen ist Mobbing nur ein Märchen, eine bequeme Erfindung von Leuten, die lieber Geld einklagen, als es mit „echten Leistungen“ zu verdienen, die Arbeit scheuen, da jeder weiß, dass „wer arbeiten will, auch Arbeit findet“. Der Roman „Nicht mit mir !“ versetzt den Leser in die Realität der heutigen Arbeitswelt, jenseits von den standardisierten Sprüche der Freundchen der „Leistungsträger“.

Anm. der Red.:

Dem Autor des Buches sind seine SPD-Freude und SPD-Beziehungen wichtiger als Gesicht zu zeigen. Daher hier nun einige Buchtipps zu anderen Mobbing Sachbüchern. Ohnehin besser als ein Roman. Die nackte Wahrheit mit wertvollen Tipps!

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