Schill brachte mehr Straftaten, nicht weniger

7220 Fälle fehlten in Statistik

Die Hamburger Rechts-Koalition ist bei der Verbrechensbekämpfung weit weniger erfolgreich als bisher von ihm selbst angegeben. Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten ging im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entgegen den ursprünglichen Angaben nicht zurück, sondern kletterte um 2,8 Prozent. Aufgrund eines Fehlers bei der Bedienung der Polizeisoftware fehlten in der im Juli vorgelegten Kriminalstatistik für das erste Halbjahr 7220 Straftaten.

Polizeipräsident Udo Nagel sprach von einem "groben Fehler", dessen Ursache Unzulänglichkeit im Umgang mit Technik sei. Vorsatz schloss er aus. Die 7220 Straftaten hätten sich in einem Zwischenspeicher befunden. Mehrere Beamte "aus fast allen Dienststellen, quer durch die Hamburger Polizei" hätten die Daten irrtümlich nicht zur Erfassung freigegeben. Die entsprechende Freigabe-Taste sei erst zum Jahresbeginn eingeführt worden.

Nach den im Juli vom damaligen Innensenator Ronald Schill (Schill-Partei) vorgelegten Zahlen wäre die Kriminalität in der Hansestadt in den ersten sechs Monaten um 2,5 Prozent auf 130 880 Fälle zurückgegangen. Tatsächlich registrierte die Polizei laut Nagel allerdings 138 100 Fälle - 3800 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Aufklärungsquote, also den Anteil der angezeigten Fälle, bei denen nach Ansicht der Polizei ein Tatverdächtiger ermittelt ist, musste die Polizei um 0,9 Prozentpunkte auf 44,7 Prozent nach unten korrigieren.

"Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Bevölkerung mit einer geschönten Kriminalstatistik hinters Licht geführt werden sollte", kommentierte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Michael Neumann, den Fehler im Law-and-Order-Senat.