Skandal um Fleischabfälle weitet sich immer mehr aus

Abfall zu Lebensmitteln

Der bayerische Fleischskandal weitet sich immer mehr aus. Nach Angaben von Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) geht es inzwischen um 2500 Tonnen Schlachtabfälle, die in die Produktion von Lebensmitteln geschleust wurden. Bislang war von 1700 Tonnen die Rede.

Das Material sei innerhalb Deutschlands bei weiterverarbeitenden Betrieben in Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen gelandet. Ob es dort bereits in Lebensmitteln verwendet wurde, lasse sich derzeit noch nicht sagen, sagte Schnappauf am Freitag im "Antenne Bayern"-Interview. Die Verarbeiter hätten nach bisherigen Erkenntnissen nichts von der Minderwertigkeit der Ware gewusst.

Auch nach Italien, Frankreich und Ungarn seien Lieferungen der illegal umetikettierten Fleischabfälle, die eigentlich nur für Tiernahrung hätten verwendet werden dürfen, gegangen. Die zuständigen Behörden vor Ort seien bereits alarmiert worden, sagte Schnappauf.

Schnappauf sagte, als Urheber des Skandals zeichne sich immer mehr die Deggendorfer Firma Frost GmbH ab. Das Unternehmen bleibe vorerst auch weiter geschlossen. Eine zunächst ebenfalls verdächtigte Firma in Illertissen im Allgäu habe hingegen wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen. Sie bleibe aber unter Beobachtung. Im Freistaat sei das verunreinigte Material an zwei Unternehmen in Niederbayern und Oberfranken zur Weiterverarbeitung geliefert worden, teilte der Minister mit.

Inzwischen scheint klar, dass die ursprünglich Schweizer Schlachtabfälle erst in Deutschland als lebensmitteltauglich umdeklariert wurden. Das eidgenössische Bundesamt für das Veterinärwesen in Bern betonte: "Die Ware war bis zum Zoll richtig deklariert - als für den Menschen ungeeignet." Es könne definitiv ausgeschlossen werden, dass das Fleisch falsch ausgezeichnet die Schweiz verlassen habe, versicherte Bundesamtssprecherin Cathy Maret. Für die juristische Aufarbeitung des Fleischskandals ist die Frage, wo die vermuteten Manipulationen erfolgt sind, von erheblicher Bedeutung.

CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann lobte das bisherige Vorgehen der bayerischen Behörden. Durch die Aufdeckung des Skandals sei "bewiesen, dass die Kontrollmechanismen funktionieren". Dem widersprach bayerische Grünen-Agrarexperte Adi Sprinkart energisch. Nur weil bei der Lieferung aus der Schweiz der Zoll passiert wurde, sei die Angelegenheit entdeckt worden. Im Inland hätte der Täter wohl weiterhin sein Unwesen treiben können. Auch SPD-Agrarsprecherin Heidi Lück beklagte, das Kontrollsystem habe "schwerstens versagt".