Chemie-Nobelpreisträger kritisiert Einsatz von Biosprit

Regenwälder

Der deutsche Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel kritisiert den forcierten Einsatz von Biosprit in der Europäischen Union. Die in der EU bestehende Pflicht zur Beimischung in herkömmliche Kraftstoffe sei unter Umweltgesichtspunkten extrem negativ und ökonomisch sinnlos, sagte Michel der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sie sollte vor allem wegen ihrer verheerenden Auswirkungen auf die Regenwälder sofort abgeschafft werden. Da die Herstellungskosten in Europa nicht mit denen in der Dritten Welt vergleichbar seien, werde man gezwungen, etwa Palmöl aus Indonesien einzuführen, so Michel. Gerade die Palmölproduktion in Indonesien führe aber dazu, dass dort Regenwälder abgeholzt oder niedergebrannt würden.

Dann würden dort Ölpalmenplantagen angelegt, und das Palmöl werde in Biodiesel umgewandelt. Bei der Brandrodung werde soviel Kohlendioxid freigesetzt, dass man mehr als 100 Jahre brauche, um es wieder zu binden.

Das gleiche gelte für Importe von Biodiesel auf der Basis von Sojabohnen aus Brasilien, sagte Michel, der 1988 den Nobelpreis erhielt und am Frankfurter Max-Planck-Institut für Biophysik tätig ist. Auch da sei zu befürchten, dass am Amazonas Regenwälder abgeholzt würden, um Sojaplantagen anzulegen.

Auch die Unterstützung der EU und der Bundesregierung für den Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen sei aus ökologischer Sicht völlig sinnlos, sagte Michel. Diese Politik führe mit Hilfe von Subventionen lediglich zu einer Einkommenserhöhung der Landwirtschaft.

Als Alternative zur Verwendung von Biomasse schlug Michel die direkte Verwendung von Holz vor. Wenn etwa Holzpellets von der schnell wachsenden Pappel anstelle von Erdöl oder Erdgas zum Heizen verwendet würden, könnten mit dem eingesparten Erdöl oder Erdgas Autos betrieben werden. Der Vorteil dabei sei, dass keine Energie aus fossilen Quellen für die Umwandlung der Biomasse in Biodiesel oder sonstige Motorkraftstoffe eingesetzt werde