Prozess gegen Ex-Chef der Berliner Volksbank wegen Betrug eröffnet

Bankmanagement

Vier Jahre nach Anklageerhebung hat am Dienstag vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Berliner Landgericht das Verfahren gegen den ehemaligen Vorstandschef der Berliner Volksbank Ulrich Misgeld begonnen. Dem 52-Jährigen wird gemeinschaftlicher Betrug und Untreue im Zusammenhang mit zwei in Schieflage geratenen geschlossenen Immobilienfonds zur Last gelegt. Neben ihm auf der Anklagebank sitzen zwei weitere ehemalige leitende Mitarbeiter der Bank sowie zwei frühere Manager der Bauträgergruppe Euwo Holding AG, darunter Ex-Vorstand Peter Schiansky.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, von Juli 1993 bis März 1996 mehr als 650 Anleger der Immobilienfonds Tabakmoschee Dresden und Dienstleistungszentrum Spandau um 66,5 Millionen Euro geprellt zu haben. Sie sollen dabei nicht nur von der Wertlosigkeit der Fonds, sondern auch von der Überschuldung der Euwo- Gruppe Kenntnis gehabt haben. Trotz der finanziellen Notlage der Euwo sollen neue Konten eröffnet und Fonds angeboten worden sein.

Mit der Gewährung immer neuer Kredite hätten die drei Bankmanager den Betrug erst ermöglicht. Zudem wird ihnen der Vorwurf der Untreue gemacht. Die Bankmanager seien auf Grund ihres Handelns für die Regressforderungen der Anleger verantwortlich. In Hochglanzprospekten sollen die Anleger über die Solidität der Euwo- Unternehmensgruppe getäuscht worden sein, in dem mit Fertigstellungsterminen, Mieteinnahmen und Festzinsen geworben wurde.

Am ersten Verhandlungstag kam es noch nicht zur Verlesung der Anklageschrift. Die Verteidiger forderten die Unterbrechung der Verhandlung, um die Gerichtsbesetzung zu überprüfen. Einem Anwalt zufolge werden sich die Angeklagten am nächsten Prozesstag “mehr oder weniger umfassend" äußern und darlegen, dass an den Vorwürfen “nicht allzu viel dran ist". Der Prozess wird nächste Woche Dienstag fortgesetzt.