DIW findet keinen Einfluss der Familienform auf den Schulerfolg von Kindern

Familie und Bildung

In Deutschland hat die Familienform keinen nachweisbaren Einfluss auf den Schulerfolg und eine mögliche spätere Arbeitslosigkeit der Kinder. Das ist das Ergebnis des aktuellen Wochenberichts des DIW Berlin 13/2006. Jugendliche und junge Erwachsene, die in nicht-traditionellen Elternhäusern aufgewachsen sind, haben jedoch eine etwa 10 bis 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit zu rauchen. Nicht-traditionelle Familienformen sind Familien, in denen nicht beide leiblichen Eltern gemeinsam ihre Kinder großziehen. So zählen zum Beispiel Alleinerziehende zu den nicht-traditionell Erziehenden.

Auf Basis der Längschnittsdaten des vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung erhobenen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) könne für Kinder, die in Deutschland von 1966 bis 1986 geboren wurden, methodisch zuverlässig gezeigt werden, dass es keinen statistisch eindeutig nachweisbaren Einfluss des Familientyps auf die Wahrscheinlichkeit gibt, Abitur oder einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen. Auch lässt sich statistisch kein konsistenter Einfluss auf das Arbeitslosigkeitsrisiko in der Jugend nachweisen.

In Deutschland hänge der Besuch weiterführender Schulen aufgrund der Schulgeldfreiheit kaum vom Einkommen der Eltern ab und deswegen schlage z. B. Einkommensarmut von Alleinerziehenden nicht auf den Schulerfolg (Erreichen des Abiturs) um. Allerdings habe das Bildungsniveau der Eltern einen deutlichen Einfluss auf diese Entscheidung. Ein Vergleich mit Großbritannien zeige, dass sich dort die Erziehung von Kindern in nicht traditionellen Familien negativ auf deren Bildungschancen und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt auswirken.

Insgesamt lasse sich laut DIW die populäre These, dass das Aufwachsen in nicht-traditionellen Familien für den Bildungsweg von Kindern negativ zu beurteilen ist, für Deutschland nicht empirisch untermauern. Vorurteile gegenüber nicht traditionellen Familien seien daher nicht angemessen, da keine negativen Auswirkungen auf die schulische Ausbildung oder auf die spätere Erwerbstätigkeit der Kinder nachzuweisen sind. Einziger Nachteil sei der überdurchschnittliche Tabakkonsum, dessen Ursachen noch näher untersucht würden.