Kirchentag ignoriert DDR-Vergangenheit

Gedenkstätten-Chef

Mit heftiger Kritik hat der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, auf das Programm des Ökumenischen Kirchentages reagiert. Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit werde fast völlig ignoriert, sagte Knabe dem "Berliner "Tagesspiegel". So gebe es keine einzige Veranstaltung zum Thema 17. Juni 1953. "Die Christen in der DDR standen damals unter massivem Verfolgungsdruck, dem insbesondere junge Christen zum Opfer fielen", sagte der Gedenkstättendirektor. Zur DDR-Vergangenheit finde sich im Programm des Kirchentages aber nur ein Forum.

Die Ursache für die Zurückhaltung sieht Knabe darin, dass viele Kirchenvertreter, die eine Aussöhnungspolitik mit dem SED-Regime vertraten, noch großen Einfluss in der Kirche besäßen. "Diese haben nur wenig Interesse an einer kritischen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit", sagte der Wissenschaftler.

Der katholische Pressesprecher des Kirchentages, Theodor Bolzenius, wies Knabes Kritik zurück: "In der Vorbereitung des Kirchentages ist das Gedenken an die DDR-Vergangenheit als wichtiges Thema ausdrücklich gewollt gewesen", sagte er. Im Übrigen sei die Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, Mitglied im Präsidium des Kirchentages.