Alle 14 Sekunden stirbt in deutschen Laboren ein Tier

Versuchstierstatistik 2002

Auch 2002 sind die Versuchstierzahlen in Deutschland wieder angestiegen, kritisiert der Deutsche Tierschutzbund. Die Statistik, die offiziell am 21. November von der Bundesregierung veröffentlicht wurde, belegt, dass 2002 rund 2,2 Millionen Tiere, 100.000 mehr als im Vorjahr, zu Forschungszwecken "verbraucht" wurden. Damit stirbt in Deutschland alle 14 Sekunden ein Tier im Versuch. "In den letzten beiden Jahren wurde immer wieder beteuert, die Versuchstierzahlen würden nur darum im Vergleich zu denen der 90er Jahre ansteigen, da diese jetzt nach einem neuem System erfasst werden", kommentiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. "Nachdem sie 2002 aber zum dritten Mal in Folge angestiegen sind, ist dieses Argument endgültig als Ablenkmanöver entlarvt."

Fest steht, in Deutschland müssen immer mehr Versuchstiere für wirtschaftliche Profitgier und wissenschaftliche Neugier sterben. Die Tierarten, die 2002 am häufigsten verwendet wurden, sind 1.151.053 Mäuse, 519.575 Ratten, 201.604 Fische und 133.446 Kaninchen. Doch auch 1.059 Altweltaffen, 324 Neuweltaffen und 506 Halbaffen, 5.305 Hunde und 771 Katzen mussten in zumeist qualvollen Versuchen ihr Leben lassen.

Zwar ist erstmals seit den 90er Jahren 2002 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der in der Grundlagenforschung eingesetzten Tiere von 926.000 auf 827.000 gesunken. Doch dies kann noch lange nicht als Trendwende bezeichnet werden: Häufig werden gerade in der Grundlagenforschung, also für Projekte ohne direkten Nutzen für Mensch, Tier oder Umwelt, sehr viele Tiere in einem Versuch eingesetzt. Da diese im ersten Jahr des Versuchs gezählt werden, wird der Tierverbrauch nicht kontinuierlich erfasst.

"Mit den neuen Versuchstierzahlen stellt sich die Bundesregierung selbst ein Armutszeugnis aus: Im Koalitionsvertrag ist festgeschrieben, dass Alternativmethoden zum Tierversuch gerade im Hinblick auf das neu aufgenommene Staatsziel Tierschutz besonders gefördert werden sollen. Stattdessen wurden die Mittel für die Alternativmethoden-Forschung drastisch reduziert", empört sich Wolfgang Apel.

"Der Ersatzmethoden-Förderschwerpunkt der Bundesregierung, für den früher jährlich rund 5 Millionen Euro bereitgestellt wurden, scheint allgemeinen Sparzwängen zum Opfer zu fallen. Dieses Jahr wurden nur 2,5 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt - ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Haushaltsausschuss hat jetzt zwar offensichtlich auf Drängen von Bündnis 90 / Die Grünen für 2004 die Fördersumme wieder auf 2,8 Millionen Euro angehoben.

Doch dies reicht noch lange nicht aus. Zudem muss die Bundesregierung aktiv konkrete Forschungsthemen benennen und im Förderschwerpunkt ausschreiben, damit die industrielle und universitäre Forschung schnellst möglich auf tierversuchsfreie Verfahren umgestellt wird." Der Deutsche Tierschutzbund hat der Bundesregierung erst kürzlich ein konkretes Konzept zur Ausgestaltung des Ersatzmethoden-Förderschwerpunktes vorgelegt. "Anstatt nur zu protestieren, zeigen wir gangbare Lösungsmöglichkeiten auf. Jetzt erwarten wir, dass unsere Vorschläge auch Gehör finden - sonst gehen wir wieder auf die Straße", so Wolfgang Apel abschließend.