Wirtschaft verlangt mehr soziale Einschnitte

"Das muss zur Selbstverständlichkeit werden"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat von der kommenden Regierung ein deutlich höheres Reformtempo verlangt, als von Rot-Grün bislang praktiziert. Bereits im Wahlkampf müssten die politischen Parteien der Bevölkerung in schonungsloser Ehrlichkeit sagen, was an sozialen Einschnitten in der neuen Legislaturperiode auf sie zu komme, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Chemnitzer "Freien Presse". Es dürfe nicht mehr um den heißen Brei herumgeredet werden. Als eines der wichtigsten Ziele nannte der DIHK-Hauptgeschäftsführer die Senkung der Arbeitskosten. Dazu zähle, für den gleichen Lohn länger zu arbeiten. Im Osten sei das längst Realität.

"Das muss auch im Westen zur Selbstverständlichkeit werden", forderte Wansleben. Hinzu komme, dass auch im sozialen Bereich die Arbeitnehmer bereit sein müssten, mehr Kosten über eine Selbstbeteiligung individuell zu tragen. Was bei der Kfz-Versicherung gang und gäbe sei, müsse schrittweise auch für Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung eingeführt werden.

Nachdrücklich sprach sich Wansleben für Änderungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aus, die die Unternehmen jährlich rund 30 Milliarden Euro koste. So sollten Ausfalltage bei Bagatellkrankheiten wie Erkältung künftig nicht mehr bezahlt werden. Dafür wären drei "Karenztage" der richtige Weg. Das heißt, drei Tage Lang würde die Lohnfortzahlung ausfallen und erst ab dem vierten Krankheitstag wieder einsetzen. Ebenso sei mehr "Eigenverantwortung" bei der Arbeitslosenversicherung nötig. Wenn in den ersten vier Wochen der Erwerbslosigkeit auf das Arbeitslosengeld verzichtet werde, könne das zu Entlastung der Beitragszahler beitragen.