Atomblockaden in Brasilien

Unverantwortlichkeit der Atombehörden

Am Wochenende ging eine einwöchige Atomblockade im Nordosten Brasiliens zu Ende. Über 3.000 Anwohner der brasilianischen Uranmine Caetité im Bundesstaat Bahia hatten einen aus São Paulo kommenden Atomtransport blockiert. Die Anwohner sperrten die Hauptzufahrtsstraße zu der Uranmine. Die staatliche hatte den Transport geheim halten wollen, aber Gewerkschafter erfuhren davon und informierten die Gemeinde Caetité. Die Anwohner formierten sich zu einer "menschlichen Barriere" und blockierten die zwölf auf Lastwagen angelieferten Container. In diesen befindet sich Urankonzentrat aus dem Forschungsreaktor Aramar in Sao Paulo. Es soll in Caetité umgepackt und dann nach Europa zur Weiterverarbeitung verschickt werden.

Einwöchige Atomblockaden in Brasilien Beweis für Unverantwortlichkeit der Atombehörden

Die Uranmine steht seit Jahren in der Kritik, da hier zentrale Umweltauflagen verletzt werden. Nach Untersuchungen von Greenpeace aus dem Jahr 2008 verseucht sie das Trinkwasser von mehreren Tausend Menschen mit Uran bis zu siebenfach über den Grenzwert. „Die Blockade ist der bislang größte Anti-Atom-Protest in der Geschichte Brasiliens. Der Unmut der Bevölkerung richtet sich gegen die schlampig arbeitenden Atombehörden, die die Gesundheit der lokalen Bevölkerung fahrlässig aufs Spiel setzen“, erklärt Barbara Happe von der Umweltorganisation urgewald.

„Das ist ein weiteres Beispiel in einer ganzen Reihe von Umweltskandalen im brasilianischen Atomsektor in jüngster Zeit“, erklärt Regine Richter von urgewald. Bereits Ende März gab es einen Eklat, weil das Atomkraftwerk Angra 2 seit zehn Jahren ohne endgültige Betriebsgenehmigung läuft. „Nicht erfüllte Auflagen, fehlende Genehmigungen, geheim gehaltene Atomtransporte, was will die Bundesregierung denn noch alles billigend hinnehmen, ohne die Bürgschaft für Angra 3 in Zweifel zu ziehen?!“ wundert sich Richter.

urgewald fordert, dass aus diesem neuerlichen Skandal Konsequenzen für die Entscheidung über eine endgültige Hermesbürgschaft für das brasilianischen AKW Angra 3 gezogen werden. Da es bisher erst eine grundsätzliche Zusage gibt, kann sich die Bundesregierung gegen die Vergabe einer endgültigen Bürgschaft entscheiden.

Hermesbürgschaften werden Unternehmen gewährt, um diese in so genannten ‚schwierigen Märkten’, besonders Entwicklungs- und Schwellenländern, gegen die Zahlungsunfähigkeit lokaler Besteller abzusichern. Von 2001 bis 2010 verboten die Hermes-Umweltleitlinien Bürgschaften für den Export von Nukleartechnologie. Die schwarz-gelbe Bundesregierung schaffte die Umweltleitlinien ab und vergab im Februar 2010 eine Grundsatzzusage über 1,3 Mrd. Euro für eine Hermesbürgschaft an Areva/Siemens zum Bau des AKW Angra 3. Angra 3 ist der Zwillingsmeiler von Angra 2, der 2000 nach 25 Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde.

Weitere Informationen: Barbara Happe, urgewald e.V., 0172 6814474 Regine Richter, urgewald e.V., 0170 2930725