Erste deutsche Spielzeughersteller weisen faire Arbeitsbedingungen nach

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Erstmals haben deutsche Spielzeughersteller und der Spielzeug-Handel "konkrete Schritte" für menschenwürdige Arbeitsbedingungen im asiatischen Raum, hauptsächlich in China unternommen. Das berichtet die Aktionsgemeinschaft "fair spielt", die aus kirchlichen und Menschenrechtsorganisationen besteht. 70 bis 80 Prozent der Spielwaren würden in China hergestellt. Bisher hätten nur zehn deutsche Unternehmen für einen oder mehrere ihrer Lieferanten Zertifikate des Weltverbandes der Spielzeugindustrie bekommen. Bei Lieferanten von 16 weiteren deutschen Unternehmen habe die Kontrollinspektionen nach den Standards des Weltverbandes stattgefunden, ohne dass bisher ein Zertifikat ausgestellt wurde.

Mehr Unternehmen sollten sich um ein Zertifikat des Weltverbandes der Spielzeugindustrie bemühen, denn die Selbstverpflichtung des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie sei zu unpräzise, meint das Aktionsbündnis. Die Zertifikate des Weltverbandes der Spielzeugindustrie kontrollierten die Arbeitsbedingungen nach Kriterien, die auf "internationalen Standards basieren", berichtet Uwe Kleinert von der Menschenrechtorganisation "Werkstatt Ökonomie".

In den USA und Großbritannien verpflichteten sich bereits rund hundert Unternehmen, ab 2006 faire Spielwaren zu verkaufen. "Wir erwarten von den Spielzeugherstellern, den Handelsunternehmen und den Einkaufsverbänden, dass sie sich eindeutig und verbindlich auf einen Termin festlegen", ab dem sie nur noch faire Waren kauften, sagt Kleinert.

Die Vorschläge der Aktionsgemeinschaft "fair spielt" sehen vor, dass die Ergebnisse der Kontrollinspektionen durch ein unabhängiges Gremium unter Beteiligung von Menschenrechtsorganisationen überwacht werden. Außerdem müssten die Arbeiterinnen mitbestimmten können, wie menschenwürdigere Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden. "Die Arbeiterinnen müssen das Recht und die Möglichkeit bekommen, Missstände und Mängel zu benennen, ohne Benachteiligungen befürchten zu müssen", fordert Magdalena Bogner, von der "Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland". Voraussetzung dafür sei, dass sie über ihre Rechte aufgeklärt würden.

Nicht nur vor Ort müsse die Spielwaren Produktion transparenter werden. "Die Verbraucher sollten am Produkt selbst erkennen können, ob dieses unter akzeptablen Bedingungen" produziert wurde, fordert Klaus Piepel von der kirchlichen Menschenrechtsorganisation "Misereor".

Noch gebe es offene Fragen zu einer Produktkennzeichnung, sagt Kleinert von "Werkstatt Ökonomie". Das betreffe zum Beispiel das Siegel: Ob es nur für Spielwaren allein gelten soll und damit ein Siegel mehr auf dem unübersichtlichen Markt sein käme, sei zu überlegen. Klar sei aber, dass nur Informationen im Internet oder als Faltblätter bei Verbraucherzentralen und im Handel nicht ausreichend seien.