CSU-Huber wirbt für die Pendlerpauschale und stößt auf wenig Begeisterung

BMW-Arbeiter kritisieren "Wahlversprechen"

Bei Adolf Weber kann der CSU-Chef nicht punkten. Als Erwin Huber ihm am Montag (7. Juli) am Werksausgang von BMW ein Flugblatt in die Hand drücken will, winkt der 54-Jährige mürrisch ab. "Das sind doch nur Wahlversprechen", mault der Mechaniker hinter dem Ausgang, "alles Lügenmärchen." Huber lächelt unbeirrt und verteilt eifrig weiter. Die CSU will die alte Pendlerpauschale zurückhaben. Das wollen auch viele der Arbeiter, die an Huber vorbeischlendern - nur der CSU trauen sie dieses Vorhaben nicht zu. Schließlich hat die CSU die Pendlerpauschale, die sie jetzt angeblich wieder einführen möchte, mit abgeschafft.

Bei BMW in Dingolfing ist Schichtwechsel. Zu Hunderten strömen die Mitarbeiter auf den Werkshof. Am Ausgang steht Huber mit seinem Stapel Flugblättern und einem Dauerlächeln. Hektisch hantiert er mit dem Papierhaufen und gibt sich unverkrampft: "Grüß Gott", "Na, habt Ihr es geschafft für heute?", grüßt er die Arbeiter. Viel Enthusiasmus kommt ihm nicht entgegen. Mal bekommt er ein "Servus" zurück, mal nur einen kritischen Blick oder ein hämisches Lachen. Wortlos gehen die meisten an Huber vorbei, manche lästern. "Gibt es Benzin auch billiger?", ruft ein Arbeiter beim Weggehen. Ein anderer schaut abschätzig auf das Flugblatt. "Das schmeiß ich gleich eh wieder weg", sagt er.

"Das sind doch Kindereien hier", schimpft Weber, "da lachen doch alle drüber." Sein Leben lang habe er CSU gewählt, erzählt er, aber jetzt sei er "Protestwähler". Immer höhere Preise, immer nur Enttäuschungen - das sei ihm genug gewesen. Auch die Kürzung der Pendlerpauschale ärgert den Mechaniker. 13 Kilometer fährt er jeden Morgen zum Werk - zu wenig für Steuervergünstigungen. Seit Anfang 2007 gilt die Pendlerpauschale erst ab dem 21. Kilometer. Wer einen kürzeren Weg zur Arbeit hat, geht leer aus. "Klar merke ich das", sagt der Mechaniker.

Erwin Schleifer geht es ähnlich. Der 47-Jährige arbeitet in der Lackiererei bei BMW. 15 Kilometer muss er jeden Tag hinfahren. "Dass wir die alte Pendlerpauschale zurückkriegen, ist ja wohl das mindeste", sagt er. Für Hubers Auftritt hat er nur ein müdes Lächeln übrig. "Alles Wahlkampftaktik", sagt er, "die haben es ja selbst abgeschafft - und jetzt machen sie hier so eine Show."

Den Vorwurf muss sich Huber oft anhören. Die CSU hat die Kürzung der Pendlerpauschale mit beschlossen. Das bestreite er nicht, sagt der Parteichef, aber die Umstände hätten sich grundlegend geändert. Die Spritpreise seien mittlerweile explodiert und die Steuereinnahmen gestiegen, wiederholt er immer wieder. Nun sei es ein "Gebot der Gerechtigkeit", etwas für die Berufspendler zu tun.

Diese Botschaft will der CSU-Chef auch am Werkstor verbreiten. "Jawoll, wir tun etwas für die arbeitende Bevölkerung", wiederholt Huber gebetsmühlenartig beim Austeilen. "Ha!", ruft ein Monteur beim Vorbeigehen und lacht laut auf. Er deutet auf das CSU-Zeichen auf dem Flugblatt und grinst vor sich hin. Mehr fällt ihm dazu nicht ein.

Andere finden es "ganz gut", wie sich Huber bemüht. "Passt schon", sagt Johann Eibl auf dem Weg in die Werkshalle. Begeisterung klingt anders. Zur Forderung nach der alten Pendlerpauschale nicken die meisten zustimmend. Nur an die Umsetzung wollen viele nicht glauben. "Das hier ist vielleicht publikumswirksam, aber nicht von Erfolg gekrönt", sagt Josef Pötzing.