Alle Ruanda-Angeklagten schuldig gesprochen

Belgien

Wegen der Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Völkermords in Ruanda hat ein Brüsseler Geschworenen-Gericht die vier Angeklagten, darunter zwei Nonnen, schuldig gesprochen. In dem dem ostafrikanischen Land waren 1994 rund 800.000 Menschen, Angehörige der Tutsi-Minderheit und gemäßigte Vertreter der Hutu-Mehrheit, ermordert worden.

Zu dem Prozess in Belgien kam es, weil dort 1993 ein Gesetz verabschiedet wurde, das belgische Gerichte bei Verletzungen des internationalen Rechts für zuständig erklärt. Menschenrechtsverletzungen dürfen auch dann in Belgien geahndet werden, wenn die Beschuldigten nicht Belgier sind und die fraglichen Verbrechen im Ausland begangen.

Der Ruanda-Prozess läuft seit rund acht Wochen. Die vier Angeklagten leben in Belgien. Die Brüsseler Richter hatten 200 Zeugen geladen.

Den Angeklagten Vincent Ntezimana, Alphonse Higaniro und den katholischen Ordensschwestern Gertrude und Maria Kisito wird eine maßgebliche Beteiligung an dem Völkermord zwischen April und Juli 1994 zur Last gelegt. Die Nonnen sollen maßgeblich an den Massakern im Kloster von Sovu teilgenommen haben, bei denen in drei Phasen mehrere Tausend Menschen ermordet wurden.

Dem ehemaligen Industrieminister Higaniro wird vorgeworfen, die Beschäftigten seiner Streichholz-Fabrik zur Tötung von Angehörigen der Tutsi-Volksgruppe angehalten zu haben. Der Universitätsprofessor Ntezimana soll eigenhändig neun Menschen ermordert und Listen mit Todeskandidaten unter seinen Kollegen angefertigt haben.