Friedensaktivisten dringen in US-Militärstützpunkt ein

Gewaltfrei gegen Gewalt

60 Jahre nach dem Abwurf einer Atombombe auf die japanische Stadt Nagasaki sind am 9. August Düsseldorfer Friedensaktivisten auf das Terrain der US-Kommandozentrale EUCOM vorgedrungen. Sie wollten damit gegen Krieg und Atomwaffen demonstrieren. Sie forderten die Schließung des EUCOM, den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und die weltweite Vernichtung aller Atomwaffen. Bei der Aktion zerschnitten die Friedensbewegten den Zaun und zäunten auf dem Gelände symbolisch eine kleine Fläche ab. Sie nahmen damit Bezug auf den von ihnen kritisierten "Landraub der amerikanischen Regierung an den Ureinwohnern Amerikas" und bezogen sich hierbei insbesondere auf das Atomwaffen-Testgelände in Nevada.

"Gekauft" - wie bei der Gründung Amerikas

Die Aktion wurde im Vorfeld bei verschiedenen Stellen, unter anderem bei der Presse und der Polizei durch einen Brief angekündigt. Darin heißt es nach Angaben der Friedensbewegten: "Bei unserer gewaltfreien Aktion wollen wir den Zaun des EUCOM an einer Stelle öffnen und dahinter ein paar Quadratmeter des EUCOM-Geländes unsererseits einzäunen. Dieses kleine Stück des EUCOM kaufen wir mit diesem Brief der US-Army zum Preis von einem Euro ab."

Damit werde das Stück EUCOM-Gelände auf ähnliche Art und Weise gekauft, wie es einst die US-Regierung mit einer riesigen Landfläche der Western-Shoshone-IndianerInnen in Nevada gemacht hätte, "um das Gebiet anschließend mit Atomtests zu zerbomben." Nach der Weigerung der Indianer, ihr Land zu verkaufen, sei kurzerhand ein Geldbetrag auf das Konto des "Bureau für indianische Angelegenheiten" überwiesen worden, und die US-Regierung habe sich damit zum Eigentümer des Landes erklärt.

Forderung: EUCOM schließen

Zur Begründung hieß es, die Aktion solle "gleichzeitig symbolisch und konkret" sein. Im EUCOM würden Kriegseinsätze gesteuert, in der Zukunft möglicherweise auch Atomwaffeneinsätze. Die vom EUCOM ausgehende Gefahr solle symbolisch verringert werden, indem das EUCOM-Gelände konkret verkleinert würde. Die Aktion solle ein Schritt zu politischen und juristischen Entscheidungen sein, "die irgendwann für die konkrete Schließung des EUCOM sorgen würden". Um solche Entscheidungen zu erreichen, sei politischer Druck notwendig, heißt es zur Begründung.

Mit Schweigen und leisen Flötentönen gedachten die Aktivisten eigenen Angaben zufolge auf dem EUCOM-Gelände den Opfern des Atomwaffenabwurfs auf Nagasaki vor 60 Jahren. Danach seien sie "mitten in das EUCOM-Gelände hinein" gegangen. Dabei seien sie auch an der eigentlichen Kommandozentrale vorbeigekommen, von der im sogenannten Ernstfall auch die in Deutschland stationierten Atomwaffen zum Einsatz gebracht werden würden. Nach etwa zwei Stunden sei die Aktion beendet gewesen. Vor dem Gelände stellten sich die Aktivisten offenbar freiwillig der Polizei.

Trotz der Ankündigung hatten offenbar weder die Sicherheitskräfte des EUCOM noch die Polizei bis dahin die Aktion realisiert. Als die Polizisten dann verstanden hätten was geschehen war, sei es zu "forcierter amtlicher Aktivität", einem "chaotischen Auflauf" und "Hektik allerorten" gekommen. Es soll eine Leibesvisitation auf offener Straße gegeben haben, sowie erkennungsdienstliche Maßnahmen, eindringliche Befragungen und heiß laufende Handys sowohl bei Polizei als auch bei US-Militär. Im Endeffekt sei eine Ermahnung mit Platzverweis ausgesprochen worden.

Nach Angaben der Stuttgarter Polizei gibt es gegen die Aktivisten nun eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. Das US-Militär habe sich noch nicht entschieden auch noch Anzeige wegen Hausfriedensbruch zu stellen, es sei aber damit zu rechnen.

Die AktivistInnen betonten nach der Aktion, sie hätten nicht die Sicherheitsmängel des EUCOM aufdecken wollen, wie es die Stuttgarter Presse "hochgespielt" habe. Ihr Protest richte sich vielmehr gegen das EUCOM und die Atomwaffen, die man weghaben wolle. Sie argumentierten, Sicherheit lasse sich "nicht herbeibomben, schon gar nicht mit Atomwaffen". Sicherheit werde nur ermöglicht durch mehr Gerechtigkeit, Solidarität und Vertrauen.