Biopiraten in der Bundesrepublik: Bauern sollen Nachbaugebühren für Saatgut zahl

Saatgutkonzerne

Mit einer Protestaktion vor dem Sitz des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) in Bonn startet die BUKO Kampagne gegen Biopiraterie am 10. April ihren Protest gegen Nachbaugebühren in Deutschland. Um 11 Uhr werden Mitarbeiter der Kampagne mit Transparenten und einem Traktor vor dem Sitz des BDP auffahren, einen Brief übergeben und gegen Nachbaugebühren und Auskunftspflicht demonstrieren. Zeitgleich verkündet der Europäische Gerichtshof in Luxemburg sein Urteil zur umstrittenen Auskunftspflicht. Der BDP und seine Tochter Saatgut-Treuhand-Verwaltungs-GmbH zwingen damit Bauern in Deutschland zu umfassenden Angaben darüber, was sie auf ihren Feldern anbauen. Dann erheben die Pflanzenzüchter sogenannte Nachbaugebühren.

Das Aufbewahren und die Wiederaussaat von Teilen der Ernte auf den Höfen war traditionell immer frei, soll jetzt aber erneut Geld in ihre Kassen bringen. Gregor Kaiser von der BUKO Kampagne betont: "Es bleibt zu hoffen, dass der Trend zum gläsernen Landwirt durch das heutige Urteil verhindert wird. Nichtsdestotrotz müssen die Nachbaugebühren aber auch grundsätzlich vom Tisch."

Die Nachbaugebühren in Deutschland drohen weltweit zum Präzedenzfall zu werden. Nachzucht und Wiederaussaat eigenen Saat- und Erntegutes sind jedoch überlebenswichtig für unzählige Landwirte und eine Garantie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und damit der Ernährungssicherheit weltweit. Die BUKO Kampagne gegen Biopiraterie sieht in den Nachbaugebühren einen Fall von Biopiraterie direkt vor unserer Haustür und fordert daher vom BDP u.a. den Rückzug aller Verfahren vor den Gerichten, in denen Bauern aufgrund der Verweigerung der Auskunft angeklagt sind.