Neue EU-Gesetzgebung fördert weiterhin tagelange Tiertransporte

Regionale Landwirtschaft für kürzere Transporte

Mehr als 360 Millionen Tiere werden laut Deutschem Tierschutzbund jedes Jahr "unter grausamsten Bedingungen" quer durch Europa transportiert. Darauf wies die Organisation am Mittwoch anlässlich des "Tags gegen Tiertransporte" am 1. Juli mit. Auch von der neuen EU-Gesetzgebung, die 2007 in Kraft treten soll, versprechen sich die Tierschützer nicht viel. Während mit den neuen Gesetzen beispielsweise die Kontrollen verschärft wurden, konnte bei den Punkten "Ladedichte" und "Transportzeiten" keine Einigung zwischen den EU-Ländern erzielt werden. Konsequenz ist, dass in diesen Bereichen zunächst die bisherigen Regeln gelten. Zwischen 2007 und 2011 soll dann erneut darüber debattiert werden. Gerade diese Bedingungen aber sind aus Sicht der Tierschützer eine große Qual für die Tiere. Grund für den ganzen Ablauf sei "allzu oft die Profitmacherei der Agrarindustrie". Für diese lohnten sich die Transporte schon, wenn entfernte Schlachthöfe wenige Cent pro Tier mehr bezahlten. Außerdem subventioniere die EU die Transporte oft noch.

Pferde, Rinder, Kälber, Schweine oder Schafe legen laut Tierschutzbund bei einem Transport teilweise Strecken bis zu 3.000 Kilometer zurück. Eng eingepfercht würden die Tiere beispielsweise in mehrstöckigen LKWs von Deutschland nach Italien und von dort per Schiff in den Nahen Osten transportiert. Die Fahrt dauere oft weit über 70 Stunden. An diesen Zuständen werde auch die neue EU-Gesetzgebung kaum etwas ändern. "Nach wie vor werden Tiere legal tagelang auf engstem Raum zusammengepfercht bei hohen Temperaturen transportiert werden dürfen", kritisierte Wolfgang Apfel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Der Tierschutzbund spricht von Tiertransporten, die zwischen 19 und 29 Stunden am Stück andauern, bis es eine Pause gibt. Dies bei Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius. Oftmals würden Tiere dabei wegen der Belastung zusammenbrechen. Wegen der großen Beladungsdichte könne ihnen in der Regel aber nicht geholfen werden.

Eine große Rolle spielen laut Tierschutzbund bei dem Geschehen die Subventionen der EU. Ohne sie würden sich viele der Geschäfte gar nicht lohnen. "Seit 1989 leistet die Europäische Union großzügige Subventionszahlungen für den Export lebender Zucht- und Schlachtrinder in Staaten außerhalb der EU, denn aufgrund der Überproduktion in Europa sollen möglichst viele Rinder in Drittländer exportiert werden", heißt es auf der Internetseite des Tierschutzbundes. Da die europäischen Preise aber nicht auf dem Weltmarkt konkurrieren könnten, werde der Handel subventioniert und der Export lebender Tiere zum guten Geschäft.

2003 allerdings seien einige größere Veränderungen vorgenommen worden. So würden nur noch Exporte in Länder subventioniert, die aus religiösen und kulturellen Gründen einen traditionell großen Bedarf an Importrindern haben. "Ausgerechnet für die problematischen Schlachtrindertransporte" in den Libanon und nach Ägypten werde damit weiter gezahlt. Im Jahr 2001 seien insgesamt über 152.000 Rinder exportiert worden. Von diesen seien mehr als 145.000 in den Libanon und etwa 1.000 nach Ägypten gegangen.

"Die Gelder fließen also noch immer und scheinbar sogar mehr", schlussfolgert der Tierschutzbund. Im Jahr 2001 seien 44,4 Millionen Euro und 2002 etwa 62 Millionen Euro an Exportsubventionen für lebende Rinder in Drittländer gezahlt worden. Für 2005 stehen nach Angaben der Tierschützer bis zu 77 Millionen Euro zur Verfügung.

Tierschutzbund-Präsident Apfel sagte, es brauche zwar dringend schärfere Vorschriften und Kontrollen, allem voran eine Begrenzung der Transportdauer, aber schlussendlich müsse "die Qual auf vier Rädern [...] ein Ende haben". Dazu gehöre auch, die Subventionen zu streichen und die regionale Landwirtschaft zu stärken, damit die Transportwege wieder kurz werden.