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Grüne Woche Berlin: Kampfschweine attackieren Bauernverband

Demo in Berlin gegen Agrarindustrie

Bauernverband wird angegriffen. Grüne Woche ProtestaktionEin Meer aus grünen, gelben und weißen Fahnen flatterte im eisigen Ostwind, als 25.000 Menschen aus ganz Deutschland am 19. Januar gegen Gift, Gülle und Gentechnik protestierten. „Wir haben Agrarindustrie satt!“ Unter diesem Motto hatten Umwelt- und Dritte-Welt-Verbände, Biobauern, Imker, Vegetarierinnen, Tierschützerinnen, Landfrauen und andere ihre Leute mobilisiert, um während der Grünen Woche und der Agrarministerkonferenz in Berlin Flagge zu zeigen für eine andere Landwirtschaft, eine andere Ernährung. Sie kamen mit Hunderten von Bussen aus Franken und Schwaben, aus Hessen und Westfalen, aus Brandenburg und Niedersachsen – ländliche Regionen deutlich in der Überzahl.

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Viele Schilder der Demonstranten erinnerten an lokale Aktionen gegen riesige Schweine- oder Hähnchenmastanlagen in Niedersachsen und anderswo, die gerade mithilde milliardenschwerer Subventionen neu errichtet werden, und die Anwohnern und eingesessenen bäuerlichen Betrieben die Luft zum Atmen nehmen. Naturschützer von BUND und NABU beklagen den dramatischen Artenschwund auf monotonen Maisäckern, den Verlust von abwechslungsreichem Grünland, die Überdüngung von Bächen, Flüssen, Nord- und Ostsee durch Gülle und Kunstdünger. Der BUND präsentierte Hunderte von Fahnen, auf denen Kampfschweine und Kampfhennen ihre rosa Boxhandschuhe gegen die Großmäster und Obertierquäler schwangen.

Brandenburger Umweltschützer bedienten sich beim Maler Carl Spitzweg und kopierten dessen berühmtes Gemälde „Brandenburger Sonntagsspaziergang“ auf ein Transparent – mit kleinen Änderungen: Die Gesichter der Bauernfamilie verschwinden hinter grünen Gasmasken, und unten am Feldrand liegen die leeren Pestiziddosen, deren Inhalt die warme Sonntagsluft verpesten. Tierschützer trugen Fotos von der grausamen Tierquälerei in Legebatterien mit dem Spruch: „Sage keiner, er habe nichts davon gewusst!“

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Bei der Abschlusskundgebung vor dem Bundeskanzleramt rief der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger: „Der Bauernverband soll das Wort Bauern nicht mehr in den Mund nehmen!“ Er warf der Verbandsführung vor, die Interessen wirklich bäuerlich arbeitender Betriebe mit Füßen zu treten und ausschließlich agrarindustrielle Großbetriebe zu vertreten, die mit milliardenschweren Subventionen eine weltweite Dumpingpreiskampagne gegen nachhaltig arbeitende regionale Produzenten finanzierten. Weiger forderte die Bundesregierung auf, ihre Blockade gegen den Agrarreformvorschlag der EU-Kommission aufzugeben. Dabei gehe es darum, in den nächsten Jahren 300 Milliarden Euro Subventionen nicht mehr wie bisher vor allem an die größten Flächenbesitzer, sondern an die Betriebe zu verteilen, die die meisten Arbeitsplätze bereitstellten und die größten ökologischen Leistungen vollbrächten.

Unser Korrespondent Jens Jürgen Korff live aus Berlin

Fotograf ist Peter Franzeck (Herford)

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