E.On will drei Milliarden Euro in Erneuerbare Energien investieren

Offshore-Windkraft statt Bürgerkraftwerke

Das Zukunfts-Geschäft mit den erneuerbaren Energien wird zunehmend hart umkämpft. Während auf der einen Seite Hausbesitzer, Kleinunternehmen, Betreibergemeinschaften und Landwirte mit erstaunlicher Dynamik einen dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben, wollen die großen Energiekonzerne auch dieses Geschäftsfeld am liebsten auf sich konzentrieren. Wenn die Atomkonzerne die Erneuerbaren schon nicht mehr verhindern können, so wollen sie doch offenbar zumindest das lukrative Geschäft an sich ziehen. Die dezentralen Bürgerkraftwerke mit ihren regionalwirtschaftlichen Impulsen könnten so langfristig auf der Strecke bleiben. Der Energieriese E.On, sonst eher bekannt durch seine vielen Atomkraftwerke, möchte nun bis 2010 drei Milliarden Euro in den Aufbau einer eigenen "Einheit" für erneuerbaren Energien investieren. Das Geld soll "insbesondere" in zentrale Windparks im Meer fließen. An die Spitze des Geschäftszweiges setzt der Konzern einen Manager von BP in London, der dort derzeit für das Flüssiggasgeschäft zuständig ist.

"An der Spitze der künftigen Einheit für erneuerbare Energien und Klimaschutz wird mit Frank Mastiaux (43) ab Oktober 2007 ein international erfahrener Energiemanager stehen", teilte E.On mit. Mastiaux hatte auch vor seiner Tätigkeit bei BP offenbar in erster Linie mit fossilen Energien zu tun. So war er vormals in verschiedenen Managementpositionen bei BP, Aral und Veba Oel tätig.

Vorrangiges Ziel der neuen Einheit ist den Angaben zufolge der Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien sowohl innerhalb als auch außerhalb E.ON's bestehender Märkte. Bis 2010 will E.On dafür drei Milliarden Euro investieren, "insbesondere in die Offshore-Windkraft", so der Energiekonzern. In diesem Zeitraum plane E.On allein im Bereich der Windkraft einen Kapazitätsausbau von mehr als 500 Megawatt. Darüber hinaus seien weitere zahlreiche Offshore-Windkraftprojekte in der Planung, insbesondere der größte Windpark der Welt mit rund 1.000 Megawatt Leistung vor der Themsemündung.

Geräuscharmer Umbau der Branche Erneuerbarer Energien

Der mögliche Konzentrationsprozess im Bereich der erneuerbaren Energien läuft weitgehend geräuschlos und ohne, dass darüber in der Öffentlichkeit breiter diskutiert wird.

Dabei gibt es seit Jahren Verlautbarungen, Forderungen und Pläne, den bisherigen Kurs der Förderung eines dezentralen Ausbaus "in Bürgerhand" zumindest zu verändern, wenn nicht sogar zu stoppen.

Schon unter Bundesumweltminister Jürgen Trittin fand eine Umorientierung in Richtung Offshore-Windkraft statt. Auch unter Sigmar Gabriel setzt das Bundesumweltministerium offenbar auf den Ausbau von Windparks durch Großkonzerne, insbesondere an der Küste, im Meer und an ausgewählten Binnenstandorten. Auf der anderen Seite sollen einzelne Windkraftanlagen und kleinere Windparks im Binnenland, die vielfach von Landwirten oder Bürgergemeinschaften betrieben werden, nach dem Willen der Bundesregierung teilweise wieder beseitigt werden.

So hat sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, im Januar 2007 für die "Modernisierung" bestehender Windparks ausgesprochen. "Alte" Windenergieanlagen sollten durch moderne, leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Durch dieses so genannte "Repowering" könne "mit weniger Windrädern deutlich mehr Strom produziert werden. Einzelanlagen und bestehende Streulagen können beseitigt und dadurch das Landschaftsbild insgesamt entlastet werden", heißt es in einer Mitteilung des Bundesumweltministeriums vom 27. Januar 2007.

Ganz ähnlich hatte sich bereits Minister Gabriel am 2. Oktober 2006 geäußert. Anlässlich der Vorstellung eines Windenergie-Testfeldes in der Nordsee gemeinsam mit den Energiekonzernen E.On und Vattenfall äußerte sich Gabriel zu den Perspektiven der Offshore-Windparks auf hoher See und der Windenergie im Binnenland. Nach Auffassung von Gabriel zählt zu den Vorteilen des Offshore-Projektes, dass die auf offener See getesteten Anlagen auch die Chance böten, die Leistung der an Land stehenden Anlagen zu verbessern. "Dann kann auch deren Zahl reduziert werden", so der Umweltminister mit Blick auf "immer wieder geäußerte Kritik an der Windenergie in der freien Landschaft".

Am 5. Juli legte Gabriel einen Erfahrungsbericht zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor. Der Minister erklärte, dass die bisherige Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien durch das EEG für Deutschland außerordentlich erfolgreich gewesen sei. "Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte für Klimaschutz, Energieversorgung und Arbeitsplätze", so Gabriel. Möglicherweise war der dezentrale Ausbau den großen Energiekonzernen zu erfolgreich, so dass jetzt gegengesteuert werden soll. So plant die Bundesregierung in Abstimmung mit der Elektrizitätswirtschaft eine Überarbeitung der Förderregeln. Mit einer Novellierung des EEG soll dem weiteren Ausbau von Offshore-Windanlagen in der Nord- und Ostsee zum Durchbruch verholfen werden. Von den Regelungen des EEG sollen offenbar zunehmend die großen Energiekonzerne profitieren.

Der maßgeblich von den großen Energiekonzernen getragene Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) verlangte am 5. Juli eine Konzentration der erneuerbaren Energien auf die "günstigsten Standorte". Die derzeitige Förderpolitik müsse "den künftigen Anforderungen eines europaweiten Energiebinnenmarktes angepasst werden", fordert der Verband. Der weiterhin starke Ausbau der erneuerbaren Energien erfordere einen "deutlichen Kurswechsel bei den Förderinstrumenten". Die Politik dürfe nicht länger "einseitig" nur auf den Mengenzuwachs bei den Erneuerbaren zielen.

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland plädierte vor einiger Zeit vor dem Hintergrund des europaweiten Stromausfalls hingegen für einen weiteren Ausbau dezentraler Windkraftkapazitäten in ganz Deutschland. Anstelle einer Konzentration auf wenige große Windparks an der norddeutschen Küste und im Meer müsse es zu einem weiteren Ausbau der Windenergie im Binnenland, insbesondere auch in Süddeutschland kommen.

Ebenso hatte die Solarenergievereinigung EUROSOLAR im Juni 2006 für den Ausbau eigenständiger Kraftwerkskapazitäten "in Bürgerhand" plädiert. Dieser muss nach Ansicht von EUROSOLAR weiter forciert werden, um sich von den fossilen Energiemärkten unabhängiger zu machen und gleichzeitig "regionale Wirtschaftskreisläufe" zu schließen.