Start einer Kampagne für Atomausstieg und Erneuerbare Energien

Faltblatt-Aktion "Glaubst du das wirklich?"

Anlässlich des "Tages der Erneuerbaren Energien" am morgigen Samstag (25. April) und des Tschernobyl-Jahrestages am Sonntag starten 33 Verbände aus der Umwelt-, Anti-Atom-, Erneuerbare Energien-, globalisierungskritischen- und Friedensbewegung eine gemeinsame Kampagne für das Super-Wahljahr 2009. In einem 8-Seiten-Faltblatt mit dem Titel "Glaubst Du das wirklich" mit einer Startauflage von einer halben Million Exemplaren wird der zügige Ausstieg aus der Atomenergie, der Verzicht auf Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke und generell "der Abschied von Atom, Kohle, Öl und Gas in der Hand weniger großer Energiekonzerne" gefordert. "Die Zukunft liegt im beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bürgerhand", so eine Sprecher der atomkritischen ärztlichen Friedensorganisation IPPNW. Weil Politik und Wirtschaft die riesigen Probleme viel zu zögerlich angingen, seien die einzelnen Bürger gefordert. "Neben einer wohlüberlegten Stimmabgabe bei der Bundestagswahl fordern wir alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, selbst zu 'Energieversorgern' zu werden, indem sie sich an neuen Windenergie- und Bürgersolaranlagen beteiligen."

Das von der IPPNW, der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien (EUROSOLAR) und vom Deutschen Naturschutzring (DNR) herausgegebene und von 30 weiteren Organisationen unterstützte Faltblatt "Glaubst du das wirklich?" wurde laut IPPNW Mitte April mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren gedruckt und ist offenbar bereits vergriffen. "Aufgrund der großen Nachfrage erteilten wir gestern den Druckauftrag für weitere 300.000 Exemplare", so der IPPNW-Sprecher. "Mit einer halben Million Faltblätter gelingt so ein fulminanter Start dieser Kampagne im Super-Wahljahr."

"Die Welt nimmt Abschied von Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom"

"Die Welt nimmt Abschied von Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom", sagt Irm Pontenagel, Geschäftsführerin von EUROSOLAR unter Verweis auf die Gründung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energie (IRENA) durch 75 Staaten am 27. Januar in Bonn. "Auf der Gründungskonferenz sprachen sich Regierungsvertreter aus der ganzen Welt für einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien aus", so Pontenagel. "Der Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energie wird allerdings nur gelingen, wenn der dezentrale Ausbau durch Bürger, Kommunen und kleinere Unternehmen beschleunigt weitergeht. Dem Versuch, dem sehr erfolgreichen dezentralen Weg Steine in den Weg zu legen und einer derzeit nicht realisierbaren Stromerzeugung in der Sahara durch große Energiekonzerne das Wort zu reden, erteilen wir eine klare Absage."

DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen kritisiert, die unionsgeführten Landesregierungen von Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen würden seit Jahren willkürlich Standortgenehmigungen für Windenergieanlagen verweigern. Gerade die Windenergie könne aber den größten Beitrag zu einem kurzfristig realisierbaren Ersatz von Atom- und Kohlestrom leisten. "Das ist verantwortungslos", so Röscheisen. "Ohne diese Blockaden könnte der Anteil der Erneuerbaren Energien in Deutschland schon jetzt sehr viel höher liegen." Die Behinderung der Erneuerbaren Energien müsse dringend beendet werden.

IPPNW, EUROSOLAR und DNR verlangen eine zügige Stilllegung der deutschen Atomkraftwerke. "Manche in Politik und Wirtschaft müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass man mit dem 2%-Anteil, den die Atomenergie lediglich zur weltweiten Energieversorgung beiträgt, weder das Energie- noch das Klimaproblem lösen kann", so Röscheisen. "Ich bin überzeugt davon, dass die Bevölkerung diesen Punkt sehr deutlich wahrnehmen und bei der Bundestagswahl die entsprechenden Konsequenzen ziehen wird."

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