Proteste gegen Versuchfeld mit Gen-Kartoffeln

Gen-Food

Etwa 30 Umweltschützer protestierten am Samstag gegen das letzte Brandenburger Gentechnik-Versuchsfeld in Berge (Prignitz). Dabei "ernteten" sie trotz Absperrungen und Polizeischutz einige der genmanipulierten Kartoffeln. Das Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik und die BUNDjugend Brandenburg wollten mit der Aktion auf den Gen-Versuch aufmerksam machen. Mit Erfolg: Ein Landtagsabgeordneter, obwohl Mitglied des zuständigen Agrarausschusses, erfuhr erst durch deren Ankündigung von dem Versuch.

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Bayer", war auf dem Transparent am Versuchs-Acker zu lesen. Die Demonstranten ließen gelbe Luftballons mit dem Zeichen für biologische Gefahren in die Luft steigen. "Stellen Sie sich vor, die Luftballons wären Pollen", forderte Thomas Janoschka vom Barnimer Bündnis gegen Gentechnik auf. "Wir wollen zeigen, dass Lebendiges sich nicht an Grenzen der Flurstücke hält", kritisierte Janoschka die "absurde Diskussion um Koexistenz".

Einigen Demonstranten gelang es trotz Polizeischutz und Absperrungen, direkt an das Feld zu gelangen und dort einige Pflanzen abzuernten. Ihnen drohen jetzt Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung.

Neben mehreren Verantwortlichen für das Feld und die Versuche war auch der örtlich zuständige Landtagsabgeordneter Robert Gemmel (SPD) anwesend. Obwohl dieser im dafür zuständigen Agrarausschuss des Landtages sitzt, war er bisher noch nicht über die Existenz des Feldes informiert worden. Erste Informationen erhielt er aus der Ankündigung für die Aktion in der Presse. "Das zeigt wieder einmal, wie sehr die Gentechnikfirmen die Öffentlichkeit und die demokratischen Institutionen scheuen", kritisierten die Veranstalter.

Auf dem Feld in Berge werden Kartoffeln mit einem veränderten Stärkegehalt angebaut. Die Kartoffel enthält außerdem ein Gen, das Resistenz gegen das Bayer-Herbizid Glufosinat verleiht. Das bedeutet, dass im Fall eines großflächigen Anbaus der Kartoffel, die Bauern an Bayer Patentgebühren zahlen müssten. Die Landwirte könnten auch nicht einfach wieder zum normalen Kartoffelanbau zurückkehren, da einzelne Knollen der Kartoffel immer im Boden zurückblieben. Bei Auskreuzungen, könne außerdem eine Resizenz gegen Unkrautvernichtungsmittel entstehen.