Gen-Soja soll das Ökosystem beeinträchtigen und mehr Pestizide erfordern

Gentechnik in Argentinien

Eine Studie des US-Agrarwissenschaftlers Charles Benbrook kommt zu dem Ergebnis, dass Gentechnik die Waldzerstörung fördert und die Möglichkeiten zur Selbstversorgung eines Landes mit Lebensmitteln beeinträchtigt. Benbrook untersuchte im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace die Auswirkungen von genmanipuliertem Soja aus Argentinien. Argentinien habe seinen Soja-Anbau innerhalb von acht Jahren fast komplett auf Gen-Soja umgestellt. Dadurch verändere sich die argentinische Landwirtschaft und Landschaft massiv. Die Studie widerlegt die These, wonach genmanipuliertes Soja den Pestizideinsatz verringere.

Jährlich exportiere Argentinien mehr Soja. Die Hälfte des europäischen Sojas stamme aus Argentinien. Dieses Soja sei zu 99 Prozent genmanipuliert, ermittelt die Studie. Es werde in Europa als Tierfutter in der Milch-, Fleisch- und Eierproduktion verwendet. Durch den hohen Import des genmanipulierten Sojas förderten europäische Milch-, Fleisch- und Eierproduzenten diese Art von Landwirtschaft und damit viel Naturzerstörung. Damit gehe "die ökologische und soziale Misere" in Argentinien auch auf das Konto der europäischen Abnehmer von Milch, Fleisch und Eiern, meint die Greenpeace-Gentechnikexpertin Carmen Ulmen.

Durch Gen-Soja wurde massenhaft gerodet: In Argentinien seien innerhalb von acht Jahren 237 Millionen Quadratkilometer Wald und Savanne dem Soja zum Opfer gefallen. So entstanden gut 40 Prozent der neuen Soja-Flächen. Naturvölker, Raubtiere wie Jaguar und Puma oder seltene Vögel seien aus den Wäldern vertrieben worden.

Argentinien könne sich durch Gen-Soja nicht mehr selbst versorgen: Durch den massenhaften Anbau sei die Herstellung von Grundnahrungsmitteln wie Milch, Fleisch und Kartoffeln verdrängt worden. Die exportorientierten Gen-Konzerne lösten die kleinbäuerliche Landwirtschaft ab. Das bedeute eine "zunehmenden Abhängigkeit vom Soja-Export", so Ulmen. Argentinien verliere dadurch die Möglichkeit sich selbst zu versorgen.

Ertragreiche Gen-Soja braucht mehr Pflanzengifte

Das Argument, durch Gen-Soja müssten weniger Pestizide eingesetzt werden, sei falsch. Nach der Studie von Benbrook müssen argentinische Bauern, die Gen-Soja pflanzten, heute mehr von dem Pflanzengift Glyphosat spritzen. Dieses Spritzmittel wird auch "Roundup" genannt. Gut 60 Prozent mehr "Roundup" müsse gespritzt werden als noch im ersten Anbaujahr 1996/97. "Roundup" stamme von dem Gen-Konzern "Monsanto". Der Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein Drittel seines Gewinns durch die gestiegene Nachfrage mit Glyphosat, gibt die Umweltorganisation an.

Die einzige Pflanze, die gegen das tödliche Spritzmittel "Roundup" resistent sei, sei die Gen-Soja "Roundup Ready". Auch die gehöre Monsanto. Durch "Roundup" müssten immer mehr Gifte eingesetzt werden. Denn es gebe einzelne resistente Wildpflanzen gegen das Spritzmittel. Um diese Wildpflanzen zu bekämpfen, müsste ein neues Gift entwickelt werden. Diesen Effekt hat Benbrook auch für Gen-Soja in den USA festgestellt. Monsanto erhalte sich so seinen eigenen Markt.

Greenpeace fordert gentechnikfreie Soja. Europäisches Milchvieh könne im übrigen auch mit Raps aus Europa gefüttert werden, ohne Wälder oder andere wertvolle Ökosysteme zu zerstören.